«Treten Sie ab!» Mit diesen drei Worten des Synoden-Mitglieds (siehe Glossar) und Liestaler Kirchgemeindepräsidenten Siegfried Bantle erreichte die kochende Stimmung an der Synodensitzung der Baselbieter Katholiken am Mittwoch Abend definitiv den Siedepunkt. Gerichtet waren sie an Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini, der zu diesem Zeitpunkt schon seit über zwei Stunden immer wieder mit Seitenhieben eingedeckt worden war. Denn eines war offensichtlich: Die meisten Synodalen waren alles andere als gut auf den Landeskirchenrat zu sprechen.

Synode will nun das letzte Wort

Dass der Kirchenrat vor rund fünf Wochen entschieden hatte, den Vertrag über die bikantonale Fachstelle Katholisch BL.BS zu kündigen, ohne mit pastoralen Gremien oder der Synode Rücksprache zu nehmen (bz berichtete mehrfach), sass bei vielen noch immer tief. So forderte die Synode den Kirchenrat schliesslich mit einem Postulat auf, die Einführung einer Bestimmung zu prüfen, wonach die Synode bei Kündigungen oder Stellenstreichungen künftig das letzte Wort. Zurzeit liegt diese Kompetenz beim Kirchenrat.

Mitpostulant Felix Terrier, Pfarrer in Aesch, witterte weitere Alleingänge des Kirchenrats und fragte deshalb in die Runde: «Was wird als Nächstes gekündigt? Ist es die Zusammenarbeit mit der Caritas? Mit dem Pfarramt für Industrie und Wirtschaft?» Trotzdem wurde es für seinen Vorstoss knapp: 31 Synodale wollten ihn überweisen, 29 waren bei neun Enthaltungen dagegen. Ob Corvini damit überzeugt hatte, dass dieser Vorstoss so nicht rechtens und deshalb nicht umsetzbar sei? Noch gut eine Stunde vorher fand er dafür wenig Gehör bei den Anwesenden. Dann hatten noch 41 Synodale der Schaffung einer Stelle für Palliative Care zur Begleitung sterbenskranker Menschen, nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass der Entscheid über eine allfällige Auflösung der Stelle bei der Synode liegt.

Bei solchen Debatten zeigte sich: Das zerbrochene Vertrauen hängt wie eine Wolke auch über Geschäften, die scheinbar nicht mit der Fachstelle zusammenhängen.

Bischof zeigt sich überrascht

Vertreter der Pastorale hatten sich bemüht, Bischof Felix Gmür zu einer Stellungnahme zu bewegen. Mit Erfolg: Er liess sie anlässlich der Basler Synode am Dienstag und der Baselbieter Synode am Mittwoch verlesen (bz von gestern). Auch er übt Kritik am Kirchenrat. Bisher seien die Zuständigkeiten respektiert und ein fruchtbares Miteinander gepflegt worden. «Umso mehr überrascht das Vorgehen des Landeskirchenrats», lässt Gmür verlauten. «Es widerspricht in schwerwiegender Weise der bisherigen guten Zusammenarbeit und ist ein schlechtes Zeichen für unser duales System.» Das solle keine Schule machen. Es sei schlecht, das duale System «ohne erkennbare Not» einer Prüfung zu unterziehen.

Der Bischof stelle «hüben wie drüben einen grossen Vertrauensverlust fest, ohne dass die Probleme, die zur Kündigung geführt haben, für alle nachvollziehbar analysiert wurden». Bisher hatte der Landeskirchenrat vor allem den Wunsch nach einer stärkeren Konzentration auf Baselland als Begründung angeführt. Am Mittwochabend nun legte er eine weitere offen: Dass es seit den Anfängen der Fachstelle vor vier Jahren zu vier Kündigungen gekommen ist, drei davon in der Leitung, habe für Irritation gesorgt. «Sie haben vielleicht gar nichts mit den Personen, sondern mit der Konzeption der Fachstelle zu tun», sagte Corvini. Dies wiederum stellte unter anderem Peter Messingschlager, interimistischer Liestaler Gemeindeleiter und Delegierter der Pastoralkonferenz in der Steuergruppe der Fachstelle, in Abrede. Bei allen vier Personen hätten persönliche Gründe zur Kündigung geführt.

Konfliktfeste Strukturen

Die Erklärung des Bischofs endete mit einer versöhnlichen Note: Nun sei es wichtig, das gegenseitige Vertrauen wieder herzustellen, damit pastorale und landeskirchliche Gremien gemeinsam die weiteren Schritte gestalten können. «Zukünftig müssen Strukturen und Vorgehensweisen so geschaffen sein, dass sie auch im Konfliktfall tauglich sind. Offenbar war das jetzt nicht der Fall», schloss Gmür.