Arlesheim darf zurzeit schweizweit als Vorzeigegemeinde hinhalten, weil sie nicht nur mehr Asylbewerber aufnimmt, als sie müsste, sondern die Bevölkerung sich sogar sehr für diese einsetzt. So kamen etwa so viele Sachspenden für die in der Zivilschutzanlage untergebrachten Personen zusammen, dass die Gemeinde diese teilweise an andere Asylzentren weitergeben konnte.

Was kommende Woche noch übrig bleibt, bringt die Gemeinde ins alte Feuerwehrmagazin. Dort nämlich führt die Arlesheimer Pfarrei St. Odilia vom 10. bis 12. September eine Spendenaktion durch. Sie sammelt Kleider, Schuhe, Haushaltswaren, Spielzeug und vieles mehr, um es in einem 40-Fuss-Container nach Syrien zu schicken.

«Stossen auf offene Ohren»

«Von den vier Millionen Syrern, die ausserhalb ihrer Heimat Hilfe suchen, hört man immer wieder», sagt Gaby Schuldt. «Aber die 8,5 Millionen, die innerhalb Syriens auf der Flucht sind, werden gerne vergessen. Dabei ist die Not dort sehr gross, es fehlt an allem.» Dass dem so ist, weiss die Pfarreirätin von Hanna Ghoneim. Der syrische Pfarrer aus Wien hat schon mehrere Hilfscontainer erfolgreich nach Syrien geschickt. Ein Arlesheimer Ehepaar hat die Spendenaktion für Syrien angeregt und den Kontakt zu Ghoneim vermittelt.

Für die Pfarrei sei die Spendenaktion ein ganz neues Gefilde, so Schuldt. Entsprechend viel Arbeit hat die siebenköpfige Organisationsgruppe seit einem halben Jahr. «Aber wir stossen überall auf offene Ohren und positives Feedback», freut sich die Mitorganisatorin. Deshalb ist sie auch überzeugt, dass genügend Spenden zusammenkommen werden, um den Container, in den rund 600 Umzugskartons passen, zu füllen. «Am Anfang waren wir etwas skeptisch. Mittlerweile haben wir aber schon so viele Spenden und Zusagen erhalten, dass wir sehr optimistisch sind.»

Auch Thierry Moosbrugger ist überzeugt, dass die Aktion auf ein grosses Echo stossen wird. Der Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit in der katholischen Kirche beider Basel spricht aus Erfahrung: Anfang Jahr hat die Fachstelle Katholisch BL BS eine Kleidersammlung für Flüchtlinge organisiert. «Wir sind fast überschwemmt worden», erzählt er. «Wenn die Leute wissen, wohin ihre Spende geht, unterstützen sie diese Projekte gerne.»

Aufruf zu aktivem Engagement

Moosbrugger freut sich über das Engagement in Arlesheim. «Ich wünsche mir, dass die Kirche in solchen Fragen immer eine Nasenlänge voraus ist.» Deshalb arbeitet die katholische Kirche beider Basel zurzeit intensiv daran, die Pfarreien zu vernetzen, um sich gegenseitig zu inspirieren. «Die Flüchtlingssituation ist für uns als Kirche auf verschiedenen Ebenen eine grosse Herausforderung», sagt er.

«Wenn Pfarreien wissen, was andere tun, und wie sie es tun, motiviert dies zu eigenem Engagement und weiteren Ideen.» Die Synode der reformierten Kirche des Kantons Solothurn hat zur Flüchtlingsfrage kürzlich sogar eine Resolution gefasst, mit der sie Kirchgemeinden und -mitglieder zu aktivem Engagement aufruft. Im Baselbiet gibt es so etwas nicht, aber im Moment findet weder bei den Katholiken noch bei den Reformierten eine Synode statt.

«Ein Thema sind Flüchtlinge aber natürlich auch bei uns», betont Stephanie Krieger, Sprecherin der reformierten Kirche Baselland. So hat der Kirchenrat an seiner Sitzung Anfang Woche 10 000 Franken als Soforthilfe für Kriegsflüchtlinge in Camps im Nordirak gespendet. «Für seine nächste Sitzung am 14. September hat der Rat zudem das Thema Kirche und Flüchtlinge traktandiert.» Dort werde sich der Kirchenrat unter anderem darüber unterhalten, welche Projekte zu diesem Thema in den 35 reformierten Kirchgemeinden im Baselbiet laufen.

Flüchtlinge in Kirchgemeinden

Lobende Worte finden Moosbrugger und Krieger vor allem für den ökumenischen Seelsorgedienst für Asylsuchende, der sich um die Menschen aus dem Empfangs-und Verfahrenszentrum Basel kümmert. Einige Kirchgemeinden haben selbst Flüchtlinge aufgenommen, darunter etwa der Seelsorgeverband Zwingen-Dittingen-Burg-Nenzlingen oder die Heiliggeistkirche in Basel. Andere bieten Kurse an, die den Asylsuchenden im Alltag helfen können.

Kirchen Dazu gehören zum Beispiel Deutschkurse, wie sie unter anderem von der katholischen Kirche in Allschwil oder der reformierten Kirche Tenniken-Zunzgen schon länger angeboten werden. Thierry Moosbrugger hofft, dass bald noch mehr solche Aktionen dazukommen werden. «Wir wollen uns als Kirche herausfordern lassen und aktiv vorangehen.»