Männersache

Knall und Rauch: So war der Banntag in Liestal

Die zweite Rotte hatte beim Banntag den längsten Weg und den grössten Durst.

Es sei heiss gewesen, und er habe einen «saumässigen Durst» gehabt, weiss SVP-Grossrat Beat Schaller noch vom letztjährigen Banntag in seinem Rottenbericht: «Über Details weiss ich nicht mehr Bescheid.» Schaller steht auf einem Baumstamm auf einer Lichtung oberhalb des Nuglarfelds und hat die volle Aufmerksamkeit von 500 Männern der Rotte 2 am Liestaler Banntag.

Das Kokettieren mit dem Alkoholkonsum gehört unweigerlich zum Banntag als reiner Männerveranstaltung; denn auch Rottmeister Lorenz Brodbeck, der neben Schaller auf dem Stamm steht, mahnt die Anwesenden scherzhaft, dass die Fahrmöglichkeit zwischen den Streckenhalten nur für ältere Teilnehmer gedacht sei, die nicht gut zu Fuss seien. Und nicht für diejenigen, die aus anderen Gründen nicht mehr laufen könnten.

Es riecht nach Testosteron und Pulverdampf in der Waldesluft. Pünktlich um 8 Uhr ist die zweite Rotte aus der Rathausstrasse losmarschiert, mit Trommeln und Pfeifen als «Spiel» und ohrenbetäubenden Schüssen aus Gewehren und Pistolen. Dieses Jahr zog sie als erste der vier Gruppierungen aus dem Stedtli; insgesamt waren 1200 Banntägler auf den Beinen. Über die Sichternstrasse geht es noch gemeinsam mit der dritten Rotte zum Nuglarfeld, bevor jede Rotte ihren eigenen Weg geht. Die Gruppe von Lorenz Brodbeck ist heuer die grösste: 180 Bürger aus dem Burg-Quartier und Umgebung ziehen mit ihm; der Rest sind geladene Gäste wie Grossrat Schaller.

Die Frauen sind kein Thema

Auch Landratspräsident Hannes Schweizer aus Oberdorf läuft mit – weitere «Prominente» gibt es in der zweiten Rotte nicht, darauf legt Brodbeck wert: «Heute gibt es nur Banntägler. Das ist mir sehr wichtig, dass hier alle gleich sind.» Das sei eine spezielle Eigenschaft seiner Rotte.
Allen Banntagsrotten gemeinsam ist aber die Abwesenheit von Frauen: ein Relikt, an dem im Baselbiet noch Liestal und Sissach festhalten.

Dieses Thema spricht Brodbeck bei seiner Rede auf dem Baumstamm selbst an und bedauert die Basler Zünfte, die man nun zwingen wolle, Frauen aufzunehmen: «Ein Wunder, ist das noch niemandem in Liestal in den Sinn gekommen. Aber da mache ich mir keine Sorgen; da draussen im schönen Wald hört das niemand.» Auch solche Sprüche gehören in eine Männertruppe mit Testosteron und Pulverdampf. Ernst fügt Brodbeck an, dass Frauen am Banntag in den vergangenen 20 Jahren kein Thema mehr gewesen seien.

«Znüni», frei interpretiert

Die zweite Rotte hat dieses Jahr den längsten Weg über den Bienenberg zu gehen, wie Brodbeck auf dem Baumstamm warnt: Die Teilnehmer sollen das beim Znünihalt bedenken. Dieser findet auf dem Munifeld mit Sicht auf Nuglar statt und dauert – das Wort «Znüni» etwas frei interpretiert – von zehn Uhr bis halb zwei. Aber diese Zeit braucht es; denn der Znünihalt sei der gesellschaftliche Höhepunkt des Banntags, erklärt Brodbeck. Da die historische Aufgabe eines Banntags, die Grenzsteine zu kontrollieren, seit vielen Jahrzehnten hinfällig ist, steht heute das Miteinander und Kennenlernen im Mittelpunkt des Banntags.

Zu diesem Zweck erfolgt auch der Appell, bei dem alle Teilnehmer einzeln nach vorne zur Fahne gerufen werden, um anzustossen. Dies tun sie mit Wein, der nur am Banntag im «Muff» ausgeschenkt wird. Und dazu fiel Schaller zuvor auf dem Baumstamm doch noch etwas ein: «Muff auf Bier, das rat ich dir. Bier auf Muff, das git e Suff», hat er gereimt. Und 500 Männer wissen, wovon er spricht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1