Landwirtschaft

Kanton Baselland will seine Bauernhöfe loswerden

Der Gutsbetrieb auf dem Arxhof (links im Bild) gehört dem Kanton und arbeitet lose mit dem Massnahmenzentrum (r.) zusammen.

Der Gutsbetrieb auf dem Arxhof (links im Bild) gehört dem Kanton und arbeitet lose mit dem Massnahmenzentrum (r.) zusammen.

Zur Veräusserung des Hofguts Wildenstein sagte das Stimmvolk Nein. Nun prüft der Kanton Baselland allerdings, das Hofgut Humbel zu verkaufen. Auch der Gutsbetrieb Arxhof wird überprüft.

Am 3. März hat das Baselbieter Stimmvolk ein deutliches Signal gesetzt: Das Schloss und das Hofgut Wildenstein müssen in Kantonsbesitz bleiben. Für Grünen-Landrat Stephan Grossenbacher stellt sich nun die Frage, was mit den anderen Bauernhöfen, die der Kanton besitzt, geschehen soll. Es sind dies die Landwirtschaftsbetriebe Ebenrain in Sissach, Arxhof in Niederdorf sowie Humbel in Waldenburg. In einer Interpellation fragte er deshalb die Regierung, ob für sie eine eigentliche Strategie existiert. Gestern bekam er eine Antwort, die aufhorchen lässt.

Der Regierungsrat bekennt sich explizit nur zu den Hofgütern Ebenrain und Wildenstein. Für Humbel und Arxhof legt er andere Pläne offen: «Ein Verkauf des Hofes Humbel wird zurzeit geprüft. Dabei werden auch alternative Nutzungsmöglichkeiten in Betracht gezogen», schreibt die Regierung. Und zum Gutsbetrieb Arxhof: «Aktuell laufen Vorabklärungen für eine allfällige Abparzellierung und Transferierung ins Finanzvermögen.» Letzteres, weil die Dienststelle des Kantons auf dem Arxhof «kaum mehr Verknüpfungen zum Gutsbetrieb hat».

Pächter will den Humbel kaufen

Immerhin: Die Angst, als im Abstimmungskampf zu Wildenstein vor russischen Oligarchen als Käufer gewarnt wurde, scheint bei Humbel und Arxhof definitiv unbegründet. «Alle vier Betriebe haben die Basis, um auch in Zukunft einer bäuerlichen Familie eine Existenz zu bieten», steht in der Antwort. Das dürfte vor allem Daniel Arn freuen. Der Landwirt ist seit gut 30 Jahren der erste und einzige Pächter des Hofguts Humbel und 1954 auch dort geboren. Vor ihm war der Hof noch in Familienbesitz.

Doch Arns Familie konnte den Unterhalt nicht mehr selbst stemmen und bat den Kanton Baselland 1982, den Betrieb zu kaufen. Nun könnte sich der Kreis also wieder schliessen, denn wie Arn gegenüber der bz bestätigt, würde er das Hofgut nur zu gerne wieder vom Kanton zurückkaufen, um es wenn möglich an seine Kinder weiterzugeben. «Ich habe bereits im Frühling schriftlich beim Kanton angefragt», sagt er. Zwar hätte man ihm signalisiert, grundsätzlich am Verkauf interessiert zu sein und veranlasst, dass der Wert des Hofguts geschätzt wird. Doch seither herrschte Funkstille. Erst durch die bz erfährt Arn, wie konkret die Pläne des Kantons bereits sind.

«Jetzt frage ich natürlich sofort nach, was es damit auf sich hat», sagt Arn. Er hofft, beim Kauf dank seines jahrzehntelangen Engagements prioritär behandelt zu werden. Für ihn macht der Verkauf Sinn: «Das Hofgut Humbel liegt so abgelegen und braucht immer wieder Investitionen, dass es für den Kanton wohl eher eine Last ist.» Seitens des Kantons war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Landrat fordert kreativere Nutzung

Keine Freude an der Antwort der Regierung hat derweil Interpellant Grossenbacher: «Es ist mutlos und kleinkariert, die Höfe Humbel und Arxhof zu verkaufen.» Der Kanton plane zu kurzsichtig. Grossenbacher schwebt vor, auf den Höfen dereinst neue pädagogische Konzepte umzusetzen, um altes landwirtschaftliches Wissen zu erhalten - etwa den Anbau von Textilpflanzen wie Leinen oder Hanf für die traditionelle Bandweberei.

Beim Arxhof, wo der Landrat selbst wohnt, fände er es zudem naheliegend, mehr Lebensmittel anzubauen, die das benachbarte Massnahmenzentrum für junge Erwachsene direkt verwenden könnte: «Das wäre doch besser, als Bio-Food aus Genf zu importieren.» Grossenbacher kündigt bereits weitere Vorstösse an, die beim Kanton diesbezüglich Druck machen sollen.

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