Die Gemeinde Aesch verschenkt bald Umweltschutz-Abonnemente. Adressaten sind Schülerinnen und Schüler, die vom Kanton dazu verknurrt wurden, eine Schule in einer anderen Gemeinde zu besuchen. Im ganzen Kanton sind gemäss Auskunft der Baselbieter Bildungsdirektion total 57 Schülerinnen und Schüler «einem anderen als dem üblichen Sekundarschulort» zugewiesen worden.

Irritiert sei er über die Zuteilungsentscheide des Baselbieter Amts für Volksschulen, schreibt der Aescher Gemeinderat in einer geharnischten Mitteilung. Aesch verfüge über eine Sekundarschule, doch nun würden wieder überproportional viele Schülerinnen und Schüler aus der Gemeinde fremdversetzt. Bereits Ende Mai habe der Gemeinderat die Baselbieter Regierung dazu aufgefordert, die «stossende Praxis» zu korrigieren. Ziel sei, dass in diesem Jahr keine Schülerinnen und Schüler versetzt würden. Doch es kam anders. Insgesamt haben sieben Sechstklässlerinnen und -klässler kürzlich den Bescheid erhalten, dass sie zum Übertritt in die Sekundarschule nach den Sommerferien in Arlesheim unterrichtet werden.

Die Bildungsdirektion verteidigt ihr Vorgehen. «Um optimale Klassengrössen im Sekundarschulkreis Birseck erreichen zu können und keine zusätzlichen Klassen in Aeschs Leistungszügen A, E und P bilden zu müssen, wurden insgesamt sieben Schülerinnen und Schüler aus Aesch und je eine Schülerin aus Pfeffingen beziehungsweise Duggingen der Sekundarschule Arlesheim-Münchenstein zugewiesen.» Dieses Vorgehen sei konform mit dem Bildungsgesetz. Bei den Zuteilungen habe man zahlreiche Faktoren berücksichtigt, etwa die Beschaffenheit des Schulwegs und «allfällige persönliche Gründe».

Mittag auswärts essen

In Aesch kann diese Argumentation nicht überzeugen. «Kinder, die beim Frühstück auf das Areal der Sek Aesch blicken können, müssen die Schule in Arlesheim besuchen und einen weiten, beschwerlichen Weg auf sich nehmen», sagt Marianne Hollinger zur bz. Laut der Aescher Gemeindepräsidentin gibt es viele Familien, die gemeinsam zu Mittag essen wollten – das sei jetzt kaum mehr möglich. Je nach Wohnort müssen die Betroffenen zwei- bis dreimal umsteigen, wenn sie mit dem öffentlichen Verkehr zur Sekundarschule nach Arlesheim gelangen wollen. Dazu benötigen sie meist über eine halbe Stunde. Mit dem Velo dauert die Fahrt etwas kürzer.

Schon 2018 habe Aesch über zwanzig Betroffene gezählt, schreibt die Gemeinde. «Eine Opfersymmetrie ist nicht ersichtlich. Die Zuteilungen scheinen absurd. Für Gemeinderat und Bevölkerung sind die Entscheide nicht nachvollziehbar.»

Einige wechseln freiwillig

Die Bildungsdirektion hält fest, einen Anspruch auf Besuch der nächstgelegenen Sekundarschule gebe es nicht. Auch der Baselbieter Souverän habe den Segen erteilt zur Optimierungen bei der Klassenbildung auf der Sekundarstufe I: Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger lehnten 2012 die Volksinitiative «Keine Zwangsverschiebungen an Baselbieter Sekundarschulen» mit 59 Prozent Nein-Stimmen ab.

Von den 57 «fremd» zugeteilten Schülerinnen und Schülern haben gemäss Bildungsdirektion 29 den Schulstandort freiwillig gewechselt, 17 verzichteten auf eine Stellungnahme im Anhörungsverfahren, zwei erklärten sich in dessen Verlauf mit einem Wechsel einverstanden. «Gegen ihren ausdrücklichen Willen zugewiesen werden mussten nur sieben Schülerinnen und Schüler.» Wo diese sieben wohnen, ob es sich also um die Betroffenen aus Aesch handelt, geht aus der Antwort nicht hervor. Wahrscheinlich ist auch, dass es zu weiteren Anhörungsverfahren kommt. Laut Informationen der bz warten viele Sechstklässer noch immer auf den Bescheid, ob sie bald pendeln müssen oder nicht. Der Aescher Gemeinderat argumentiert, der Regierungsrat habe auf Verordnungsebene sehr wohl Spielraum, die Zuweisungen zu beeinflussen. Den Vorgaben des Bildungsgesetzes würde so weiterhin Rechnung getragen.

Die Gemeinde Aesch hatte im vergangenen Jahr den versetzten Schülerinnen und Schülern ein Umweltschutz-Abonnement bezahlt. «Es wäre zumindest anständig vom Kanton, wenn er den Betroffenen das U-Abo bezahlen würde», sagt Gemeindepräsidentin Hollinger. «Das macht nun die Gemeinde, damit das Vertrauen in die Politik nicht ganz verloren geht.»