Mithilfe einer App können neu invasive Neophyten gemeldet werden, damit der Kanton gegen sie vorgehen kann (die bz berichtete). Die Aktion des Bunds, vergangene Woche vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (BUD) vorgestellt, klingt nach einer guten Idee. Nicht dieser Meinung ist Christoph Buser, Präsident des Hauseigentümerverbands Baselland und Wirtschaftskammerdirektor. «Jetzt soll also eine ‹Neophyten-Miliz› aufgebaut werden. Wirkt wie ein Aufruf zum Denunziantentum gegen Wohneigentümer. Nicht akzeptabel!», wettert er auf Twitter. Der Grund für seinen Ärger: Nicht nur in der freien Natur könnten Pflanzen gemeldet werden, sondern auch in privaten Gärten.

Erkennungs-App würde für Sensibilisierung ausreichen

«Man kann sich leicht vorstellen, was geschieht, wenn Neophytenjäger mithilfe der neuen App auf Pirsch gehen, Neophyten in privaten Gärten ermitteln und die Ergebnisse dem Kanton senden», sagt Buser auf Anfrage. «Ich gehe davon aus, dass nach einer Meldung der Neophyten-Miliz entsprechende Verfügungen des Kantons ins Haus schneien – unter Androhung von Sanktionen, sollten die Betroffenen nicht umgehend handeln.» Oder der Kanton würde eine Neophytenbekämpfungstruppe vorbeischicken – natürlich auf Kosten der Betroffenen, ist Buser überzeugt. «Laut Medienberichten ist in Basel-Stadt beispielsweise schon die Rede von Freiheitsstrafen, sollte nicht Folge geleistet werden. So geht das doch nicht.»

Buser ist der Meinung, für die Sensibilisierung der Bevölkerung sei die «InvasivApp» nicht notwendig. Es sei ausreichend, eine Erkennungs-App zur Verfügung zu stellen, sagt er. «Da würde man etwa lernen, einheimische von invasiven Pflanzen zu unterscheiden.» Dagegen sei nichts einzuwenden. «Wenngleich es auch fraglich ist, ob es Sache des Staats ist, derartige Apps zu entwickeln. Problematisch ist es aber vor allem, dass hier dazu aufgerufen wird, den Kanton zu informieren», schiebt Buser nach. «Wie gesagt: Es erinnert an einen Aufruf zu Denunziantentum», betont er.

Kanton kann keine Sanktionen sprechen

Der Kanton widerspricht. «Gemäss den aktuellen gesetzlichen Grundlagen besteht keine Handlungspflicht für Hauseigentümer und es gibt auch keine Sanktionierungsmöglichkeiten», erklärt BUD-Sprecherin Catia Allemann. Der Kanton würde bei Hauseigentümern deshalb eher auf Prävention und Aufklärung setzen, so Allemann. Die App soll dazu dienen, die kantonalen Mittel im Kampf gegen Neophyten möglichst effizient einzusetzen.

Obwohl keine Sanktionen oder Gesetze bestehen, gebe es für einige invasive Neophyten ein Umgangsverbot gemäss Freisetzungsverordnung – beispielsweise für die Goldrute. Ausser dem Bekämpfen ist jeder Umgang mit ihr verboten. Eine Bekämpfungspflicht bestehe jedoch nicht. Aber: «Eine Revision des Umweltschutzgesetzes sieht eine gewisse Verschärfung vor», so Allemann. Wie diese aussehen könnte, ist noch unklar – eine Stellungnahme des Kantons sei zurzeit in Vorbereitung. Und sie fügt an, dass an der nächsten Schulung vom 11. September auch Teilnehmer willkommen seien, die die App kritisch betrachten.

Buser versucht derweil, die Mitglieder des Hauseigentümerverbands selber auf die Thematik aufmerksam zu machen. Darauf, «dass Neophyten ein Problem darstellen, dessen sie sich eigenverantwortlich und im eigenen Interesse annehmen sollten. Zweitens darüber, dass der Staat dabei ist, einen Übergriff aufs Wohneigentum zu starten, der unmöglich akzeptiert werden kann».