Das Hauptproblem ist die Identifizierung der Mittäter: Mit wem genau Paolo Balicha im Februar 2014 das damalige Trainingscenter von Shemsi Beqiri in Reinach gestürmt hat, ist noch immer umstritten.

«Es ist alles auf meinem Mist gewachsen. Das Ganze ist meine Schuld, ich entschuldige mich bei Dritten, es ist lediglich um einen Zweikampf gegangen», betonte Balicha am Dienstagvormittag im Gericht. Ansonsten wollte er allerdings nichts mehr zu den Vorwürfen sagen, auch nicht über Mittäter.

17 Angeklagte sitzen in diesen Wochen vor Gericht, weil andere gesungen haben: So beteuerte ein 39-jähriger Mitangeklagter, er habe damals gedacht, es ginge um einen fairen Zweikampf. «Wer war denn nun dabei?», fragte ihn die Gerichtspräsidentin. «Alle hier im Saal waren dabei», antwortete er kurz und knapp. Proteste aus den Reihen der Angeklagten folgten sofort, er liess sich dadurch allerdings nicht irritieren.

«Ich habe nicht gewusst, dass auch Kinder dort sind», meinte er. Nach dem Vorfall habe er sich bei Shemsi entschuldigt, inzwischen trainiert er gar dort. Er bestätigte, dass die bekannte Videoaufnahme des Überfalles nur ein Teil der Vorgänge zeige. «Vor und nach dem Video, was nicht aufgenommen worden ist, das war noch viel schlimmer», betonte er. Auf Nachfrage ergänzte er, dass eben die Leute dort auch geschlagen worden seien.

Mehrere Verteidiger nahmen den 39-Jährigen in die Zange, sie sehen in ihm einen unglaubwürdigen Mann, der die Seiten gewechselt hat.

Umstritten sind diverse Details, etwa die Frage, wann genau die Masken und die Schlagstöcke verteilt worden sind. Er sei der einzige, der eine völlig andere Geschichte erzähle, warf ihm ein Anwalt vor. «Ich bin auch der einzige, der die Wahrheit sagt», konterte er.

Der Filmer und der Coach

Am Anfang der Ermittlungen standen allerdings zwei Turnschuhe, anhand derer ein Brüderpaar wegen eines Auftrittes in einem Fernsehprogramm zumindest in die nähere Auswahl kam. Beide sassen acht Wochen in Untersuchungshaft. Einer der Brüder nannte schliesslich zahlreiche Namen, diese Aussagen sind der Hauptstreitpunkt im Verfahren: Die Verteidiger von anderen Angeklagten sehen Verfahrensfehler und möchten die Aussagen aus den Akten entfernen, womit gegen manche Männer jegliche Beweise fehlen würden.

Der 29-jährige bestätigte seine Aussagen vor Gericht nur halbherzig und wollte sich nicht mehr im Detail äussern. Im Video ist er zu sehen, wie er Balicha während des Kampfes coacht und anfeuert.

Das Opfer nur leicht berührt?

Sein 35-jähriger Bruder hingegen bedauerte zwar seine Teilnahme am Überfall, betonte aber, er habe sich nur verteidigt. Den Schlagstock habe er von einer Baustelle mitgenommen. Geschlagen habe er niemanden, bloss eine Person am Bein berührt, dabei sei der Schlagstock dann allerdings zerbrochen. «Und die Kinder hätten einfach so gehen können, wenn sie hätten gehen wollen?», fragte die Gerichtspräsidentin Irène Läuchli ungläubig. «Ja, ich denke schon.

Ich bin selber Erzieher, arbeite mit Kindern und gebe ihnen etwas mit», meinte er. Er monierte auch, die Staatsanwaltschaft habe Druck auf ihn ausgeübt, Namen von Mittätern zu nennen, wegen der langen Einzelhaft habe er schliesslich auch einen Suizidversuch unternommen.
Die Lesart der Baselbieter Staatsanwaltschaft ist allerdings anders: Wenn jemand ein Geständnis ablegt, entfällt logischerweise der Haftgrund der Kollusionsgefahr, was in der Regel eine Haftentlassung nach sich zieht.

Ebenfalls fast acht Wochen in Haft sass ein heute 24-Jähriger, der den Überfall gefilmt haben soll: Die einzigen Beweise dafür sind allerdings Aussagen von Beteiligten, er selbst verweigert die Aussage.

Ein 31-jähriger langjähriger Freund von Balicha gab hingegen zu, beim Überfall mitgemacht zu haben. «Hab ich Dich gezwungen?», fragte ihn Balicha. «Er hat gesagt, jetzt zeigt sich, wer zu mir steht. Für mich war das eine Zwangssituation», betonte der 31-Jährige daraufhin. Er sei bloss aus Loyalität mit Balicha mitgegangen.
Die Verhandlung geht am Mittwoch mit weiteren Befragungen weiter, nächste Woche sollen die Plädoyers stattfinden.

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Jascha Schneider, Anwalt von Shemsi Beqiri, fordert, dass das Verfahren politische Konsequenzen hat

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