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Krach um Langmattstrasse: Das Gewerbe will die Verlängerung, die Politiker nicht

Die Langmattstrasse führt jetzt schon vom Gewerbegebiet Mühlematt (vorne) unter dem Tram durch, endeet dann aber abrupt.

Die Langmattstrasse führt jetzt schon vom Gewerbegebiet Mühlematt (vorne) unter dem Tram durch, endeet dann aber abrupt.

Die Langmattstrasse in Oberwil soll verlängert werden. Dies liegt im Interesse der Läden und Firmen in der Mühlematt.

Vor drei Jahren zogen Therwil und Oberwil die Notbremse. Auf der Mühlematt sollten nicht noch mehr Fachmärkte entstehen, die nur viel Verkehr produzieren. Bevorzugt werden sollen im Gewerbegebiet, das sich auf beiden Gemeinden befindet, hingegen das produzierende Kleingewerbe. Beide Gemeinden nahmen entsprechende Bestimmungen in ihre Zonenreglemente auf. Der Grund für die radikale Massnahme: Die Mühlematt ertrinkt täglich im Verkehr und Stau.

Doch jetzt soll das Areal für den motorisierten Verkehr einfacher erreichbar werden. Denn der Kanton möchte die Mühlemattstrasse in Oberwil übernehmen und verlängern, das Baselbiet stimmt am 24. November über den Eintrag in den kantonalen Richtplan ab. Mit der Verlängerung soll man im Gewerbegebiet mit dem Auto einkaufen können, ohne sich durch den Ortskern von Therwil oder Oberwil quälen zu müssen. Das Tram quert man dann unterirdisch, denn der bereits existierende Stumpf der Langmattstrasse enthält eine Unterführung.

Gewerbe ist in Oberwil nicht stimmberechtigt

Für Thomas Schulte, Präsident des Gewerbevereins Oberwil/Biel-Benken, ist das eine gute Sache. «Es wird hundertprozentig weniger Stau geben in der Mühlematt», ist er überzeugt. Die Abmachung zwischen Therwil und Oberwil beschränke die Fläche von Gebäuden, sage aber nichts über deren Nutzung aus. Und jedes KMU müsse gut hin- und wegfahren können. Dass Oberwil die Strasse bekämpft (bz berichtete), leuchtet ihm deshalb nicht ein. «Die beiden Gemeinden haben sich dafür ausgesprochen, in der Mühlematt mehr Gewerbe anzusiedeln», sagt er. «Dann sollen sie auch zum Mehrverkehr stehen, den es damit gibt.» Denn er ist überzeugt: «Man kann nicht fürs Gewerbe sein und die Strasse nicht wollen.»

Dass die Oberwiler Gemeindeversammlung bereits fünf Mal eine Verlängerung abgelehnt hat, ist für ihn «nicht der Volkswille», denn sie repräsentiere nicht die gesamte Bevölkerung. Und von den betroffenen Gewerbetreibenden seien nur wenige stimmberechtigt, da nicht in Oberwil wohnhaft. «Aber bei der jetzt anstehenden Abstimmung können sie mitbestimmen.» Auch der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf (FDP) sieht in der Strassenverlängerung keinen Widerspruch zu den Massnahmen, die seine Gemeinde und Oberwil vor drei Jahren beschlossen haben. Therwil würde von der verlängerten Strasse profitieren, weil derzeit die Ringstrasse die einzige kreuzungsfreie Tramunterführung ist und sich in dieser bewohnten Strasse der Verkehr staut.

Alle grossen Ladenketten sind bereits da

«Wir haben uns damals mit Oberwil darauf geeinigt, dass sich keine neuen, verkehrsintensiven Geschäfte ansiedeln sollen», sagt Wolf. «Aber es sind ja schon alle Ketten dort: Migros, Coop, Denner, Aldi. Entsprechend ist der Verkehr.» Die gemeinsame Strategie von 2016 sage nichts über die Langmattstrasse aus. Diese sei seit jeher als Erschliessung für das Gewerbe in der Mühlematt gedacht gewesen und bereits zum Teil auch schon gebaut.

Nicht undenkbar ist, dass Oberwil auch am 24. November die Strasse ablehnt, aber vom Kanton überstimmt wird. «Das wäre unschön», sagt Wolf. Doch manchmal brauche es übergeordnete Lösungen. «Genau deshalb hat der Kanton beschlossen, die Sache an die Hand zu nehmen.»

Tatsächlich stellt die Baselbieter Regierung die Verkehrsbedürfnisse des Gewerbes in den Vordergrund. Im Abstimmungsbüchlein schreibt sie: «Mit der Langmattstrasse kann auch die Erhaltung und Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Mühlematt als regionalem Standort für Gewerbe und KMU sichergestellt werden.»

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