Die Baselbieter Polizei ist deutlich sichtbar an diesem Samstagabend in Reinach: Im Gewerbegebiet Kägen, wo die Veranstaltung der ultranationalistischen Grauen Wölfe hätte stattfinden sollen, sowie im Dorfkern steht beinahe an jeder Ecke ein Einsatzfahrzeug. Auch kontrolliert die Polizei an der Hauptstrasse in Reinach-Nord passierende Autos. Wer etwas genauer in die Seitenstrassen hineinschaut, bemerkt zudem ein grosses rückwärtiges Sicherheitsdispositiv, das zum Einsatz kommen würde, wenn es «tätscht». Das Polizeiaufgebot ist für Baselbieter Verhältnisse gross, man ist - so scheint es zumindest - für den Ernstfall bestens vorbereitet.

Verbot sei richtig gewesen

«Wir wussten ja nicht, was auf uns zukommt. Ob sich etwa die beiden Gruppierungen an das Verbot halten», erklärt Polizeisprecher Adrian Gaugler. Am Freitag hat die Polizei die als Kulturanlass deklarierte private Veranstaltung im Hazal-Saal an der Sternenhofstrasse verboten. Dies, nachdem antifaschistische Gruppierungen im Zug der bz-Berichterstattung über den Anlass der Rechtsextremen zu Gegendemonstrationen aufgerufen hatten. Unter diesen Umständen sei die öffentliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet, teilte die Polizei am Freitag mit.

In Bern hatten gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Grauen Wölfen und radikalen kurdischen Demonstranten im September 2015 22 Verletzte gefordert. Schlacht-Szenen wie damals wollten die Baselbieter Behörden unbedingt verhindern. Gaugler ist am frühen Samstagabend überzeugt, dass dieser Entscheid richtig gewesen sei. «Mit dem Verbot haben wir am Freitag den Grundstein gelegt, dass es bisher so ruhig geblieben ist», sagt er kurz nach 18 Uhr – zu diesem Zeitpunkt hätte die Feier ursprünglich starten sollen.

Baklava für die Polizisten

Vor dem Hazal-Saal stehen einige türkischstämmige Männer aus dem Umfeld der Organisatoren. Sie informieren jene wenigen Besucher, die vom Verbot offensichtlich nichts mitgekriegt haben und trotzdem angereist sind. Oft sind es ganze Familien. Sie steigen nach kurzen Gesprächen wieder in ihre Autos. Einige bloss überrascht, andere leicht verärgert, ein in der teuren Limousine vorfahrender Vater hörbar wütend. Mindestens ein Polizist steht stets mit den Männern vor dem Eingang zum Saal. Die Stimmung ist leicht angespannt, aber nicht schlecht. Die Gesetzeshüter, die seit morgens um 8 Uhr vor Ort sind, werden von den Veranstaltern mit Baklava und Kaffee versorgt. Polizeisprecher Gaugler spricht von einer angenehmen Zusammenarbeit. Mit der bz wollen die Männer allerdings nicht reden.

Wir nehmen einen Augenschein im umliegenden Gewerbegebiet: In Nachbarschaft des Hazal-Saals befindet sich ein bekannter Autoverkäufer, ein Migros-do-it-yourself, ein Ableger von «Mister Wong», das Hauptgebäude des Technologie-Unternehmens Endress+Hauser. Ein gewaltsames Aufeinandertreffen von linken und rechten Gruppierungen hätte die Polizei hier vor eine äusserst delikate Aufgabe gestellt, wie auch Sprecher Gaugler betont. Das Gebiet ist sehr kleinräumig und verwinkelt. Gross ist zudem der potenzielle Sachschaden, der hier angerichtet werden kann.

Feierten die Wölfe anderswo?

Sind die Grauen Wölfe allenfalls auf eine andere Lokalität ausgewichen? Zu diesem Gerücht, das am Samstagmorgen in antifaschistischen Kreisen die Runde machte, will sich Gaugler nicht äussern. Was er aber sagt: «Wir schauen nicht nur auf Reinach, sondern haben die ganze Region im Auge.» Die Zusammenarbeit mit der Basler Polizei sei in diesem Zusammenhang sehr eng. Gegenüber «Schweiz Aktuell» von SRF sagten die Veranstalter bereits am Freitagabend, dass sie das Verbot befolgen, aber die geplante Veranstaltung nachholen wollen – nach dem 16. April, wenn in der Türkei die Abstimmung zur umstrittenen Verfassungsänderung vorüber ist.