Elektrovelos

Kommen bald die langsameren Pick-E-Bikes?

Für die Pick-E-Bikes braucht man einen Führerausweis.

Für die Pick-E-Bikes braucht man einen Führerausweis.

Die Nachfrage stagniert, da die Führerschein-Pflicht den Nutzerkreis einschränkt. Endlich gibt es auch Gespräche mit Birsfelden, Pratteln und Aesch.

Elektrovelos sind schon länger im Trend, doch mit der Coronakrise erleben sie einen zusätzlichen Boom. Velofahren statt Bus oder Tram ist für viele öV-Nutzer zur neuen Normalität geworden. Rosige Zeiten für einen Leihvelo-Anbieter wie Pick-E-Bike, würde man meinen. Doch Corona ist für das regionale Unternehmen ein zweischneidiges Schwert. Wie schon vor einem knappen Jahr nutzen täglich rund 800 Personen das Angebot. «Die Coronakrise hat das Verhalten unserer Nutzer komplett verändert», sagt Geschäftsleitungsmitglied Thomas Eglin auf Anfrage. Die bisher dominierende Gruppe der Berufspendler sei wegen des Homeoffice-Trends geschrumpft. Dafür sei die Nutzung an den Wochenenden gestiegen.

Doch Eglin macht nicht nur Covid-19 für das fehlende Wachstum verantwortlich. 22'500 Nutzer hätten sich mittlerweile auf der App registriert. «Wir bieten nur schnelle E-Bikes an, die ein Nummernschild benötigen. Unsere Zielgruppe sind also Menschen, die einen Führerschein besitzen. Wir rechnen daher damit, bald an Grenzen zu stossen. Es stagniert langsam.» Die Lösung wäre die Einführung einer zweiten Fahrzeugkategorie, die im Gegensatz zu den «Stromer»-Bikes auf 25 km/h gedeckelt wird. «Das Potenzial dort ist gross», sagt Eglin. Pick-E-Bike mache sich entsprechende Gedanken, doch spruchreif sei noch nichts. Interessant: Erst im Frühling unterlag Pick-E-Bike beim Rennen um das geplante staatlich subventionierte Veloverleihsystem von Basel-Stadt einem Bieler Anbieter, der auf die langsamen E-Bikes setzt.

Sogar ins Laufental oder nach Liestal will die Firma

Unabhängig davon möchte das Unternehmen, an dem die Baselland Transport AG, die Basler Kantonalbank sowie Primeo Energie beteiligt sind, sein Einzugsgebiet vergrössern. Anfang Jahr stiess Ettingen dazu, erst Ende Juli Muttenz. Doch noch immer klaffen in der Agglo ein paar Lücken auf der Karte der angeschlossenen Gemeinden. Namentlich in Birsfelden, Pratteln und Aesch können Pick-E-Bike-Nutzer ihr Velo derzeit nicht parkieren. Laut Eglin laufen mit allen drei Orten Gespräche. Prioritär sei dabei Birsfelden: «Dort wollten wir schon lange hin. Mit ihrer kleinen Fläche und der hohen Einwohnerzahl ist die Gemeinde prädestiniert für ein Sharing-System.»

Birsfelden zeigt sich offen, wie Gemeindepräsident Christof Hiltmann bestätigt: «Uns ist wichtig, dass wir in der Energieregion Birsstadt ein einheitliches Leih-System haben.» Die grösste Hürde scheint die Finanzierung. Da die Firma rund zehn Velos pro Quadratkilometer anstrebt, können die vorhandenen 350 E-Bikes nicht weiter verteilt werden.

«Für Birsfelden bräuchten wir rund 20 neue Stromer», sagt Eglin. Trotz Vorzugspreis von rund 4000 statt 6000 Franken pro Velo sei dies eine grosse Investition. Da eine Bestellung derzeit bis zu einem halben Jahr dauert, würde Birsfelden frühestens im Frühling 2021 angeschlossen. Eglin: «Wir werden in den nächsten Wochen nochmals auf die Gemeinde zugehen.»

Basel-Stadt und die Agglomeration reichen Pick-E-Bike aber offenbar nicht: «Unser Ziel ist, dass die Nutzer möglichst lange Distanzen zurücklegen», sagt Eglin. Daher führe man mittlerweile auch Gespräche im Laufental und Richtung Liestal. Allerdings: «Dann müssten wir wohl zuerst in eine zweite Werkstatt und ein zweites Batterielager investieren.» Auch dieser Entscheid steht noch aus.

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