Laufental

Kanton gewechselt, Netzbetreiber nicht

Diese EBM-Stromleitung führt von Breitenbach ins Laufner Industriegebiet

Diese EBM-Stromleitung führt von Breitenbach ins Laufner Industriegebiet

Mehr als 20 Jahre nach dem Beitritt zum Baselbiet hat die Berner BKW noch viele Kunden im Laufental.

An Neujahr 1994 verliess das Laufental den Kanton Bern und wurde Teil des Baselbiets. Seither haben Einwohnerinnen und Einwohner die Kontrollschilder der Autos gewechselt, müssen die Steuererklärung nach Liestal schicken und richteten sich bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank ein Konto ein. Ihren Strom beziehen viele Laufentaler aber auch mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Kantonswechsel von der BKW, die ihren Hauptsitz in Bern hat.

In den acht Gemeinden Laufen, Röschenz, Dittingen, Blauen, Nenzlingen, Zwingen, Wahlen und Roggenburg wird das Stromnetz von der BKW betrieben. Das Unternehmen hat geschichtlich bedingt zahlreiche Kundinnen und Kunden im jüngsten Baselbieter Bezirk. «Die Beziehung zwischen dem Laufental und der BKW geht bereits auf das Jahr 1918 zurück, als die Laufenthaler Kraftwerke AG von der damaligen Bernische Kraftwerke AG käuflich erworben wurden», sagt BKW-Sprecher Gilles Seuret. Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, habe man wenige Jahre später eine Hochspannungsleitung vom Aare-Wasserkraftwerk Bannwil nach Laufen gebaut. So sei es während der Industrialisierung vielen Firmen möglich gewesen, sich anzusiedeln.

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Die grössten Unternehmen des Tals – die Ricola und die Keramik Laufen AG – haben den Strom hingegen seit Jahrzehnten von der Elektra Birseck (EBM). «In den Industriegebieten in Laufen ist die EBM historisch Netzbetreiber», erklärt Joachim Krebs, Leiter Unternehmenskommunikation. Folglich seien die dort ansässigen Firmen direkt am Netz angeschlossen und Strombezüger. Dasselbe gelte auch für die fünf Laufentaler Ortschaften Liesberg, Burg im Leimental, Brislach, Grellingen und Duggingen.

EBM hat die meisten Stromzähler

Die rund 40 Kilometer lange Leitung der BKW besteht heute noch und versorgt einen grossen Teil des Laufentals mit Strom. «Der Unterhalt, die Modernisierung und die Erneuerung des Netzes ist als Verteilnetzbetreiberin unsere zentrale Aufgabe», sagt BKW-Sprecher Seuret. Das Laufental ist gemeinsam mit den beiden Kantonen Jura und Bern das Stammgebiet der BKW. Mit gut 8400 hat das Berner Unternehmen hinter der Elektra Baselland (EBL) mit rund 55 000 und der EBM mit 95 000 am drittmeisten Stromzähler im Baselbiet.

Die beiden grössten Stromanbieter im Kanton haben ihrerseits Regionen, mit denen sie historisch verknüpft und in denen sie noch heute verbreitet sind. Bei der EBM sind dies das Unterbaselbiet, das Schwarzbubenland und einige Gemeinden im Elsass sowie bei der EBL das mittlere und obere Baselbiet. Zudem existieren im Baselbiet einige kleinere Anbieter, deren Tätigkeit wie bei der Elektra Reigoldswil, der Elektra Maisprach Genossenschaft und der Elektra Augst auf ein kleines Gebiet beschränkt ist.

An der Aufteilung des Baselbiets nach den einzelnen Netzbetreibern hat sich im vergangenen Jahrhundert nur wenig verändert. Nichtsdestotrotz setzte der Baselbieter Regierungsrat im Auftrag des Bundes vor drei Jahren die Gebiete fest. «Grundlage dafür war die kantonale Energiegesetzgebung», sagt Stephan Krähenbühl vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie. Es hätten nur an wenigen Orten Anpassungen vorgenommen worden müssen, da die Zuständigkeiten historisch gewachsen seien. Eine Gemeinde hat nicht die Möglichkeit, den in ihrem Gebiet tätigen Netzbetreiber zu wechseln – es sei denn, das Netz gehört der Gemeinde.

Kundinnen und Kunden, die weniger als 100 000 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen, können ebenfalls nicht entscheiden, von wem ihr Strom kommt. «Es gibt vermutlich keinen Privathaushalt mit einem derart hohen Verbrauch», erklärt Krähenbühl. Grosskunden, bei denen dies aber der Fall ist, können beim Netzbetreiber einen Netzzugang beantragen und sich dann von einem beliebigen Stromlieferanten beliefern lassen. Man spricht deshalb von einem teilliberalisierten Markt – wann der Schritt zur vollen Marktöffnung stattfinden wird, ist derzeit offen.

In der Schweiz gibt es Netzbetreiber und Stromlieferanten, wobei die Stromlieferung in den meisten Fällen vom gleichen Unternehmen erfolgt. Hin und wieder kommt es vor, dass Netzbetreiber einander Gebiete abkaufen. So übernahm kürzlich die EBM durch den Kauf der Netzwerkgesellschaft Avag das lokale Stromverteilnetz in der Region rund um die Stadt Olten.

Keine Nostalgie bei Proberner

Bei Urs Steiner, dem in Laufen wohnhaften Geschäftsführer der EBL und einstigen Befürworter eines Verbleibs des Laufentals bei Bern, regen sich keine nostalgischen Gefühle, wenn er eine Rechnung der BKW aus dem Briefkasten nimmt. «Natürlich hätte ich meinen Strom lieber von der EBL», erklärt er, «nicht nur, weil ich selbst für das Unternehmen tätig bin». Eine freie Stromwahl gebe es leider noch nicht, weshalb er die Situation nicht ändern könne. Einen klaren Nachteil habe es, den Strom aus Bern zu beziehen: «Die BKW ist deutlich teurer als die EBM und die EBL.»

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