Feuerwehr

Keine Angst vor fest angestellten Feuerlöschenden

Sind Milizfeuerwehrleute im Baselbiet künftig überflüssig?

Sind Milizfeuerwehrleute im Baselbiet künftig überflüssig?

Die geplante zentralisierte Feuerwehr könnte für die Miliz attraktiver sein als die jetzigen Dorffeuerwehren.

Werden die Milizfeuerwehrleute in Zukunft überflüssig, wenn Profis die Einsätze leiten? Und wie steht es mit dem Corps-Geist unter den Feuerwehrleuten, wenn nicht mehr jede Gemeinde eine eigene Feuerwehr hat? Solche Ängste sind unter den Baselbieter Feuerwehrleuten verbreitet, seitdem der Kanton angekündigt hat, den Schutz der Bevölkerung nur noch mit drei Hauptwachen mit sechs Aussenstellen sicherzustellen, wobei professionelle Feuerwehrleute die Hauptwachen betreiben sollen. Einen Eindruck, wie die Feuerwehrlandschaft in Zukunft aussehen könnte, ergibt ein Blick auf die Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal.

Mit sechs Gemeinden, einer Haupt- und einer Nebenwache und Festangestellten im Kader entspricht sie im Kleinen dem, was dem Kanton vorschwebt. Präsident Sascha Schob erläutert die Vorteile: «Unsere Aufgaben werden immer komplexer», sagt er. «Je grösser eine Feuerwehr ist, umso mehr kann sie sich spezialisieren.» Und diese Spezialisierung sieht er als neue Motivation für Milizleute. Diese können nämlich spezifischer ausgebildet werden. «Sie sind nicht einfach Feuerwehrleute, die löschen, sondern erhalten auch anspruchsvolle, spezifische Aufgaben. Das schafft Professionalität, und die ist interessant.» Zudem werde es attraktiver für die Anstellung von Berufsfeuerwehrpersonal. «Wir wollen schliesslich ein guter Arbeitgeber sein.»

Politik würde ohne Profis nicht funktionieren

Ähnlich sieht das Stefan Degen, der ehemalige Präsident des Feuerwehrrats der Feuerwehr Region Gelterkinden, in der drei Gemeinden zusammenarbeiten. Heute hätten die einzelnen Gemeindefeuerwehren im Kanton zwar eine solide, aber nicht eine Top-Ausrüstung. «Standardmässig besitzt jede Feuerwehr drei Fahrzeuge, weil es dafür von der Gebäudeversicherung Geld gibt.»

In den grösseren Einheiten werde es nicht einfach mehr davon geben. «Man wird sich fragen können, was man braucht, und sich entsprechend spezialisieren.» Gerade in kleineren Dörfern könnten sich die Milizangehörigen auf Ausrüstung und Material freuen, die sich die Gemeinde alleine nicht leisten könne. Die vom Kanton gewünschte Teilprofessionalisierung vergleicht er mit der Politik und dem Militär. «Ohne Unterstützung durch Profis würde da nicht mehr viel funktionieren. So gibt es im Landrat Unterstützung bei den Kommissionsberichten oder der Informationsbeschaffung durch fest angestellte Mitarbeitende», sagt er, der selber im Kantonsparlament sitzt. Und Degen ist überzeugt: «Der Geist des Milizsystems stirbt nicht, nur weil auch noch Profis dabei sind.»

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