Kräftiger, aber kein euphorischer Applaus, nur eine Enthaltung bei der Abstimmung, eine von Entschlossenheit geprägte Antrittsrede: Wie erwartet hat SVP-Nationalrat Thomas de Courten die Hürde der parteiinternen Nominierung problemlos übersprungen. Nach dem freiwilligen Verzicht von Mitbewerber Dominik Straumann war der Weg für den 52-jährigen Rünenberger an der gestrigen Parteiversammlung im Hofgut Grosstannen ob Bubendorf frei.

Zusammen mit dem amtierenden Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber, der sogar einstimmig nominiert wurde, wird der selbstständige Unternehmer versuchen, erstmals überhaupt den Einzug eines zweiten SVP-Mitglieds in die Baselbieter Regierung zu vollbringen. Vorzugsweise auf Kosten der SP-Herausforderin Kathrin Schweizer, obschon dies gestern höchstens angedeutet, aber nicht offen ausgesprochen wurde. Parteipräsident Oskar Kämpfer betonte dagegen gleich mehrfach, dass die Chance der SVP auf einen solchen historischen Doppelerfolg noch nie so gross gewesen sei wie jetzt. Zwar habe die bürgerliche Regierungsmehrheit in den vergangenen vier Jahren die Staatsrechnung in Ordnung gebracht, doch brauche es weiterhin eine klare bürgerliche Dominanz im Regierungsrat, um auch noch die viel zu hohe Schuldenbelastung in den Griff zu kriegen.

Wichtige Vernetzung in Bern

De Courten selbst erwähnte in seiner rund 20-minütigen Ansprache vor allem zwei wichtige Problemfelder, für deren Behebung er sich in der Regierung einsetzen wolle: die hohe Steuerbelastung insbesondere bei hohen Einkommen und die mangelnde Infrastrukturentwicklung. «Wir stehen täglich im Stau, täglich in der S-Bahn und täglich im Tram. Letztlich stehen wir damit nur auf unserem selbst verschuldeten Investitionsstau.» Um in Sachen Baselbieter Infrastruktur weiterzukommen, brauche es aber eine gute Vernetzung in Bern, und die dazu notwendigen Kontakte könne er bieten. «Ich habe Bammel vor diesem Rennen, aber ich bin bereit, in diesen Kampf zu steigen», räumte de Courten freimütig ein. Er werde sich selbst im Wahlkampf treu bleiben. Seinen Ruf als Hardliner sehe er positiv als öffentliche Anerkennung für Gradlinigkeit und Durchsetzungsfähigkeit. Bestimmt werde es im Wahlkampf zu vielen Attacken kommen. Aber er werde stets zu seiner Meinung und seiner Partei stehen. Jetzt, nach 15 Jahren als stärkste Partei im Baselbiet, sei es höchste Zeit, dass die SVP mehr Regierungsverantwortung übernehmen könne, folgerte de Courten.

Thomas Weber machte den SVP-Mitgliedern mit seinem eigenen Beispiel Mut zum Erfolg: «2013 haben alle gesagt, ich hätte keine Chance. Wir haben sie trotzdem gepackt.» Dieselbe Chance werde die SVP auch 2019 packen, «obschon sie uns auch diesmal niemand zutraut». Kantonalpräsident Kämpfer schliesslich schwor die SVP-Basis nicht nur auf die beiden Nominierten, sondern aufs gesamte bürgerliche Viererticket ein – mit besonderer Betonung auf CVP-Finanzdirektor Anton Lauber.