Baselbieter Kunstsammlung

Kanton stellt sich vor seine Kunst

Die Kunsthalle Palazzo stellte kürzlich Werke aus dem Baselbieter Kunstkredit aus: Niklaus Hasenböhler «Porträt W. Düggelin» (l.) und Miriam Cahn «Männer». zvg

Die Kunsthalle Palazzo stellte kürzlich Werke aus dem Baselbieter Kunstkredit aus: Niklaus Hasenböhler «Porträt W. Düggelin» (l.) und Miriam Cahn «Männer». zvg

SVP-Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg wollte prüfen lassen, ob Werke aus der kantonalen Kunstsammlung verkauft werden könnten. Die landrätliche Kulturkommission spricht sich deutlich dagegen aus. Gewinne seien aus der Sammlung heraus ohnehin kaum zu erwarten.

Hans-Jürgen Ringgenberg war klar, worauf er sich einlässt: «Natürlich werden mich Kunstschaffende als Banausen beschimpfen. Aber das ist mir wurscht.» Der Therwiler SVP-Landrat wollte die Baselbieter Regierung unbedingt prüfen lassen, ob aus der kantonalen Sammlung Kunstgegenstände verkauft werden könnten. Sein Ziel: die Staatsfinanzen zu verbessern.

Ringgenberg hat sich nicht getäuscht. Er stösst mit seinem Anliegen auf grossen Widerstand. Nach der Baselbieter Regierung spricht sich nun auch die landrätliche Kulturkommission dagegen aus, mit dem Verkauf überzähliger Kunstwerke das Budget zu entlasten. Beide glauben nicht daran, Gewinne erzielen zu können. Jene Werke, die sich auf dem Markt anbieten würden, seien kaum gefragt. Umgekehrt will die Regierung die materiell wertvollen Bestände nicht veräussern. Diese würden der Sammlung das «unverwechselbare Profil» verleihen. Zudem werde mit einem Wiederverkauf die Grundidee des Kunstkredits, das Kunstschaffen im Laufe der Zeit zu dokumentieren, zunichtegemacht.

Kunstkredit fast halbiert

Gespart werden soll aber trotzdem: Im Zuge der Finanzstrategie hat die Regierung den Kunstkredit über 190'000 Franken für die nächsten Jahre fast halbiert. Während der Kanton bisher jährlich vier bis fünf Werke zugekauft hat, werden vorerst keine Kunstkäufe mehr getätigt. Mittlerweile verfügt Baselland über rund 4250 Sammlungsstücke. 70 Prozent davon sind permanent ausgeliehen und ausgestellt, vorab in Gebäuden der kantonalen Verwaltung.

Die Kunstgegenstände seien denn auch allesamt sachgerecht aufbewahrt und würden laufend in einer Datenbank erfasst, wie die Verwaltung der Landratskommission versichert habe. Genau das war nämlich von Ringgenberg bezweifelt worden. Weil die Baselbieter Kunstsammlung durch den permanenten Zukauf neuer Werke immer grösser werde, komme es zu Problemen bei der Lagerung. Der SVP-Landrat hatte damit auf einen Vorfall vor rund zehn Jahren angespielt: Damals vermoderten rund 250 Bilder, die der Kanton unsachgemäss in der Liestaler Villa Gauss gelagert hatte. Die Werke mussten für rund 180'000 Franken vom Schimmelbefall befreit werden.

Gesamtwert nicht bezifferbar

Die Baselbieter Kunstsammlung wurde in den 1930er-Jahren angelegt. Die Landratskommission anerkenne, dass sich Zustand und Betreuung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hätten, schreibt Kommissionspräsident Christoph Hänggi in seinem soeben veröffentlichten Bericht. Der Sammlungsschwerpunkt hat immer einen regionalen Bezug, sei er inhaltlich oder über die Biografie des Künstlers. Das mache die Kunstsammlungen zu einem Bildgedächtnis des Baselbiets und zu einer ausgewählten Dokumentation des regionalen Kunstschaffens.

Weil die Kunstwerke nicht einzeln versichert sind, könne der Wert der kantonalen Sammlung nicht beziffert werden. Auch eine Addition der Kaufpreise sei nicht zielführend. Denn der Wert der Werke könne sich laufend verändern, habe die Bildungsdirektion gegenüber der Landratskommission erklärt. Grundsätzlich aber besitze die Sammlung einen «eher bescheidenen monetären Wert».

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