Im März lässt Karl Willimann (70) mit einer gewissen Angst vor dem Loch, das sich auftun könnte, los, was er eigentlich gar nie gesucht hat: das Leben als Politiker. Früher im Militär – Willimann war Oberst – hätten sie über die Wankelmütigkeit der Politiker gelacht, dann habe es ihm selber den Ärmel reingenommen, erzählt Willimann. Verantwortlich dafür war SVP-Regierungsrat Werner Spitteler, Vorgesetzter des damaligen Kantonsgeometers Willimann.

Und Spitteler sorgte auch für einen Auftakt mit Pauken und Trompeten: Willimann übernahm mit seinem Eintritt in die SVP im Jahr 1984 gleich die Wahlkampfleitung der Partei für die nächsten zehn Jahre. Und dann folgte sein eigentliches Gesellenstück: Unter seinem Präsidium von 1994 bis 2004 mauserte sich die Baselbieter SVP vom Aschenbrödel zum Primus unter den bürgerlichen Parteien und verdoppelte fast ihren Wähleranteil von 11,7 Prozent (Landratswahlen 1995) auf 21,8 Prozent (2003). Willimann: «Erfolg gibt es nur als Resultat von harter Arbeit. Hinter dem SVP-Aufstieg stehen 15 Jahre Aufbauarbeit.»

Trotz Zürcher Kurs nie Buhmann

Willimann hat den Aufbau der Sektionen im Unterbaselbiet forciert, innerparteiliche Strukturen gestrafft und vor allem die «liebe» Baselbieter SVP auf den harten, rechtsbürgerlichen Zürcher Kurs eingeschworen. Das habe zu «nicht so schönen Richtungskämpfen mit wenigen Austritten und vielen Eintritten» geführt. Dabei hat Willimann das Kunststück fertiggebracht, persönlich in der Öffentlichkeit nie als der Buhmann wie andere SVP-Exponenten, sondern als der zwar markige, aber gemögige Kopf wahrgenommen zu werden. Willimann sagt dazu: «Ich war nie der Hardliner bis an den Bach, sondern habe in brenzligen Situationen den Konsens in der Sache und mit den Leuten gesucht.»

Willimann hat aber nicht nur seine SVP geprägt, sondern auch die Baselbieter Bildungspolitik. Denn kaum wurde er 2003 in den Landrat gewählt, legte er auch hier einen Blitzstart hin: Er wurde sofort Präsident der Bildungskommission. Allerdings wurde er von seiner Partei mehr in dieses Amt gestossen, als dass er es suchte. Der Grund: Willimann verstand als nebenamtlicher ETH-Dozent etwas von Hochschulpolitik und sass im damaligen Erziehungsrat. Und er hatte eine klare Vorstellung, wohin Bildungspolitik zielen muss: «Bildung ist nur gut, wenn die Schüler mit Leistungszielen gefordert werden und Lehrer fair, aber klar auftreten.» Willimann half, mehrere bildungspolitische Pflöcke einzuschlagen. So bei der Geburt der Fachhochschule Nordwestschweiz, bei der er als Präsident der interparlamentarischen Kommission waltete und dabei auch sein Beziehungsnetz aus Militärzeiten einsetzen konnte.

Schwere Schicksalsschläge

Willimann sorgte aber in der Bildungslandschaft auch für rote Köpfe. Dies unter anderem im letzten Frühjahr, als er gegen den hohen Lehreranteil in der Bildungskommission wetterte. Aber auch hier macht sich das Phänomen Willimann bemerkbar: Statt Schelte erhält er von der politischen Gegenseite Lob. SP-Bildungsfachfrau Eva Chappuis sagt: «Manchmal gingen die politischen Rösser mit ihm durch. Ich empfand das aber nicht als Problem und wir hatten stets Respekt voreinander.» Und der Grüne Jürg Wiedemann meint: «Willimann hat seinen Job als Kommissionspräsident sehr gut gemacht und hat sich stets neutral und integer verhalten.»

Doch Willimann konnte nicht nur Erfolge feiern, sondern musste auch schwere Schicksalsschläge einstecken: So einer war der Selbstmord seines SVP-Vizepräsidenten und ist jetzt der kürzliche, unfallbedingte Tod seiner Frau. Um das daraus entstandene Loch nicht noch zu vergrössern, überlegte sich Willimann seinen Rücktritt als Landrat nochmals. Schliesslich blieb er bei seinem Entschluss: «Mit 70 ist es Zeit, jüngeren Kräften Platz zu machen.»

Mitarbeit: Leif Simonsen