Herrenfasnacht

Klima-Greteli und die Quecksilber-Halle: Der Reinacher Umzug sorgt für Themenvielfalt

Neben dem Klima wurden die Wahlen, Abfall und Berühmtheiten aufs Korn genommen.

Mit dem diesjährigen Blaggedde-Sujet wollten die Reinacher zurück zu den Wurzeln und Altbewährtes hervorheben. So kamen einige der insgesamt 69 Formationen mit fast 1500 Aktiven mit klassischen Kostümen angetrabt wie die Waggis in Blau. «Zrugg zu de Wurzle» war sowohl bei Die Gschrubte wie auch bei den Arroganti Gsindel das Motto. Der Wagen der Ersteren war ganz in Reinacher Farben, mit dem Wappen gestaltet und auf Startplatz 1 gesetzt zum 25-Jahr-Jubiläum.

Auch traditionelle Schweizer Musik hatte ihren Platz. Lief weit vorne zwischen zwei Formationen ein Alphornbläser mit, so hatten die Lavändel Pflügger einen Handorgel-Spieler auf ihrem Wagen, und der Jodler-Klub Reinach mit den Schnitzger Waggis waren ebenfalls mit von der Partie im Edelweiss-Hemd unter dem Motto «Mir sind uf der Alp», während ihre Binggis in einem Zaun als Geissen durch Reinach liefen.

Von den moderneren Themen dominierte der Klimawandel, passend zum sonnigen Wetter bei milden 13 Grad. Die Granate-Schnägge hatten gleich Steckdosen zum Aufladen an ihrem Wagen angebracht und luden zur Rast ein – auch die «Schugger-Tesla» waren willkommen. So konnten sie beruhigen:

Greteli mach dir keini Sorge.
Mit Grüenstrom düen mir unsri Kunde versorge.

Die Zämmegwirflete musizierten unter dem Motto «S wird wüescht-i» als Kaktus verkleidet mit erhitztem Thermometer auf dem Rücken durch die Strassen – samt echtem Kaktus auf Rollen. Mit «E cooli Sach?» brachten Die Andärä Sommerfeeling auf ihrem Wagen, während die Nochwuchs Waggis den Slogan des amerikanischen Präsidenten umwidmeten mit «Make Earth Great Again». Zahlreiche Guggenmusiken zogen am Samstag durch die Strassen. Aus Reinach war auch die Furzgugge in schwarz gekleidet dabei, während die Dornacher Ruinenarre unter dem Motto «Rock me» im Mozart-Kostüm musizierten.

Die Wahlen mit ihren vielen Plakaten waren etwa bei Die Behämmerte angesagt mit ihrem Sujet «Wähl mi», mit ihren blauen und grünen Parteien, Listennummern in Promilleangaben, Hammertypen und der Partei der roten Hämmer.

Isch öber für e politisch Amt parat,
druckt är sie Schnuure ufs Plakat,
no zwei, drei Sprüch, wo alli checke,
scho hängt sis Gsicht an alle Ecke.

Die FassBar Waggis nahmen sich ebenfalls dem Thema an und warben als die Wählbarsten ebenfalls um ihre Gunst, denn was hinter ihnen folge sei eh Müll. Ebenfalls lokal zeigten sich Die Zünftige, die sich dem neuen Abfallsack, dem «Rynacher Sagg», widmeten:

Blaaui Pünggt uff gäälem Grund,
das isch dä Sagg wo vo Rynach chunnt.
In däm Sagg chasch jetze vyyl entsorge,
aber leider, nit die alte Sorge!

Um Entsorgung ging es auch bei den P(r)oscht-Waggis. Sie etikettierten regionale bis internationale Prominenz auf Flaschen und fragten: «Wäär isch die greeschti Fläsche?» Doch ob Putin, Trump oder Mike Shiva, das Fazit zu allen folgte hinter dem Wagen:

Vo dääne Fläsche halte miir nid vyyl,
dr Container isch dääne ihr Ziel.

Aus der Region war Zwingen dieses Jahr gut vertreten mit der wegen der Quecksilberbelastung geschlossenen Gewerbehalle, die von Fasnachtscliquen benutzt worden war. «S’Quecksilber stoht uns bis zum Hals» war das Sujet bei den Chatzebuggler in ihrem kontaminierten Wagen.
Die Nuscheli Waggis hatten auf ihrem Wagen Atemschutzmasken dabei, und die Räppli-Speutzer kamen als in Spinnweben gewickeltes «Gifthüttli» und dichteten:

Me seit z Zwinge hinge:
Tuet me Quäcksilber im Bode «finge».
D Konsequänz, jä sisch zum lalle,
mir mien use, us däre Halle.

«Wagenbau vergiftet» titelten die Poker Waggis und liessen ebenfalls kein gutes Haar an der Situation:

Wär in Zwinge en Waage baut,
het d’Lunge scho versaut.

Auch ein Teil war Reinach bei den Kiwi-Frässer mit ihrem Check «5 Milliarden für die S-Bahn Leimental», wo «Rynach» eine der Stationen auf der LED-Anzeige am Wagen war. Der S-Bahn-Wagen war entsprechend gestaltet und mit Sprüchen versehen:

Hesch Gäld zum versaue?
Denn duet dr Ryf e S-Bahn baue.

Aus dem Leimental brachten die Banane-Bieger ihr verbotenes Baumhaus mit – und die Aktiven im Richterkostüm. Das Baumhaus, das es ohne Baubewilligung bis vors Bundesgericht schaffte, liess sich auch an der Fasnacht mit dem Thema Klima verbinden.

E Baumhuus do, e Baumhoos döt,
isch eigentlich genau was d’Greta wöt.

Die Banane war auch bei den Helvetia Schnägge angesagt – jene, die als Kunst an die Wand geklebt wird.
Weitere Themen Reinacher Cliquen waren etwa Frauenfussball («Fraue am Ball») bei den Räppli- schlänzer mit gutem Frauenanteil auf dem pinken Wagen und die Antwort, weshalb nicht so viele Frauen Fussball spielen: «Jo suech mol 11 Fraue wo s’gliiche azieh wend!»

Die Oserclique dagegen feierte die Verlegung des Rettungsdiensts Nordwestschweiz nach Reinach:

Fürwehr isch jetzt nüm elei,
Sanität isch neu in Rynach dehei.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1