Vor wenigen Tagen ist ein Betonstück von der alten Papierfabrik beim Schloss Zwingen, die gerade abgerissen wird, auf das Kraftwerk Obermatt gefallen. Der Schaden ist gross, das Kraftwerk daher zurzeit für Aussenstehende nicht begehbar. Der Vorfall hat Symbolcharakter.

Abgerissen wird das Kraftwerk zwar nicht, doch mit einer umfassenden Sanierung und Renovation wird es zukunftsfähig gemacht. Das neue Kraftwerk Obermatt erhält unter anderem anstelle der heute zwei kleinen Turbinen eine grosse mit einer Leistung von rund 500 Kilowatt. Trotz höherer Restwassermengen in der Birs steigt die Produktion aufgrund des besseren Gefälles und höherer Anlageeffizienz von 1,9 auf 2,2 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr an.

Dem definitiven Entscheid gingen Verhandlungen über zweieinhalb Jahre zwischen der Elektra Baselland (EBL), dem WWF Region Basel und dem kantonalen Fischereiverband voraus. Die Umweltverbände forderten im Gegenzug zur Renovation Ausgleichsmassnahmen für die Umwelt. Vereinbart wurde, dass das Kraftwerk Obermatt eine Fischtreppe und einen Fischabstieg erhält und die EBL die Renaturierung der Birs durch verschiedene Massnahmen unterstützt.

Der Energieversorger mit Sitz in Liestal hat dafür unter anderem zusätzliche Landflächen erworben. Urs Campana, langjähriger Präsident des kantonalen Fischereiverbands Baselland, ist damit zufrieden. «Das wird ein Kraftwerk auf dem neusten Stand der Technik mit entsprechenden Ausgleichsmassnahmen.» Sie seien keine Verhinderer, stellt Campana klar. «Wir haben nur das eingefordert und auch bekommen, was das Gesetz vorschreibt.»

Kanton hat strenge Auflagen gemacht

Urs Campana lobt die Zusammenarbeit mit der EBL beim Kraftwerk Obermatt. Weit weniger harmonisch ging es zwischen den Parteien 300 Meter flussabwärts zu und her, wo während 15 Jahren um das Kraftwerk Grossmatt gestritten wurde. Die EBL hätten dieses neu bauen wollen. Gleich vier Mal reichte die EBL ein überarbeitetes Projekt ein. Am Ende liessen die Verantwortlichen das Kraftwerk Grossmatt ganz fallen.

«Ein rein wirtschaftlicher Entscheid», begründet EBL-CEO Tobias Andrist auf Anfrage der bz. «Nach der Änderung des Energiegesetzes als Teil der Energiestrategie 2050 lohnte sich das Kraftwerk Grossmatt nicht mehr. Denn in der Gesetzesänderung verfügte der Bund, dass nur Wasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von über einem Megawatt von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) profitieren können.

Mit einer erwarteten Leistung von 370 Kilowatt lag das Kraftwerk Grossmatt deutlich darunter und hätte keine Vergütung erhalten. «Der Bau eines Kraftwerks ist mit den strengen Auflagen heute viel aufwendiger als früher. Dazu kam der grosse Widerstand. Bis alle zufrieden gewesen wären, hätte es enorme Anstrengungen gebraucht», erklärt Andrist.

Kraftwerke sind kaum mehr rentabel

Für das neue Kraftwerk hätte die EBL den Flusslauf zwischen Obermatt und Grossmatt leicht gestaut, damit das Kraftwerk Grossmatt ein höheres Gefälle und damit mehr Leistungsfähigkeit erhält. Dass dadurch das Kraftwerk Obermatt an Leistungsfähigkeit eingebüsst hätte, nahm die EBL in Kauf.

Doch mit den Hochwasserschutzmassnahmen des Kantons, die dafür sorgten, dass der Wasserlauf zwischen Obermatt und Grossmatt abgesenkt wurde, müsste die EBL beim Grossmatt zusätzliche Abstriche in der Produktionsleistung hinnehmen. Die Wirtschaftlichkeit war endgültig nicht mehr gegeben. Von den Hochwasserschutzmassnahmen profitierte aber das Kraftwerk Obermatt, bei dem jetzt das Gefälle zwischen Ein- und Auslauf grösser wurde.

Jost Müller, Leiter WWF Region Basel, reagiert erleichtert auf den Verzicht aufs neue Kraftwerk. Dies komme den Fischen zugute. «Ohne Grossmatt haben wir eine wunderbare Vernetzung. Durch die Sanierung des Absturzes durch den Kanton mit dem Brückenbau in Zwingen, der die Fischwanderung behindert hatte, haben wir jetzt eine interessante Gewässersituation mit Steinen und Gefälle.»

Der Lachs soll zurück ins Baselbiet

Urs Campana und Jost Müller begrüssen die Änderungen des Wasserschutzgesetzes. «Durch die Subventionen der KEV wurden schweizweit im Wasserbereich fragwürdige Projekte lanciert», kritisiert Campana. Für Müller haben Neubaupläne von Kleinwasserkraftwerke schweizweit keine Chance mehr. Das glaubt auch EBL-CEO Tobias Andrist. «Im Bereich der erneuerbaren Energien haben in der Region eher Photovoltaik und Biomasse eine Zukunft. Windenergie ist aus bewilligungsrechtlicher Sicht eine sehr grosse Herausforderung.»

Mit insgesamt acht Kraftwerken entlang der Birs im Kanton Baselland sei der Fluss ausgenutzt, findet Jost Müller. Es gebe kein sinnvoll nutzbares Gefälle mehr entlang der Birs. Der Kanton hat verfügt, dass sämtliche Birskraftwerke fischgängig gemacht werden müssen. Das grosse Ziel ist klar: Der Lachs soll zurück ins Baselbiet kommen. Dafür muss er sich flussabwärts- und aufwärts bewegen können. «Von Fischtreppen und anderen Ausgleichsmassnahmen profitiert aber nicht nur der Lachs», stellt Müller klar.