Der Oberdörfer Gemeinderat ist nicht etwa verkleinert worden, selbst wenn an der Gemeindeversammlung am Montagabend teils nur zwei Exekutivmitglieder vor den Stimmberechtigen präsent gewesen sind. Prominentester Abwesender war Gemeindepräsident Ewald Fartek. «Nach seiner Abwahl ist er nicht motiviert, diese Gemeindeversammlung zu leiten», liess Vizepräsident Christian Heckendorn den Präsidenten entschuldigen.

Heckendorn würdigte Fartek und dessen Arbeit als Gemeindepräsident. «Mit seiner Abwahl entsteht eine grosse Lücke – wegen der Kompetenz als Finanzfachmann wie auch seiner Persönlichkeit. Das wird für uns eine echte Herausforderung. Ewald Fartek ist ein Reisser», betonte der Vizepräsident. Dieser kritisierte, dass vor der Wahl gegen Fartek «scharf geschossen» worden sei (es stand in der bz). Er habe diese deutliche Abwahl nicht verdient, «aber es ist ein demokratischer Entscheid, den es zu akzeptieren gilt». Christian Heckendorns Worte wurden von der Versammlung stillschweigend zur Kenntnis genommen. Anwesend war auch der neu gewählte Gemeinderat Salman Fistik, der den Gemeindepräsidenten aus dem Amt gedrängt hatte.

Ob Ewald Fartek die Rechnungs-Gemeindeversammlung im Juni leitet, lässt der 71-Jährige noch offen, wie er gestern zur bz sagte. Erst wolle er nach der GV vom Montag die Reaktionen der Dorfbevölkerung abwarten. Vorläufig meide er öffentliche Auftritte. «Aber die Amtsperiode werde ich auf alle Fälle zu Ende führen», macht Fartek klar.

Gemeinderätin Christine Kamber musste sich aus gesundheitlichen Gründen abmelden, Amtskollege Piero Grumelli hatte parallel eine Schulratssitzung laufen, sodass er zeitweise auch an der Gemeindeversammlung fehlte. Deshalb war der Gemeinderatstisch vorübergehend nur mit Christian Heckendorn und Thekla Beutler sowie der Gemeindeverwalterin besetzt – also bloss mit einem Rumpfteam.

Grosse Baustelle

Nachdem vor 15 Jahren in Oberdorf die Hauptstrasse und das Gleis der Waldenburgerbahn (WB) saniert worden sind, wird die Zentrumsgemeinde 2022 erneut zu einer Grossbaustelle. Dann stehen die Hauptarbeiten an, um die WB-Spur auf einen Meter zu verbreitern. Während eines Jahres ruht der WB-Betrieb, dafür verkehren zwischen Waldenburg und Liestal Busse.

Verantwortliche der Baselland Transport AG (BLT), welche die WB Anfang Jahr übernommen hat, sowie zweier involvierter Ingenieurunternehmen orientierten an der Gemeindeversammlung Oberdorfs Bevölkerung über das Projekt. «Die Gesamterneuerung der WB ist für uns eine grosse Kiste», erklärte Reto Rotzler, Leiter Infrastruktur der BLT. Der Neubau der WB-Gleise erfolgt mit dem Ausbau des Bahnhofs Liestal, der auf vier Spuren erweitert wird.

Besorgte Oberdörfer mahnten die Projektleitung, während der Stilllegung der Waldenburgerbahn die Leute im Dorf nicht zu vergessen. Rotzler versprach, dies im Logistikkonzept, das derzeit geplant wird, zu berücksichtigen. Gemeinderats-Vize Heckendorn deutete an, dass Oberdorf eine Projektbegleitgruppe einsetzen werde, welche dann die Bedürfnisse der Bevölkerung einbringen könne.

Geschäft zurückgezogen

Mit seinen Vorlagen hatte der Gemeinderat vor dem Souverän unterschiedlichen Erfolg. Das geänderte Wasserreglement passierte mit einer kleinen Korrektur, die aus der Versammlung angeregt worden war, am Schluss einstimmig. Der Planungskredit von 100 000 Franken, um die Zonenvorschriften Siedlung zu revidieren, zog der Gemeinderat nach längerer Diskussion zurück. Hauptgrund: Es besteht kein dringender Handlungsbedarf.