Grellingen

Kassiererin wird zur Kasse gebeten: Statt zur Kirche geht’s in den Gerichtssaal

Die römisch-katholische Kirchgemeinde Grellingen hält in der Kirche St. Laurentius ihre Gottesdienste ab.

Die römisch-katholische Kirchgemeinde Grellingen hält in der Kirche St. Laurentius ihre Gottesdienste ab.

Einer Kassierin, die Geld veruntreut haben soll, wird der Prozess gemacht. Die Grellinger Katholiken stimmen gegen eine Absolution. An der ersuchten Desinteresseerklärung der Angeklagten zeigt die Gemeinde kein Interesse, sondern fordert 70'000 Franken.

Die ehemalige Kassierin der römisch-katholischen Kirchgemeinde Grellingen und der CVP Baselland kommt an die Kasse: Im November steht die Frau vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. Die Staatsanwaltschaft Baselland wirft ihr vor, in ihrer Funktion als Finanzverantwortliche in den Jahren 2017 und 2018 rund insgesamt 400000 Franken veruntreut zu haben. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.

Mittlerweile hat die Frau die ganze Summe zurückbezahlt, wie die römisch-katholische Kirchgemeinde Grellingen und die CVP Baselland bestätigen. Nach Grellingen wurde die gesamte Schadenssumme von 316000 Franken zurückbezahlt, wie Peter Bürkli, Anwalt der Kirchgemeinde am Mittwochabend an der Kirchgemeindeversammlung in der römisch-katholischen Kirche in Grellingen mitteilte.

Allerdings bestünden noch Forderungen von rund 70000 Franken, die sich aus Schadenszinsen und entstandenen Kosten zusammensetzten, erfuhren die 31 Stimmberechtigten. Um eine Verjährung zu verhindern, hat die Kirchgemeinde die Ex-Kassierin im Juni betrieben.

Grellinger wollen, dass die Strafverfolgung weitergeht

Die ehemalige Kassierin habe um eine sogenannte Desinteresseerklärung ersucht, berichtete Bürkli den Anwesenden. Mit einer solchen bringt eine geschädigte Person in einem Strafverfahren zum Ausdruck, dass sie an einer Strafverfolgung und Bestrafung der Beschuldigten kein Interesse mehr hat. «Welches Interesse sollten wir an sowas haben?», wollte ein Mitglied wissen. «Man könnte sagen: Das wars! Deckel drauf, Schwamm drüber», antwortete der Anwalt. «Unser aller Interesse ist doch, dass wir so viel wie möglich von den 70000 Franken wieder hereinholen», sagte ein weiteres Kirchgemeindemitglied.

Dass es die volle Summe wird, ist allerdings nicht garantiert. «Es kann sein, dass das Gericht den Betrag reduziert», erklärte Peter Bürkli und erwähnte auch, dass die Beschuldigte bereit ist, einen Teil der ausstehenden Forderungen zu begleichen. «Ihr höchstes Angebot lag im tiefen fünfstelligen Bereich, weit weg von den 70000 Franken. Deshalb konnte ich dem Kirchgemeinderat nicht dazu raten, die Desinteresseerklärung zu unterschreiben.»

Der Grellinger Kirchgemeinderat hätte in diesem Punkt selbst entscheiden können. Doch nach längerer Beratung entschloss er sich, den Mitgliedern das letzte Wort zu überlassen, erklärte Präsidentin Rosmarie Pabst, welche die Versammlung leitete. Der Tenor vor der Abstimmung war eindeutig – und nahm das Ergebnis vorweg. Die Mitglieder folgten der Empfehlung des Kirchgemeinderats, beide Anträge auf Abgabe von Desinteresseerklärungen abzulehnen. Hinsichtlich der Bestrafung der beschuldigten Person stimmten 25 Mitglieder mit Ja, hinsichtlich der Zivilforderung sogar 27.

Am Kantonsgericht wurde Beschwerde erhoben

Die Hauptverhandlung am Strafgericht Baselland gegen die ehemalige Kassierin findet am 13. November statt. «Voraussichtlich», wie Daniel Maritz, leitender Gerichtsschreiber am Strafgericht, auf Anfrage schreibt. Denn beim Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, sei Beschwerde erhoben worden. Wird diese abgewiesen, steht die Frau Mitte November vor dem Strafgericht in Muttenz.

Vor Gericht erscheinen wird dann auch eine Vertreterin der Baselbieter CVP. Der Partei sind rund 90000 Franken abhandengekommen. «Die frühere Finanzverantwortliche hat uns die ganze Summe zurückerstattet», sagt Silvio Fareri, Präsident der CVP Baselland. Trotzdem werde man vor Gericht einen fünfstelligen Betrag von der ehemaligen Kassierin einfordern. Durch den Beizug eines Anwalts und einer zusätzlichen Revision waren den Christlichdemokraten Kosten entstanden.

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