Sicherheit

Kanton will sieben Polizeiposten streichen – Gemeinden wehren sich

Der Polizeiposten von Waldenburg steht vor einer ungewissen Zukunft.

Der Polizeiposten von Waldenburg steht vor einer ungewissen Zukunft.

Der Kanton Baselland will künftig noch stärker auf mobile Patrouillen setzen. Da ein Personalausbau ausgeschlossen ist, wird nun bei 7 der 16 noch verbliebenen Polizeiposten genau überprüft, ob eine Schliessung vertretbar wäre.

«Nicht schon wieder.» Das sind die ersten Worte, die Andrea Kaufmann einfallen. Die Gemeindepräsidentin von Waldenburg kann es nicht glauben, dass mit dem Polizeiposten beim Bahnhof erneut eine Institution aus dem Tal verschwinden soll. Schon das Bezirksgericht, die Bezirksschreiberei oder das Zivilstandsamt sind vom Kanton aus Waldenburg abgezogen worden. Doch tatsächlich informierte die Kantonspolizei am Montag Vertreter von Waldenburg und sechs weiteren Gemeinden sowie den Baselbieter Gemeindeverband (VBLG), dass man die Schliessung von bis zu sieben Posten prüfen werde. Es sind dies jene von Aesch, Arlesheim, Münchenstein, Birsfelden, Bubendorf, Gelterkinden und eben Waldenburg. Dies käme fast einer Halbierung der heute 16 Polizeiposten gleich. Der definitive Entscheid des Regierungsrats soll im November fallen, wie die Kantonspolizei gestern mitteilte.

Es trifft die älteren Leute

Die Überprüfung passt zur Strategie des Kantons, vermehrt Posten zu schliessen, um mehr Polizisten auf den Baselbieter Strassen patrouillieren zu lassen. In den vergangenen Jahren wurden unter anderem bereits die Posten in Buus, Frenkendorf, Hölstein, Diegten, Grellingen, Läufelfingen und Wenslingen aufgegeben. In der Mitteilung wird der Schritt denn auch damit begründet, dann die Anzahl Patrouillen um über 20 Prozent steigern zu können. «Die Verbrecher sind draussen und nicht im Polizeiposten», bringt es Polizeisprecher Marcel Wyss auf den Punkt. Die nackten Zahlen sprechen für sich: So suchen pro Tag im Schnitt lediglich 3,1 Personen einen normalen Polizeiposten auf. Bei den Hauptposten liegt der Mittelwert immerhin bei 6,7.

Doch für Andrea Kaufmann zählen andere Argumente. Was der FDP-Landrätin sauer aufstösst: «Geht unser Posten zu, gibt es im gesamten Bezirk Waldenburg keinen einzigen mehr. Das kann doch nicht sein.» Die Bevölkerung müsste dann nach Liestal pilgern, um Anzeigen oder Verlustmeldungen aufzugeben. Von Waldenburg aus sind das rund 14 Kilometer. «Die Distanzen wären dann nirgends so gross wie bei uns», sagt Kaufmann. Sie denkt dabei vor allem an die betagteren Einwohner, die Anzeigen – wie heute teils schon möglich – kaum online erledigen könnten.

Maisprach versteht den Kanton

Anders klingt es aus einer anderen Oberbaselbieter Gemeinde, deren Bewohner für viele Dienstleistungen längst das Dorf verlassen müssen: Maisprach. «Die Argumente des Kantons überzeugen mich eigentlich», sagt Gemeindepräsident Paul Spänhauer zur bz. Er war am Montag als VBLG-Vorstandsmitglied ebenfalls am Informationsanlass. Er glaubt, dass der Widerstand vieler eher auf «Nostalgie und Herzblut» basiere denn auf einer nüchternen Analyse. «Gerade als Vertreter einer kleinen Gemeinde habe ich das Gefühl, dass wir besser bedient sind, wenn die Polizei öfter auf den Strassen unterwegs ist.»

Waldenburg wird sich wehren

Im Waldenburgertal würden gemäss Spänhauer schon heute rund 70 Prozent der Polizeiarbeit von Patrouillen übernommen. Diese seien flexibler einsetzbar, um genau dort die Präsenz zu verstärken, wo es nötig sei. Polizeiposten, die nur von einem oder zwei Mann besetzt und oft abends und am Wochenende geschlossen sind, sorgten dagegen für ein trügerisches Sicherheitsgefühl. Spänhauer kann sich gut vorstellen, dass der Kanton im November die Maximalvariante wählt und alle sieben Posten schliesst. «Damit könnten rein rechnerisch 1,6 zusätzliche Polizeiautos 24 Stunden am Tag patrouillieren.»

Kaufmann bestreitet, dass es in Waldenburg vor allem um Nostalgie geht. «Die Bevölkerung fühlt sich wirklich sicherer, wenn sie weiss, dass ‹ihr› Polizist vor Ort ist.» Postenchef Reto Bergamin sei weitum bekannt und wohne schliesslich auch noch im Gebäude. Sollte dieses wegen des Bahnhofneubaus abgerissen werden, stünde mit der leeren Bezirksschreiberei ein idealer Ersatzstandort bereit, so Kaufmann.

Auch die Nähe Waldenburgs zum Massnahmenzentrum für junge Erwachsene Arxhof ist für sie ein Argument, den Posten zu belassen. «Patrouillen wären doch sowieso eher im unteren Kantonsteil unterwegs und hätten dann viel länger, um bei uns zu sein.» Dem widerspricht Polizeisprecher Wyss: «Die Patrouillen würden wie bisher schon natürlich auch das Oberbaselbiet abdecken. Wir wollen ja gerade Präsenz markieren.» Dennoch: Waldenburgs Gemeindepräsidentin zeigt sich fest entschlossen zu kämpfen. Sie strebt eine gemeinsame Stellungnahme aller Gemeinden des Waldenburgertals an. Eine allfällige Petition käme wahrscheinlich zur Diskussion, sollte die Schliessung tatsächlich beschlossen werden.

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