Nachgefragt

Kein Unterricht für Lehrlinge: So geht das Baselbieter Gewerbe mit der Ausbildung um

Heinz Mohler: «Wir wollen für alle Lernenden einen Abschluss gewährleisten.» (Archivbild)

Heinz Mohler: «Wir wollen für alle Lernenden einen Abschluss gewährleisten.» (Archivbild)

Heinz Mohler, wie sind die Baselbieter Lehrlinge von der Corona-Krise betroffen?

Heinz Mohler: Sehr unterschiedlich. Einige Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht, andere überlastet. In einigen Betrieben, etwa im Gesundheitsbereich, ist aktuell jede helfende Hand gefragt. Hier bleiben die Lehrlinge in der Praxis und der Schulunterricht ist vorläufig ausgesetzt. Andere Betriebe wiederum finden derzeit keine Beschäftigung für die Lernenden. Für sie haben die Berufsschulen einen Fernunterricht organisiert.

Sind im Baselbiet bereits Arbeitsverträge mit Lehrlingen aufgelöst worden?

Zum Glück liegen uns derzeit keine solchen Meldungen vor. Ich bin überzeugt, dass es nicht im grossen Stile zu Aufkündigungen der Lehrverhältnisse kommen wird. Die Unternehmen wissen, dass auch sie von unserem dualen Berufsbildungssystem profitieren. Die Lernenden von heute sind nach der Krise wertvolle Fachkräfte. Der Bundesrat hat im Zusammenhang mit seinem Gesamtpaket Stützung der Wirtschaft entschieden, dass die Kurzarbeitsentschädigungen künftig auch für Lernende gelten sollen. Ein Betrieb wird daher, sofern er nicht Konkurs geht, auch in der jetzigen Situation keine Lernenden auf die Strasse stellen. Auch habe ich grosses Vertrauen in die Unternehmen, dass sie das Lehrstellenangebot für die kommenden Schulabgänger nun nicht herunterfahren.

Wie gestaltet sich der Unterricht an den Berufsschulen?

Grundsätzlich werden auch im digitalen Fernunterricht die Fächer nach dem bisher geltenden Stundenplan unterrichtet. Dies allerdings nach anderer Methodik. Von Live-Streams, bei denen der Unterricht mehr oder weniger wie im Schulzimmer durchgeführt wird, bis hin zu Arbeitsaufträgen an die Lernenden, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt werden müssen, ist alles vertreten. Die Schultage sind durchstrukturiert. Die Schulen sind sehr flexibel, kreativ und zeigen grosses Engagement. Die Berufsbildung ist im Kanton Baselland Bestandteil einer Gesamtstrategie Digitalisierung, die bereits vor anderthalb Jahren eingeführt wurde. Die Lernenden müssen jetzt Eigenverantwortung übernehmen und, wie wir in den letzten Tagen gesehen haben, tun sie das auch. Die Krise beschleunigt die Digitalisierung. Davon wird das Berufsbildungswesen nach hoffentlich gut überstandener Krise profitieren können.

Wie steht es um die Lehrabschlussprüfungen? Werden diese ordnungsgemäss bis im Sommer durchgeführt werden können?

Das hat der Kanton Baselland nicht alleine in der Hand. Die Lehrabschlussprüfungen sind wie die Matura-Abschlüsse letztlich Bundessache. Die nationalen Partner haben sich bereits darauf geeinigt, dass auf schweizerischer Ebene ein angepasstes, gemeinsames Lehrabschlussverfahren zur Anwendung gelangen soll. Das Ziel ist klar: Wir wollen wenn immer möglich für alle Lernenden im letzten Jahr diesen Sommer einen Abschluss gewährleisten. In welcher Form auch immer. Die praktischen Abschlussprüfungen sind in vielen Betrieben auch unter den aktuell geltenden Massnahmen möglich. Die Schulprüfungen müssen allenfalls neu organisiert werden, zum Beispiel in kleineren Gruppen. Details folgen, sobald die Vorschläge national konsolidiert sind.

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