Jubiläum

Kantonale Musiktage in Oberdorf: Für Parade wird sogar Waldenburgerbahn-Betrieb eingestellt

1300 Aktive sorgen in Oberdorf für harmonische Klänge Baselland: Was der dreitägige Anlass in Oberdorf für die teilnehmenden Vereine bedeutet.

38 Musikvereine mit 1000 Aktiven und zwölf Formationen mit 300 Jugendmusikanten zeigen nächstes Wochenende an den Kantonalen Musiktagen in Oberdorf ihr Können. Die OK-Spitze mit Präsident Ernst Dettwiler und Vize Kurt Degen, der seit bald 50 Jahren dem Musikverein (MV) Oberdorf angehört und den Es-Bass bläst, gibt Auskunft.

Weshalb organisiert der MV Oberdorf die Kantonalen Musiktage 2018?

Ernst Dettwiler: Er feiert heuer sein 150-Jahr-Jubiläum. Dies ist ein Markstein. Deshalb führen wir wieder einmal einen Anlass durch. 1986 haben in Oberdorf letztmals Musiktage stattgefunden.

Wie ist Ihr Verein heute aufgestellt?

Kurt Degen: Sehr gut, musikalisch und von der Besetzung her. Unsere Harmonie ist gut durchmischt, jedes Instrument besetzt. Dennoch hätten wir gerne ein paar Aktivmitglieder mehr als nur deren 30.

In der Vereinschronik sind vor allem Erfolge erwähnt. Hatte der MV Oberdorf in seinen bisherigen 150 Jahren auch Tiefen durchzustehen?

Degen: Seit ich dabei bin – und das sind doch schon 48 Jahre – haben wir nie Probleme gehabt. Man geht mit Freude in die Proben und danach in die Beiz.

Aber es läuft sicher nicht immer gleich gut.

Degen: Natürlich haben wir nicht immer hundertprozentigen Probenbesuch, was erstrebenswert wäre.

Gab es Krisen im ersten Jahrhundert des Vereinsbestehens?

Degen: Davon ist nichts dokumentiert.

Welche Bedeutung haben die Kantonalen Musiktage für die teilnehmenden Vereine?

Dettwiler: Eine grosse. Die Vereine präsentieren sich, sie haben in ihrem Jahresprogramm ein Ziel, das sie erreichen wollen. Sie messen sich wie in einem sportlichen Wettkampf. Die Vereine bereiten sich akribisch auf unsere Veranstaltung vor.

Früher wurden jährlich drei Kantonale Musiktage durchgeführt, nun ist es noch einer. Ist deshalb der Stellenwert höher?

Dettwiler: Das kann ich nicht beurteilen. Wir haben eine Ausschreibung gemacht, auf die sich so viele Vereine gemeldet haben, wie wir von der Kapazität her aufnehmen können. Ob sich dadurch die Qualität der Leistungen verbessert, weiss ich auch nicht.

Degen: Ein Musiktag ist für Vereine nicht Pflicht, aber eine ideale Standortbestimmung. Sie können sich bewerten lassen. Die Experten geben ihre Beurteilung ab – was ist gut, was weniger. Dann wissen die Vereine, ob sie sich auf dem richtigen Weg befinden.

Hätten Sie bei noch mehr Anmeldungen Vereine abweisen müssen?

Dettwiler: Ja. Unser Ziel war, möglichst alle berücksichtigen zu können, was uns geglückt ist. Mit dem Jugendblasmusikpreis Dreiländereck, der in unser Fest integriert ist, sind wir aber an die obere Grenze gestossen.

Worauf freuen Sie sich am meisten bei Ihrem dreitägigen Anlass?

Dettwiler: Der Jubiläumsabend am Freitag ist ein Höhepunkt. Am Sonntagnachmittag dürfte die Marschmusikparade auf der Hauptstrasse viele Besucherinnen und Besucher anlocken. Dazu haben wir leider nur wenige Anmeldungen erhalten, aber es wird dennoch ein Spektakel geben.

Während der Parade wird sogar der Betrieb der Waldenburgerbahn (WB) eingestellt. War das einfach zu bewerkstelligen?

Dettwiler: Wir mussten mit der Baselland Transport AG verhandeln. Nach einem Ortstermin stimmte sie aber zu. Würde die WB während der Parade fahren, wäre das für uns ein Kraftakt, die Gleise abzusperren. Bezüglich Strassensperrung gab die Polizei sofort ihr Okay.

Die Musikanten sind eine grosse Familie. An Ihren Anlass werden primär Leute kommen, die Musikanten kennen oder Beziehungen zu Vereinen haben. Versuchen Sie, auch Aussenstehende anzuziehen?

Dettwiler: Wir haben mit Flyern intensiv, aber nicht aggressiv Werbung gemacht. Sie wurden in der Umgebung in alle Haushaltungen verteilt. Damit hoffen wir, auch Leute, die weniger musikaffin sind, an unserem Fest begrüssen zu können. Uns sind aber Grenzen gesetzt: In Basel haben wir nicht für unseren Anlass geworben.

Mit Ernst Dettwiler hat ein Nicht-Musikant das Präsidium des Organisationskomitees übernommen. Brauchte das seitens des MV Oberdorf grosse Überredungskünste, um ihn für diese Aufgabe zu gewinnen?

Degen: Als sich vor zwei Jahren die Frage gestellt hat, mit wem wir das OK-Präsidium besetzen wollen, habe ich recherchiert. Ich bin Namen durchgegangen, die dafür prädestiniert sind. Da kam ich auf Ernst Dettwiler. Es brauchte bloss ein Gespräch und für Ernst einen Tag zum Überlegen – dann sagte er zu.

www.musiktage-oberdorf.ch

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