Gewerbeverband

KMU Liestal: «Wir wollen mit einer Geschäftsstelle professioneller werden»

Matthias Renevey gibt sich als KMU-Chef nur eine Vier.

Matthias Renevey gibt sich als KMU-Chef nur eine Vier.

Matthias Renevey, Präsident von KMU Liestal, sagt im bz-Interview, wie seine Organisation aus den Finanz- und anderen Sorgen finden will.

Letzte Woche stellte der Vorstand von KMU Liestal den Mitgliedern die geplante Strategieänderung vor. Sie muss an der nächsten Generalversammlung genehmigt werden – einiges ist derzeit aber noch offen.
Ein Thema war auch die schlechte Finanzlage: Das Vereinsvermögen ist seit 2015 von 200'000 auf aktuell 50'000 Franken gesunken. Mit 217 ist dafür die Zahl der Mitglieder stabil geblieben. Im Interview geht Matthias Renevey, seit 2016 Präsident von KMU Liestal und beruflich Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Liestal Oberbaselbiet, auf den Zustand und den Handlungsspielraum seiner Gewerbevereinigung ein.

Das Vermögen von KMU Liestal ist geschmolzen wie Schnee an der Sonne und die Mitglieder sind mässig zufrieden, nicht zuletzt wegen teils hoher Beiträge. Steckt Ihre Organisation in einer Krise?

Matthias Renevey: Von Krise würde ich nicht reden. Aber wir haben erkannt, dass wir etwas machen müssen. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel Zeit für die Innenstadt und weniger für das Gewerbe aufgewendet. Deshalb haben wir letztes Jahr intensiv diskutiert und uns gefragt, wohin wir wollen. Das Resultat ist die neue Strategie. Bezüglich Finanzen ist zu sagen, dass die Weihnachtsaktivitäten mit Markt und Beleuchtung einfach viel Geld kosten. Wir können aber nicht weiterhin jedes Jahr 40'000 Franken Verlust machen.

Und bei den Mitgliedergebühren handeln Sie auch?

Ja. Diese waren bisher sehr komplex, das haben wir vereinfacht. Unter dem Strich bleiben die gesamten Mitgliedereinnahmen etwa gleich, aber die Verteilung ist anders. So fällt der Marketingbeitrag für die Geschäfte in der Innenstadt von jährlich 200 Franken praktisch weg.

Welches sind die zwei wichtigsten Eckpunkte der neuen Strategie?

Wichtig ist eigentlich alles. Aber im Vordergrund steht sicher, dass wir mit einer Geschäftsstelle professioneller werden wollen. Sie soll sich die Zeit nehmen für die operativen Arbeiten, die bisher die Vorstandsmitglieder, die ja alle auch im Arbeitsleben stehen, unentgeltlich geleistet haben. Die Geschäftsstelle hat dann auch die Zeit, wirklich für die Mitglieder da zu sein. Das einzelne Mitglied soll, und das zieht sich durch die ganze neue Strategie, auch wieder einen fühlbaren Mehrwert von seiner KMU-Mitgliedschaft haben. Das haben wir in den letzten Jahren etwas vernachlässigt. Ich bin denn auch nicht ganz zufrieden mit meiner Arbeit. Müsste ich mich benoten, gäbe es eine Vier.

Wie finanzieren Sie mit einem jährlichen Verlust von 40'000 Franken auch noch eine Geschäftsstelle?

Indem wir Weihnachten anders organisieren. Diese kostet uns jährlich 40'000 bis 50'000 Franken. Wir sind in Diskussion mit unserem neuen Weihnachtsmarktchef. Es gibt verschiedene Szenarien, auf die ich nicht im Detail eingehen will. Eine Möglichkeit ist, einen Teil der Weihnachtsaktivitäten an eine externe Stelle wie zum Beispiel einen eigenen Verein auszulagern.

Was kann denn ein Externer besser als Sie?

Der hat andere Möglichkeiten als wir. Ich denke da etwa ans Sponsoring. Eine Idee ist auch, die Weihnachtsbeleuchtung, die langsam an ihr Lebensende kommt und teuer bei Montage und Demontage ist, durch etwas Günstigeres zu ersetzen.

Den Weihnachtsmarkt wird es aber weiterhin geben?

Das ist das Ziel. Jedoch mit der Einschränkung, dass wir uns das Ganze leisten können. Weihnachten in der jetzigen Form können wir uns genau noch einmal leisten. Aber man muss auch sehen, dass der Weihnachtsmarkt während der fünf Tage hohe Frequenzen nach Liestal bringt. Und das Bild von Liestal nach aussen würde leiden, wenn man den Weihnachtsmarkt nicht mehr meistern könnte.

Spielt die zweite, letztes Jahr gegründete KMU Organisation namens Begegnungszone Liestal auch eine Rolle, dass Sie über die Bücher gegangen sind?

Nein, das ist eine gute Ergänzung. Begegnungszone Liestal fokussiert sich auf die Innenstadt, wir vermarkten Gesamt-Liestal. Wir haben wegen der neuen Organisation auch keine Mitglieder verloren, etliche Detaillisten sind Doppelmitglieder.

Es gibt noch eine andere Zweigleisigkeit: Alle Mitglieder von KMU Liestal sind automatisch auch Mitglied der Wirtschaftskammer. Braucht es das?

Das ist eine zentrale Frage, die wir uns auch gestellt haben und nicht abschliessend beantworten können. Beide Organisationen haben ihre Stärken: KMU Liestal sorgt fürs Netzwerk auf kommunaler Ebene und auch für die Zusammenarbeit mit der Stadt. Die Wirtschaftskammer bewegt sich auf einer höheren Ebene und ist wertvoll für unsere Mitglieder etwa bei Rechtsfragen oder der Planung von Events. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Das Bild vom Marktflecken Liestal ist derzeit zwiespältig: Manor Food geht, Bütler eröffnet in den nächsten Tagen zu seinem Herrenmodegeschäft auch ein grösseres für Damen. Wie ist Ihre Diagnose?

Ihre Einschätzung ist nicht falsch. Aber Liestal hat immer noch ein gutes Renommee: Es kommen neue Geschäfte und die, die hier sind, können sich weitgehend halten. Und jene, die innovativ sind, denen läuft es sehr gut. Beispiele sind etwa das Weingeschäft Paf an der Rosengasse und das Café Angolo dolce an der Rathausstrasse. Natürlich kann es immer mehr sein, aber eigentlich bin ich zufrieden, wie es ist.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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