Prestige-Amt

Kleine GLP stellt sich fürs Landratspräsidium an

GLP-Landrätin Regula Steinemann wird 2021 Landratspräsidentin.

Mit Regula Steinemann geht das höchste Baselbieter Amt in zwei Jahren erstmals an die Grünliberalen. Die Umstände von Steinemanns Nomination sind speziell. Der jungen Mutter fiel der Entscheid denn auch nicht leicht.

Regula Steinemann kann es selbst kaum glauben. Erst zwei Monate ist es her, da schaffte die Füllinsdörferin die Wiederwahl in den Landrat nur, weil ein GLP-Mandat vom Wahlkreis Liestal nach Pratteln wanderte. Schon vier Jahre zuvor bei ihrer ersten Wahl profitierte sie von einer Mandatsverschiebung. Und nun wird die 39-Jährige von ihrer Partei für das zweite Vizepräsidium des Landrats nominiert, wie die CVP/GLP-Fraktion gestern bekannt gab. Das bedeutet, dass Steinemann aller Voraussicht nach 2021 zur höchsten Baselbieterin gewählt wird. Sie folgt auf Peter Riebli (SVP), der am 1. Juli das Amt antritt, und Heinz Lerf (FDP), der für 2020 vorgesehen ist.

«Ich hatte nicht einmal mit meiner Wiederwahl gerechnet – und erst recht nicht damit, Anwärterin aufs Landratspräsidium zu werden», sagt sie auf Anfrage der bz. Tatsächlich sind die Umstände von Steinemanns Nomination speziell. Erst seit 2015 und der neuen Geschäftsordnung des Landrats kommen alle Parteien bei der Vergabe des Landratspräsidiums zum Zug und nicht bloss ganze Fraktionen. Nur dadurch kommen die Grünliberalen jetzt erstmals an die Reihe, obwohl sie bloss drei Landratsmitglieder stellen.

Freiräume für die Tochter schaffen

Und da sowohl Daniel Altermatt – er fiel einer anderen Mandatsverschiebung zum Opfer – als auch Matthias Häuptli abgewählt wurden, ist Steinemann die einzige Bisherige der GLP. Dies auch, da vor Kurzem Regina Werthmüller entschied, kommende Legislatur lieber partei- und fraktionslos zu politisieren als in der CVP/GLP-Fraktion.

War es so überhaupt eine freie Entscheidung? «Ich wurde nicht dazu gedrängt und hätte auch ablehnen können», sagt Steinemann. Der Entscheid sei ihr nicht leicht gefallen. «Ich habe es mir sehr lange überlegt.» Erst nach Gesprächen mit ihrem Umfeld habe sie zugesagt. «Ich stehe in einem anderen Lebensabschnitt als die meisten meiner oft älteren Vorgänger», sagt Steinemann. Nicht nur sei sie beruflich als Anwältin voll eingespannt, auch für ihre erst 14 Monate alte Tochter möchte sie genügend Zeit haben.

Schliesslich ist Steinemann zu einer Erkenntnis gekommen: «Der Landrat ist ein Querschnitt durch die Gesellschaft, also soll auch eine junge Mutter höchste Baselbieterin werden können.» Sie wolle dereinst nicht als jene Landratspräsidentin in die Geschichte eingehen, welche die wenigsten Anlässe besucht hat: «Ich werde möglichst viele besuchen, schaffe mir aber auch Freiräume für meine Tochter.» Dafür hoffe sie auf Verständnis.

Steinemann wird 2021 mit 41 Jahren übrigens nicht die jüngste Landratspräsidentin sein, die es je gab. 2004 bekleidete FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger 37-jährig das Amt. Und 1993 war der Grüne Theologe Daniel Müller erst 31, als er zum höchsten Baselbieter gewählt wurde.

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