Es war am Montagabend, als hätte Pro Natura Baselland ihren jährlichen Naturschutzpreis neu erfunden. Empfänger war nicht mehr jemand, der sich durch eine besondere, andauernde Naturschutzleistung hervor getan hat, Ort der Feier war erstmals der Landratssaal und das Publikum war eher kleiner als sonst, dafür so jung und mitgehend wie noch nie.

Die neue Präsidentin von Pro Natura Baselland, Meret Franke, lüftete bei ihrer Begrüssung den Schleier: «Wir zeichnen dieses Jahr keinen typischen Naturschützer aus. Wir vergeben den Preis an die jugendlichen Aktivisten der Bewegung Klimastreik Region Basel. Eure Verdienste wollen wir heute feiern und würdigen.»

Die Würdigung übernahmen der ebenfalls neue Geschäftsführer der Naturschutzorganisation, Stefan Grichting, und Mitarbeiterin Astrid Schönenberger. Sie verwiesen darauf, dass die Jugendlichen aus Betroffenheit, mit Zorn, zum richtigen Zeitpunkt und mit genügend Mitstreitern gehandelt hätten. Und der Klimastreik-Bewegung sei es gelungen, aufzurütteln.

Auch habe sie, die zuerst belächelt wurde, es geschafft, die Stimmung zu kippen. «Zahlreiche Erwachsene laufen an den Demos mit. Die Presse nimmt das Thema plötzlich ernst», sagte Grichting. Die Klimastreik-Bewegung habe viel erreicht in kurzer Zeit, «dies allein rechtfertigt diesen Preis voll und ganz».

Vosseler mit viel Schmus

Gemessen am Applaus konnten vor allem der jüngste und der älteste Gastredner punkten beim Publikum: Schüler und Slam Poet Kasimir Krneta mit seinen launigen Texten, die den Stillstand thematisierten, Umweltaktivist Martin Vosseler mit einer feurigen Rede. Er kritisierte seine Generation: «Seit 60 Jahren höre ich: ‹Es kann so nicht weitergehen. Es ist fünf vor Zwölf.›» Trotz einzelnen Lichtblicken wie die Besetzung des AKW-Geländes in Kaiseraugst habe sich aber nichts Grundsätzliches geändert, meinte Vosseler und setzte zum Schmus an die Jungen an: «Ihr seid mein schönster Lichtblick. Ihr habt die Priorität erkannt, die es braucht, und geht dafür auf die Strasse.»

Regierungsrat Isaac Reber dankte den Jungen für den Weckruf und rief sie dazu auf, den Worten Taten folgen zu lassen. Auch im Landratssaal brauche es Kräfte, «die uns vorwärts bringen». Ganz ähnlich auch die grüne Landrätin Florence Brenzikofer: «Wir brauchen Eure Generation auf den Strassen mehr denn je. Aber wir brauchen Eure Generation auch in der Politik mehr denn je.»

Und die Jungen selbst? Ein paar Vertreter nahmen dankend die Preisurkunde und die wärmeresistente Winterlinde entgegen, und Aktivistin Nele meinte stellvertretend: «Preise wie dieser motivieren uns. Aber wir wollen vor allem echte Veränderung, eine Zukunft für uns und unsere Kinder und eine gesunde Welt.» Und dann waren da noch jene, die der Preisverleihung einen besonders peppigen, stimmungsvollen Anstrich verliehen und dafür eine Standing Ovation entgegen nehmen durften: die junge Band Yasmine & Blue Carpet. Auch sie übrigens zu einem Teil Klima-Streiker.