Der vergangene Sonntag war wiederum für zahlreiche Jugendliche im Baselbiet ein besonderer Tag. Am Palmsonntag feierten sie ihre Konfirmation. Als Konfirmand gilt man in der reformierten Kirche vor Gott als erwachsen. Das heisst, dass die Konfirmierten ihre Taufe bestätigt haben und ab sofort zum Abendmahl zugelassen sind.

Auf dieses Ritual bereiteten sich die Anwärter im Konfirmandenunterricht vor, der etwas mehr als anderthalb Jahre dauert.

Doch die Konfirmationsgottesdienste gibt es immer seltener. Weil die Zahl der Kirchenaustritte in der Schweiz generell zunimmt, lassen sich immer weniger junge Menschen konfirmieren. Diesen Trend beobachtet auch die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Baselland.

Sprecherin Stephanie Krieger schreibt auf Anfrage der bz, dass sich über die letzten zehn Jahre der Rückgang bei den Konfirmationen akzentuiert habe, von 1012 im Jahr 2009 auf 717 im vergangenen Jahr.

Wobei die Zahlen zum Teil grösseren Negativbewegungen ausgesetzt waren, das war 2011, 2013 und 2016 der Fall. Die Zahlen nahmen im 2012 aber auch wieder einmal zu, und in den letzten beiden Jahren war der Rückgang nur noch moderat.

Auch in den einzelnen Gemeinden sei ein Rückgang zu erkennen, jedoch sei er nicht in allen Kirchgemeinden gleich stark ausgeprägt. Zudem sei der Abwärtstrend in den Gemeinden nicht ganz so linear. Oftmals veränderten sich die Zahlen von Jahr zu Jahr sehr stark. «Nimmt man beispielsweise Oltingen, so gab es schon früher ‹magere› und ‹fette› Jahre. 2012 waren es 21 Konfirmanden, 2013 zählten wir 4 Konfirmanden und das Jahr darauf 17. In Biel-Benken hatten wir 2018 den absoluten Höchststand mit 29 Konfirmationen. Sissach verzeichnete über die letzten sechs Jahre kaum Schwankungen. Auch in der Kirchgemeinde Binningen und Bottmingen ist relativ gut zu sehen, dass die Konfirmationen nach einem Einbruch im Jahr 2015 drei Jahre hintereinander gestiegen sind und nun fast wieder auf dem Niveau von vor sechs Jahren liegen.»

Gründe für den Rückgang

Mögliche Gründe für diese Entwicklung nennt Doris Wagner von der Reformierten Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg. Laut Wagner lässt sich der Rückgang der Konfirmationen mit vier Hauptfaktoren erklären: mit dem allgemeinen Rückgang der Kirchenmitglieder sowie mit der unvorteilhaften Altersstruktur, sprich mit der Überalterung und mit den geburtenschwächeren Jahrgängen. Auch das allgemeine Bevölkerungswachstum sorgt nicht für volle reformierte Kirchen. Ein grosser Teil der Zuwanderer ist katholisch.

Hinzu kommt laut Wagner, dass es einzelne Jugendliche gebe, die zwar getauft seien, sich aber dazu entscheiden würden, sich nicht konfirmieren zu lassen. Je nach Gemeinde sei der Trend stärker oder weniger stark ausgeprägt.

Ein weiteres Problem für die Reformierten: Viele jüngere Menschen treten aus der Kirche aus, sobald sie das erste Mal ihre Steuererklärung in der Hand halten. Damit reisst jedes Mal eine Tradition ab: Werden diese Ausgetretenen selber Eltern, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie ihre Kinder taufen lassen.

Konfirmation ist Tradition

Das wiederum wäre aber die Voraussetzung dafür, sich konfirmieren zu lassen. Laut Wagner ist die fehlende Taufe jedoch kein unüberwindbares Hindernis: «Es gibt aber immer wieder solche, die sich nachträglich taufen lassen.»

Grundsätzlich kann man laut Stephanie Krieger jedoch beobachten, dass es bei vielen Familien noch immer zum guten Ton gehöre, dass sich der Nachwuchs konfirmieren lasse. Und vielen Jugendlichen sagt der Konfirmandenunterricht auch tatsächlich zu. Das zeigte eine gross angelegte Studie aus dem Jahr 2014. Dort gab ein grosser Teil der Befragten an, sie würden den Unterricht schätzen und als gut bewerten.

Wagner hat beobachtet, dass sich die Jugendlichen zwar auch wegen der Tradition konfirmieren lassen, also weil es einfach dazu gehöre. Es gebe aber viele weitere Gründe: «Wegen den Kolleginnen und Kollegen. Drittens auch wegen der Geschenke. Es gibt aber auch Jugendliche, denen es schlicht um den Glauben geht, das aber selten formulieren können oder wollen.»