Nutzungskonflikt

Kein Zugang zum nahen Wasser: Erholungsstreit um Muttenzer Hardwald

Regionales Trinkwasser vor der Aufbereitung.

Regionales Trinkwasser vor der Aufbereitung.

Die Wassergräben im Hardwald sind tabu. Das verstehen nicht alle.

Greifbar nah – aber unerreichbar: Von den Göttern verdammt, leidet Tantalos im Hades an ewigem Durst, obwohl das herrlich kühle Wasser direkt vor seiner Nase ist. Ähnlich dürfte sich schon manch Besucher im Hardwald gefühlt haben.

Durch das beliebte Naherholungsgebiet bei Muttenz schlängelt sich ein idyllisches Kanalsystem, fünf Weiher gibt es im südlichen Teil des Waldes. An einigen Stellen befindet sich das kühlende Nass direkt neben einem Spazierpfad, nur eine sanfte Böschung trennt Wasser und Weg. Das lockt an einem heissen Sommertag die Füsse im Kanal zu erfrischen oder dem hechelnden Hund einen Schluck zu gewähren. Auch für Kinder ist der Wassergraben mit leichter Strömung ein Paradies, um etwa ein Schiffchen treiben zu lassen.

Besucher wünschen sich Zugang zum Wasser

Doch all diese Verlockungen bleiben dem Besucher im Hardwald verwehrt: Das Betreten der Gräben ist strikt verboten, die Weiher sind mit Draht umzäunt. «Wassergräben und Weiher nicht betreten. Wasser sauber halten», heisst es auf Tafeln im Wald. Hunde sind im gesamten südlichen Areal an der Leine zu führen. Gibt doch einmal jemand der Versuchung nach und greift zum Wasser, geht es meist nicht lange und er wird zurechtgewiesen.

Grund ist die Trinkwassergewinnung im Gebiet. Seit 1955 lässt die Hardwasser AG in Pratteln Rheinwasser in das Gebiet leiten. In den damit gefüllten Weihern und Gräben versickert dieses und durchläuft so eine erste Reinigungsstufe. Um den Schutz zu gewähren, führt die Trinkwasserfirma selbst Kontrollen durch. Drei Mitarbeiter sind auch am Wochenende unterwegs und schauen, dass sich niemand bei den Gräben aufhält.

Nicht alle können das strikte Verbot verstehen, ist der Wald doch auch offiziell ein Erholungsgebiet für die umliegende Bevölkerung. Dass eine Möglichkeit das Wasser zu nutzen für viele die Aufenthaltsqualität erhöhen würde, bestätigt auch die Muttenzer Gemeinderätin Doris Rutishauser: «Wir hören immer wieder, dass sich Leute Zugang zum Wasser wünschen. Die Trinkwassergewinnung hat aber Priorität».

Dabei besteht nicht die Gefahr, dass das Wasser verschmutzt würde, wenn sich etwa ein Hund darin erleichtert. So durchläuft dieses auch nach dem Versickern noch mehrere Filtrationsstufen, erst dann kommt es aus dem Hahnen. Das strikte Zugangsverbot hat zweierlei Gründe, erklärt Thomas Meier, Geschäftsführer der Hardwasser AG auf Anfrage.

«Die Gräben sind mit mehreren Schichten Kies und Sand bedeckt. Bei einem Betreten werden diese umgeschichtet und es kann zu Schäden am Grabensystem führen.» Ausserdem handle es sich beim Gebiet um eine Gewässerschutzzone der Kategorie S1: «Wir sind gesetzlich verpflichtet, die Anlagen vor dem Betreten zu schützen.»

Eine Badezone ist keine Option

Es stellt sich die Frage, ob nicht ein Abschnitt der Wassergräben oder ein Weiher den Besuchern zur Verfügung gestellt werden könnte. Für die Hardwasser AG keine Option. «Wir brauchen das Wasser auf der gesamten Länge», stellt Meier klar. Dem Bedürfnis der Bevölkerung nachzukommen, sieht er nicht in seiner Zuständigkeit: «Wir haben den Auftrag, Trinkwasser zu liefern. Das Betreiben eines Badeabschnitts ist nicht unsere Aufgabe».

Für eine Freizeitnutzung sei die Anlage momentan auch nicht geeignet, die Böschung links und rechts der Gräben zu steil: «Man müsste den Bereich komplett anders gestalten». Wenn, dann sei das aber Aufgabe der Bürgergemeinde, welcher das Gebiet gehört.

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