Minustemperaturen

Konkurrenz für die Kunsteisbahnen

Spenglercup auf dem Lupsinger Gemeindeplatz statt in Davos.

Spenglercup auf dem Lupsinger Gemeindeplatz statt in Davos.

Nur bei den Kunsteisbahn-Betreibern sorgt der Frost für Frust statt Freude. Denn die Kinder tummeln sich auf gespritzten Schulhausplätzen und Weihern statt auf der Kunsteisbahn.

Kinder mit Hockeystöcken tummeln sich auf «gespritzten» Schulhausplätzen; erneut darf man sich bei den natürlichen Weihern in Arisdorf aufs rubbelige Glatteis wagen; dick eingepackte Wanderer bestaunen das eisige Spektakel, das die erstarrten Wasserfälle an den Strassen von Tecknau auf das Juraplateau nach Zeglingen oder Wenslingen bieten; und ein junges Paar beschliesst, auf spontane Tage in den Bergen über das Jahresende zu verzichten und sich dafür mit den Kindern in Schnee und auf Eis vor der Haustür auszutoben. Erst der Schneefall und nun die Kälte machen das alles möglich.

Vor einem Jahr weit kälter

«E chlyy» aussergewöhnlich sei sie schon, die Kältewelle. Meteorologe Hansruedi Schweizer aus Titterten hält sich aber mit Superlativen zurück: 10,6 Grad, gemessen um 9 Uhr am Stephanstag, sei sein bisheriger Rekordwert – minus, natürlich. Auch er weiss, dass in den frühen und den späten Stunden des Stephanstags oder gestern früh die Thermometer in den Autos tiefere Werte angaben und aus Breitenbach mit –17,2 Grad ein Tiefstwert gemeldet wird. Doch ein wahrer Meteorologe verlässt sich nur auf seriöse Messungen. Und zudem sank sein Thermometer kurz vor Weihnachten des letzten Jahres auf –16,7 Grad. Was sind dagegen da schon die –2 Grad, die gestern bei der Liestaler Kantonalbank-Kreuzung einen Tag lang angezeigt wurden.

Immerhin kann er aber versprechen, dass die eingekehrte Minieiszeit noch bis Ende Jahr anhalten wird. Für heute sagt er etwas Schnee oder sogar Eisregen voraus. Nach drei kalten Tagen werden die Temperaturen am Mittwoch und Donnerstag leicht ansteigen und zeitweise knapp über den Gefrierpunkt klettern. Doch das reicht nicht, um Eisflächen in Pfützen und Eiszapfen in Rinnsale zu verwandeln. Noch am letzten Tag des alten Jahres wird gemäss Schweizer nur im Minus gemessen.

Mehr Handgelenksverletzungen

Die Kehrseite von Eis und Kälte bekommen die Spitäler zu spüren. Es sind aber nicht Arm- und Beinfrakturen, die massiv zugenommen haben, sondern die Handgelenksverletzungen und -brüche. Sie haben sich vor allem in den ersten Tagen verzwei- bis verdreifacht. «Die Leute haben sich inzwischen offenbar aber an die Verhältnisse gewöhnt», sagt Kommunikationschefin Hanne Triebold.

Auch nicht nur begeistert sind die Kunsteisbahn-Betreiber, denn die Besucherzahlen zeigen nicht etwa nach oben. «Logisch, man geht jetzt lieber schlitteln und spazieren als auf die Kunsti», sagt der Sissacher Eismeister Thomas Mangold. «Schnee ist der grösste Konkurrent des Eises.» Auch bereitet ihm seine Arbeit derzeit nur den halben Spass. «Normalerweise bestimmen wir die Temperatur und damit die Qualität des Eises», sagt er, «nun übernimmt das die Natur. Wir freuen uns, wenn es kalt ist, nicht aber, wenn es sehr kalt ist.»

Eishockeyspieler und Curler loben den Zustand des Eises, doch fällt das Thermometer noch mehr, wird das Eis brüchig. Wegen der Kälte wird für keine richtige Eishockeymannschaft ein Training abgesagt. Lichtere Reihen besorgt da eher der Spenglercup, die Eishockey-Festspiele. Die Spieler halten sich bei Kälte einfach an die bewährte Kinderlied-Zeile: «Und d Buebe laufe gschwind.»

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