Allschwil 2015

Kantonsfusion und Land-Art: Der Jahresrückblick in Schwellheim

Die Cliquen liessen sich dieses Jahr mehr von der hohen Kunst als von der profanen Politik inspirieren.

Die Fasnacht führt einem jeweils vor Augen, was die Bevölkerung im vergangenen Jahr besonders beschäftigt hat. Und das war in Allschwil? Offenbar nicht die maroden Gemeindefinanzen oder die Vertagung der Sanierung der Baslerstrasse. Natürlich waren sie gestern Nachmittag auch ein Thema, dominiert hat den Umzug aber etwas anderes: Land-Art. Diverse Cliquen haben dieser Kunstform ihre Wagen und Zeedel gewidmet. Land-Art ist Kunst aus Naturmaterialien wie Holz, Steinen und Pflanzen. Und einer, der gerne als Urvater dieser Kunstform bezeichnet wird, Peter Hess, lebt in Allschwil. So kam es, dass dieser zusammen mit dem Allschwiler Kunst-Verein Land-Art im vergangenen Herbst in seine Heimat holte. Während rund einer Woche werkelten Künstler aus diversen Ländern mitten im Dorfkern an ihren Kunstwerken.

Natur auf Rädern

Offenbar inspirierte das zahlreiche Fasnächtler, ihre Wagen ebenfalls zu Land-Art-Kunstwerken zu machen. Angefangen bei den Robi Runzle, den AnAbinggis und den Hoseglunggi-Waggis, über s Spaarhäfeli und die Dahlischnägge bis hin zur Central Clique und zur Wildviertel-Clique, die im Peter-Hess-Kostüm ihre Leckereien und Räppli verteilten, hatten alle ihre Wagen teils mehr, teils weniger aufwendig in fahrende Land-Art verwandelt. Die Central Clique wies auch gleich auf die praktische Seite der Land-Art hin: Wenn sie einem nicht gefalle, «denn holsch dr Häggsler ungeniert, und scho hesch alles komposchtiert».

Nach Land-Art sah auf den ersten Blick auch der Wagen der Namälosä aus. Ihr Sujet ging allerdings in eine andere Richtung: Mit «FDP – Für Deppe Partey» erinnerten sie an den missglückten Versuch, auch in Allschwil ein Höhenfeuer gegen die Kantonsfusion zu entfachen. FDP-Landrat Siro Imber hatte die Federführung übernommen, den Anlass aber in letzter Sekunde doch abgesagt.

Im Lettewäg het denn in däre Zyt e Schieler gfunde,

e Füür mache isch kei Stress, und hed s WC azunde.

So reimten die Namälosä auf ihrem Zeedel und erinnern damit an die Evakuierung des Schulhauses Lettenweg aufgrund eines WC-Brands. Über das gecancelte Höhenfeuer scherzten auch die jubilierenden Gränzwaggis. Die Fusion als Ganzes zum Thema nahmen die Cleff Waggis und das WVC-Schpiil. Letztere dichteten dazu:

Mir blybe politisch als halbs zwor ganz,

aber ganz halb oder halb ganz?

Het s Glanz,

sone Emozions-Fusions-Firlefanz?

Von der Fusion gelangen die Trommler und Pfeifer auf ihrem Zeedel weiter zum Verkehr und zum Sparen ¬– Themen, die auch andere Cliquen behandelten. So machten die Privilegierte Schwellemer aus der Abkürzung für die Entwicklungsplanung Leimental¬-Birseck-Allschwil, Elba, kurzerhand «Elsässer Lärm beläschtigt Allschwil». Die Gässlischlyffer zweifelten indes an den Fähigkeiten von Regierungsrätin Pegoraro:

«Im Baudepp ämmel sicher scho,

dert duet sy nid so vyl verschtoo,

suscht wurd sy nid so rigoros,

d Sanierung känzle vo dr Baslerschtross.»

Die 68er-Chepf erschienen als Scheiche, die mit ihren Nötli Allschwil aus der Budgetpatsche helfen wollen. Die Lindeplatzwaggis fragten getreu ihrem Namen: «Lindeplatz, quo vadis?» und kritisierten damit den Einwohnerrat, der die Sanierung des Neuallschwiler Zentrums an der Budgetsitzung aus Spargründen erneut auf die lange Bank geschoben hat.

Vielleicht können die Scheichs ja Abhilfe schaffen? Bei der Sanierung des Spielplatzes auf dem Lindenplatz könnte auf jeden Fall die Schärbe Clique weiterhelfen: Mit einer aufwendigen Konstruktion setzten sie ihr Sujet «Jedem Mamiditti si Buschirytti» um und schaukelten im Babykostüm auf ihrem Wagen.

Das Fasnachtsmotto «Sit 200 Joor unverdrosse – sin mir Eidgenosse» griffen nur die Chruutagger-Clique, die Rue-du-Boeuf-Rueche und mit ein paar wenigen Zeilen auch die Gränzwaggis auf. Dafür wird das historische Jubiläum im Sommer gefeiert – hoffentlich bei ebenfalls trockenem Wetter, aber deutlich wärmeren Temperaturen.

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