Kathrin Schweizer, Gratulation zur Wahl in die Regierung. Werden Sie als langjährige Geschäftsführerin der IG Pro Velo per Rad von Muttenz an Ihren neuen Arbeitsort fahren?

Kathrin Schweizer: Ich bin bisher für die Landratssitzungen mit dem Velo von meinem Wohnort an den Muttenzer Bahnhof gefahren und von dort mit der S-Bahn nach Liestal. Ich werde das auch als Regierungsrätin so machen. Velo und dann Zug – das ist ein guter Mix.

Ihre Wahl kam nicht überraschend. Dass Sie gleich auf Rang 3 landen und zwei Bisherige hinter sich lassen, konnte nicht erwartet werden. Wie erklären Sie sich das Resultat?

Wir haben einen sehr engagierten Wahlkampf geführt und klar hervorgestrichen, wofür ich stehe. Die letzten vier Jahre waren nicht gut fürs Baselbiet, soziale Anliegen fanden zu wenig Gehör. Offenbar waren die Wählerinnen und Wähler der Ansicht, dass wieder mehr Diversität nötig ist in der Baselbieter Regierung und dass alle grossen Parteien darin vertreten sein sollen.

Die SP ist nach vier Jahren Abstinenz wieder in der Regierung vertreten, die Konkordanz ist hergestellt, die Regierung bleibt aber mehrheitlich bürgerlich. Was können Sie in diesem Fünfergremium ausrichten?

Wichtig ist, dass das Spektrum an Argumenten in der Regierung wieder breiter wird. Ich bringe meine Positionen ein, meine vier Kolleginnen und Kollegen ihre. Daraus erarbeiten wir – so hoffe ich – die besten Lösungen fürs Baselbiet.

In den vergangenen vier Jahren war die Baselbieter Politik teilweise polarisiert. Wie schätzen Sie das Potenzial für einen Wandel zu einer versöhnlichen, konstruktiven Politik?

Wie wir in der Regierung zusammenarbeiten, wird sich zeigen. Klar ist in meinen Augen, dass viele Wähler zum Ausdruck gebracht haben, dass so, wie es in den vergangenen vier Jahren gelaufen ist, nicht gut war für unseren Kanton.

Was soll sich mit Ihnen in der Regierung verändern? Wo wollen Sie Akzente setzen?

Es geht um den sozialen Ausgleich, um ein fortschrittliches Baselbiet, darum, dass sich Gemeinden und Kanton auf Augenhöhe begegnen. Diese Werte möchte ich in die Regierung einbringen.

Ein grosses Thema wird wohl auch die Partnerschaft mit Basel-Stadt sein. Welche Möglichkeiten sehen Sie, diese zu verbessern?

Für die Unterbaselbieterinnen und Unterbaselbieter existiert die Kantonsgrenze im Alltag kaum. Diese Lebensrealität kann ich als Muttenzer auch in partnerschaftliche Fragen einbringen.

Spannen wir den Bogen zum Anfang des Gesprächs: Möchten Sie als Velofahrerin die Bau- und Umweltschutzdirektion übernehmen und neue Wege einschlagen?

Ich habe keine Wunschdirektion. Immer noch nicht. Die Direktionszuteilung ist Sache der Regierung. Ich hatte im Muttenzer Gemeinderat das Ressort Soziales und Gesundheit zugewiesen erhalten und war sehr glücklich damit.

Sie sind erst die vierte Frau in der Baselbieter Regierung, die erste linke überhaupt...

Genau. Wir haben vergangenes Jahr im Baselbiet 50 Jahre Frauenstimmrecht gefeiert. Es ist wichtig, dass eine Exekutive möglichst breit aufgestellt ist, dazu gehört auch eine angemessene Vertretung beider Geschlechter. Dass ich nun als erste SP-Frau in die Regierung einziehe, ist eine zusätzliche Facette. Heute ist wirklich ein guter Tag.