Die ersten Lebensjahre sind für ein Kind entscheidend. Jeden Tag macht es in dieser Zeit neue Erfahrungen, die zu der persönlichen Entwicklung beitragen und Spuren hinterlassen. Welche Leistung die Kinder in dieser Zeit erbringen, ist von aussen teilweise deutlich sichtbar: Eben kroch das Kind noch auf den Knien über den Teppich, nun hüpft es schon mutig vom Sofa. Andere Entwicklungsschritte, wie etwa das Erlernen von Farben und Formen, sind weniger schnell zu sehen.

Erste vier Lebensjahre im Fokus

Die Erlebnisausstellung «Die Entdeckung der Welt» im Museum Baselland widmet sich diesen ersten vier Lebensjahren von Kindern, in denen häufig bereits die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Die Entwicklung von Kleinkindern und ihre Betreuung stehen dabei im Zentrum. Ab Samstag kann die Wanderausstellung in Liestal besucht werden, zuvor war sie für einige Monate in Bellinzona zu Gast. Noch ist in Liestal nicht alles bereit. «Wir überlegen noch, ob wir auf dem Boden einen Pfad für die Besucher zeichnen sollen», erklärt Heinz Altorfer vom Verein Stimme Q. Dieser steht hinter dem Ausstellungsprojekt.

Der grösste Teil der Ausstellung im oberen Stockwerk des Museums ist aber fertig. Alles ist bunt und spielerisch konzipiert. Auf dem Boden liegen Matten, mit denen Kinder spielen dürfen. Alle Besucher erhalten zu Beginn eine kleine farbige Kugel, welche die verschiedenen Elemente im Raum teilweise in Bewegung bringen kann. Der erste Teil der Ausstellung widmet sich der frühkindlichen Entwicklung: Wie lernen Kinder, und was brauchen sie dafür? In einem zweiten Teil geht es darum, wie die Debatte um die frühkindliche Entwicklung in der Schweiz geführt wird. Soll der Staat die Betreuung fördern oder ist die Erziehung der Kinder Privatsache? Wie sieht eine gute Kindertagesstätte aus. Warum arbeiten so viele Frauen in der Schweiz Teilzeit? Diese Fragen werden mit verschiedenen Medien beantwortet: Filmausschnitte, Tonaufnahmen und Schrifttafeln bringen Abwechslung.

Ein dritter Teil der Ausstellung spielt sich ausserhalb des Museums ab: In der ganzen Nordwestschweiz werden bis im Dezember verschiedene Veranstaltungen stattfinden, um für das Thema der frühkindlichen Entwicklung zu sensibilisieren und regionale Akteure in diesem Bereich zu vernetzen. Jacqueline Seiler hat die Veranstaltungen organisiert. Sie hat in der Deutschschweiz die Projektleitung für den Verein Stimme Q übernommen. Insgesamt 70 Veranstaltungen finden statt. Organisiert werden sie beispielsweise von Kitas, Bibliotheken, aber auch von Hebammen oder Spielgruppen. «Uns ist es gelungen, die ganze Vielfalt der Frühförderung abzudecken», erklärt Seiler.

Familie ist für viele Privatsache

Der Verein Stimme Q hat sich zum Ziel gesetzt, eine nationale Diskussion zur Qualität in der frühen Kindheit anzuregen Man wolle Eltern dabei nicht bevormunden, erklärt Präsident Heinz Altorfer. Es gehe nicht darum, zu entscheiden, welche Betreuung für Kinder richtig oder falsch sei. «Wir wollen aufzeigen, welche verschiedenen Betreuungsformen möglich sind.» Verglichen mit anderen Ländern in Europa bekomme das Thema in der Schweiz nämlich zu wenig Aufmerksamkeit, findet Altorfer. «Wir haben fast keine Informationen über Kleinkinder in der Schweiz. Da wissen wir noch mehr über unsere Hühner als über unsere Kinder.» Dabei hätte der Staat ein konkretes Interesse daran, alle Möglichkeiten der frühkindlichen Förderung auszuschöpfen, so Altorfer. Es gäbe Studien, die klar zeigten, dass Bildung, Betreuung und Erziehung in den ersten Lebensjahren später zu einer besseren Bildung, zu mehr Sozialkompetenz und zu einer besseren Gesundheit führen. Dass das Thema der ausserfamiliäre Betreuung in der Schweiz auf der politischen Ebene seltener als in den Nachbarländern thematisiert wird, führt Altorfer darauf zurück, dass für viele die Familie in der Schweiz Privatsache ist. «Das ist zwar gut, denn so übernehmen die Eltern die Verantwortung für ihre Kinder.» Allerdings reiche das nicht aus, um dem Kind die bestmögliche Betreuung zu ermöglichen. «Denn die Rahmenbedingungen müssen auch für die Eltern stimmen.» Neben Möglichkeiten für die ausserfamiliäre Betreuung seien deshalb auch Elternberatungsstellen immer wichtiger. «Eltern müssen darum auch einfordern, dass sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz verbessern», fordert Altorfer.

Die Ausstellung soll einen Beitrag dazu leisten, dass sich in den nächsten Jahren etwas tut in der Schweiz. «Ich wünsche mir, dass in zehn Jahren alle politischen Akteure wissen, wie wichtig frühkindliche Entwicklung ist», so Altorfer.


Ausstellung im Museum.BL vom 9. September bis zum 30. Dezember. Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag, 10.00 - 17.00.
Öffentliche Vernissage: 8. September 18.00