Bürgerratswahlen

Kandidatenflut: Auch Franz Kaufmann will Liestaler Bürgerrat werden

Franz Kaufmann (SP): «Ich will dazu beitragen, dass die Bürgergemeinde wieder in erster Linie als Gemeinwesen und nicht als sogenannt moderne Unternehmung verstanden wird.» (Archivbild)

Wider Erwartens tritt der 64-jährige Franz Kaufmann nicht aus der Politik zurück. Stattdessen kandidiert er am 9. Februar für den Liestaler Bürgerrat. Doch Kaufmann kandidiert aus einem Unbehagen heraus.

Eine kleine Sensation im politischen Liestal: Der auf Ende Legislatur abtretende Stadtrat und Vizestadtpräsident Franz Kaufmann (SP) kandidiert am 9. Februar für den Liestaler Bürgerrat. Und zwar nicht etwa als Nachfolger seines Genossen Hanspeter Stoll, sondern zusammen mit diesem. Denn der vor vier Jahren überraschend gut gewählte Stoll will weitermachen. Deshalb nominierte die SP letzte Woche Stoll und Kaufmann. Womit die Partei, die früher kein Brot im Bürgerrat hatte, dort eine ernstzunehmende Macht werden dürfte. Denn sowohl Stoll wie Kaufmann haben beste Wahlchancen. Doch wieso zieht sich Kaufmann, der im Frühling 65 Jahre alt wird, nicht aufs politische Altenteil zurück, wie es alle erwartet haben?

Bewerbung ist auch Kritik an Bürgerrat

Der intransparente Rücktritt von Bürgergemeindepräsident René Steinle, der geplante Einstieg bei der Weinkellerei Siebe-dupf und die forsche Immobilienpolitik der Bürgergemeinde komme bei vielen Bürgern schlecht an, sagt Kaufmann. Auch er mache sich als Liestaler Bürger Sorgen und strebe mit seiner Kandidatur eine Kursänderung an: «Ich will dazu beitragen, dass die Bürgergemeinde wieder in erster Linie als Gemeinwesen und nicht als sogenannt moderne Unternehmung verstanden wird.» Kaufmann ist nicht der Einzige, der aus einem Unbehagen heraus kandidiert. Auch der parteilose Franz Thür, Mitglied der Rechnungsprüfungskommission der Bürgergemeinde und Präsident des Turnvereins Liestal, kann sich nicht mit einem Engagement im Weinhandel anfreunden und tritt zu den Wahlen an: «Ich bin gegen den Einstieg bei ‹Siebedupf›, weil das Wissen bei der Bürgergemeinde dafür nicht vorhanden ist.»

Ebenfalls für eine Kandidatur für den Bürgerrat und damit gegen eine Stadtratskandidatur (bz von 30. Oktober) hat sich der grünliberale Einwohnerrat Domenic Schneider entschieden. Er wolle als Bürgerrat die Zusammenarbeit von Stadt und Bürgergemeinde verbessern, sagt Schneider. Auch er ist als Chef einer Banntagsrotte alles andere als chancenlos.

Als weitere neue Kandidaten stehen der derzeitige Einwohnerratspräsident Werner Fischer (FDP), ebenfalls Rottenchef, und Einwohnerrat Beat Gränicher (SVP) in den Startlöchern. Gränichers Motivation klingt ähnlich wie jene von Schneider: «Ich will mehr Harmonie ins Verhältnis zwischen Bürger- und Einwohnergemeinde bringen.»

Das ergibt zusammen mit den bisherigen, alle wieder antretenden Bürgerräten Karin Jeitziner, Daniel Sturzenegger (beide FDP), Hans-Rudolf Schafroth (SVP) und eben Hanspeter Stoll nach gegenwärtigem Wissensstand ein Kandidatenfeld von neun Personen für die fünf Sitze.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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