Nenzlingen

Kindergarten geschlossen - architektonisches Bijou sucht neuen Mieter

Seit diesem Sommer sind im Nenzlinger Kindergarten keine Kindergärtler mehr anzutreffen.

Seit diesem Sommer sind im Nenzlinger Kindergarten keine Kindergärtler mehr anzutreffen.

In Nenzlingen wurde vor neun Jahren ein architektonisches Schmuckstück für den Kindergarten erbaut – den schon damals nur 13 Kinder besuchten. Seit Sommer ist der Kindergarten geschlossen und der prestigeträchtige Bau sucht einen neuen Mieter.

Die Hoffnungen waren gross, als man sich in Nenzlingen dazu entschloss, einen neuen Kindergarten errichten zu lassen. Knapp über eine Million Franken wurde in die Hand genommen, um das kleine Laufentaler Dorf mit einem architektonischen Schmuckstück zu bereichern. Der Bau aus jurakalkfarbigem Beton sollte zur Ankurbelung des Gemeindewachstums beitragen und Familien motivieren, an den Südhang des Blauens zu ziehen.

In den neun Jahren seit der Eröffnung des Kindergartens ist die Einwohnerzahl tatsächlich leicht gestiegen. Die Kosten im Bildungswesen der 430-Seelen-Gemeinde blieben jedoch hoch und die Schülerzahlen gingen sogar zurück. Vor den Sommerferien schlossen der Kindergarten und das Primarschulhaus die Türen und öffneten sie seither nicht mehr. Seit diesem Schuljahr werden die Nenzlinger Kindergärtler in Blauen unterrichtet. Dasselbe gilt für die Erstklässler und Zweitklässler, während die dritte bis sechste Klasse nach Laufen dislozierte.

Befristet auf drei Jahre

Für die leerstehenden Gebäude sucht die Gemeinde seit einigen Tagen im Internet und in der Dorfzeitung neue Mieter. «Wir möchten die Einrichtungen auf keinen Fall brachliegen lassen», sagt Gemeindepräsidentin Therese Conrad, die seit 2009 im Amt ist. Dafür sei zu viel Geld in die beiden Bauten investiert worden, erklärt sie. Der Kindergarten soll künftig als Atelier oder als Wohnung dienen. «Es wird auch eine Dusche eingebaut.» Einige Klassenzimmer im Primarschulhaus können wiederum künftig als Büro oder als Hobbyraum genutzt werden.

Es gebe schon einige Interessenten, die sich vorstellen könnten, sich einzumieten, sagt Conrad. «Der Mietvertrag ist befristet auf drei Jahre», so die Gemeindepräsidentin. Der Gemeinderat eruiere derzeit, auf welche Art man die Liegenschaften umnutzen könnte. Die aktuellen Gemeinderäumlichkeiten würden aber bestehen bleiben. An eine baldige Rückkehr von Kindergärtlern und Schülern nach Nenzlingen glaube sie nicht. «Es ist unwahrscheinlich, dass die Gebäude in den nächsten Jahren ihren eigentlichen Zweck erfüllen werden.»

War von Anfang an umstritten

Die Errichtung des kostspieligen Kindergartens sei ein Fehler gewesen, findet sie. «Die Prognosen waren damals schon schlecht.» Man habe nicht erwarten können, dass sich durch den Neubau in kurzer Zeit eine Vielzahl von Familien ansiedeln würde. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall gewesen, weshalb sich die Auslastung der Institutionen sogar reduziert habe. Es falle in Nenzlingen stark ins Gewicht, wenn eine Familie mit drei Kindern wegziehe.

Wäre sie damals bereits im Amt gewesen, wäre anstatt des Kindergartens ein Mehrzweckgebäude gebaut worden. Darin hätten neben dem Kindergarten auch die Gemeindeverwaltung und das Feuerwehrmagazin untergebracht werden können. «Das wäre schlauer gewesen als ein solch teurer Kindergarten», kritisiert sie die Baupolitik ihres Vorgängers Heinz Aebi.

Mehrere Einwohner monierten, dass für lediglich 13 Kindergärtler ein edler Prestigebau mit begrüntem Dach aus dem Boden gestampft wurde. Das vom Basler Architekturbüro Proplaning errichtete Gebäude erhielt mehrere renommierte Architekturpreise. Die Jury konnte unter anderem durch die gute Integrierung in die Landschaft und die klare Linie überzeugt werden. Wenigstens in architektonischer Hinsicht handelt es sich beim Nenzlinger Kindergarten um eine Erfolgsgeschichte.

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