Abriss

Keine Gnade für Therwiler «Bruchbude»

Dem Gebäude am Hinterweg 1 sieht man sein hohes Alter an. zvg

Dem Gebäude am Hinterweg 1 sieht man sein hohes Alter an. zvg

Die Archäologie Baselland bedauert den Abriss des ältesten Hauses Therwils und spricht von einem Wahrzeichen. Die Bau- und Planungskommission findet das Gebäude allerdings nicht erhaltenswert.

Archäologie Baselland ist besorgt um das älteste Haus Therwils. Das Gebäude am Hinterweg 1 stammt aus dem Jahre 1569 oder 1570, das hat die in der kantonalen Bildungs, Kultur- und Sportdirektion angesiedelte Abteilung anhand von Jahresring-Untersuchungen in Eichenholzbalken neulich festgestellt. Es gebe zudem Hinweise, dass sich in den Fassadenmauern Teile eines noch älteren Gebäudes befänden, schreibt Archäologie Baselland.

Doch alles deutet darauf hin, dass der Bau bald abgerissen wird. Vor zwei Wochen beschloss die Gemeindeversammlung nämlich den Quartierplan Löwen, der einen Ausbau des bestehenden Hochhauses zu einer grösseren Überbauung mit Wohnungen und Gewerbe vorsieht. Dem würde unter anderem der namenlose Bau aus dem 16. Jahrhundert zum Opfer fallen.

Dabei ist er laut Archäologie Baselland ein «eindrucklicher Zeitzeuge der Dorfgeschichte» und ein «Wahrzeichen». Der Schluss, den die Behörde zieht: «Der Abbruch dieses einzigartigen Gebäudes ist sehr zu bedauern.» Heute präsentiert es sich von der Strasse aus allerdings als eine abweisende Wand, die offensichtlich sanierungsbedürftig ist.

«Das ist eine Bruchbude», so drückt es Rolf Frei aus, der als Gemeindevizepräsident der Therwiler Bau- und Planungskommission (BPK) vorsteht. Er kennt das Gebäude gut, unter anderem von Feuerwehrübungen, die darin stattfanden. «Ich wüsste nicht, was daran erhaltenswert sein sollte.» Es sei sogar in so schlechtem Zustand, dass man es aus Sicherheitsgründen habe verriegeln müssen. Vor einigen Jahren brannte die zum Gebäude gehörige Scheune ab. «Wenn schon, hätte man es vor 30 oder 40 Jahren retten sollen», sagt Frei.

Erhalt war kein Thema

Sowohl BPK als auch Gemeinderat seien sich bewusst gewesen, dass es sich um ein altes Gebäude handelt, sagt Frei. «Aber dass es so alt ist, wusste ich nicht.» Jedenfalls sei es nie ein Thema gewesen, es zu retten. Im Planungsbericht zum Quartierplan wird das Gebäude gar nicht erst erwähnt; im Mitwirkungsverfahren handelte die einzige Eingabe von etwas ganz anderem.

Seit etwa 15 Jahren wird in Therwil über den Quartierplan Löwen diskutiert. Doch erst jetzt, wo er rechtskräftig sei, habe Archäologie Baselland das Gebäude überhaupt untersuchen können, sagt deren stellvertretender Leiter Andreas Fischer. Das sei eine Frage der Ressourcen. Das Gebäude retten können hätte die kantonale Denkmalpflege – doch die hat sich gegen eine Unterschutzstellung ausgesprochen.

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