Ungewisse Zukunft

Kritik an der Wasserversorgung im Waldenburgertal

Hölsteins Gemeindepräsident Gabriel Antonutti vor dem Grundwasserpumpwerk Oberfeld in Hölstein.

Hölsteins Gemeindepräsident Gabriel Antonutti vor dem Grundwasserpumpwerk Oberfeld in Hölstein.

Keine guten Noten für die Wasserversorgung Waldenburgertal (WVW) AG: Arboldswils Gemeindepräsident Johannes Sutter spricht von «Auflösungstendenzen». Gabriel Antonutti, der Gemeindepräsident von Hölstein, erwähnt die finanziellen Probleme der WVW.

«Wir haben aktuell ein einziges grösseres Problem – die Wasserversorgung. Wir sind damit im Waldenburgertal angeschlossen, und hier liegt einiges im Argen, aber es ist auch einiges am Tun.» Dies sagte Arboldswils Gemeindepräsident Johannes Sutter in einem bz-Interview Anfang Monat. Und doppelte im Dorfblatt nach, dass die Wasserversorgung Waldenburgertal (WVW) AG «Auflösungstendenzen» zeige. Was ist los?

Das Problem sind die unterschiedlichen Interessen der neun beteiligten Dörfer, der Liefer- und der Bezügergemeinden. Es geht darum, wer welche Lasten übernimmt. Sutter erzählt: «Irgendwann wurde festgestellt, dass ein Investitionsrückstand besteht. Man wollte Massnahmen ergreifen und den Bezugspreis des Wassers massiv erhöhen.» Dagegen hätten sich die Bezügergemeinden gewehrt. Diese seien aus solidarischen Gründen der Ansicht, die Liefergemeinden müssten im Gegenzug den Lieferpreis reduzieren. «Das Vorhaben scheiterte», konstatiert Johannes Sutter nüchtern.

Hölsteins Gemeindepräsident Gabriel Antonutti bestätigt die komplexe Situation rund um die regionale Wasserversorgung und erwähnt die finanziellen Probleme der WVW. Investitionen und Erneuerungsbedarf stehen an. Dazu fehlt dem regionalen Wasserversorger die Einnahmequelle. «Diese speist man, indem der Wasserzins erhöht wird», zeigt der Hölsteiner Gemeindepräsident die Logik auf. Dass das nicht alle freut, ist verständlich. Gabriel Antonutti und Johannes Sutter sagen unisono, dass Wasser grundsätzlich ein sensibles Thema ist.

VR-Präsident hält den Ball flach

«Ich sehe das Ganze nicht so pessimistisch. Der Wille ist von allen Seiten da, Lösungen zu finden», hält Bruno Imsand, Verwaltungsratspräsident der Wasserversorgung Waldenburgertal AG, den Ball flach. Es treffe zwar zu, dass in den letzten Jahren nicht so viel in die Infrastruktur investiert worden sei, wie erforderlich gewesen wäre. Diesbezüglich sei die Wasserversorgung Waldenburgertal aber in guter Gesellschaft.

Imsand weiss von einer Studie, die besagt, «dass wir nicht die einzige Wasserversorgung sind, die Nachholbedarf hat». Laut diesem Papier hätte die WVW den Bezugspreis von zwei auf vier Franken je Kubikmeter verdoppeln müssen, erklärt Bruno Imsand. An der letztjährigen Generalversammlung wurde beschlossen, den Wasserpreis um 75 Rappen auf 2.75 Franken zu erhöhen. Auch gab man sich drei Jahre Zeit, um definitiv zu regeln, wie es künftig weitergehen soll. Von Auflösungserscheinungen spürt Imsand nichts – er ergänzt jedoch, dass das Gebilde der AG schon seit längerer Zeit infrage gestellt werde.

Hölstein beschäftige sich derzeit mit dem Ausstieg aus der Wasserversorgung Waldenburgertal AG, tönt der Arboldswiler Gemeindepräsident Johannes Sutter an. «Solche Gedanken stehen tatsächlich auf unserer Agenda», sagt Hölsteins Gemeindepräsident. Gabriel Antonutti erhofft sich, dadurch Handlungsfreiheiten für die eigene Gemeinde und für die WVW zu erhalten, um die Wasserversorgung in der Region unter Umständen neu aufzustellen.

«Das Geschäft ist aber noch nicht reif, um im jetzigen Stadium konkreter zu werden», betont er. Wer aber das Hölsteiner Budget 2017 genauer anschaut, findet die Position «Beratungen für Projekte der Wasserversorgung». Hölstein will also aktiv handeln und etwas in Bewegung setzen. Es laufen laut Antonutti erste Gespräche in verschiedene Richtungen. «Wir wollen über Inhalte und Resultate aber erst informieren, wenn Klarheit herrscht.»

Ob Hölstein weiter Aktionär sein wolle oder nicht, sei eine juristische Frage, sagt WVW-Verwaltungsratspräsident Bruno Imsand. Dieser versichert: «Die Gemeinde sagt klar, sie würde weiterhin Wasser liefern und beziehen.»

«Müssen Alternative suchen»

Gemäss Arboldswils Gemeindepräsident Johannes Sutter sind die Bezügergemeinden auf dem Berg – Ramlinsburg, Lampenberg und Arboldswil, die kein eigenes Wasser haben, sowie teils Bennwil – zusammengesessen und probieren, Lösungen zu finden. «Die Arbeiten dauern an. Wir sind gezwungen, eine Alternative zu suchen und auch zu finden», so Sutter. Ein weiterer Punkt ist, ob diese Wasserregion noch genügend Wasser hat. Johannes Sutter dazu: Der trockene Sommer 2015 habe gezeigt, dass es knapp werden könnte. Notleitungen hätten gelegt werden müssen.

Deshalb stellt sich der Arboldswiler so langsam, aber sicher Fragen wie: «Was passiert mit der WVW AG? Was machen wir als Berggemeinden? Woher beziehen wir dann das Wasser?» Sutter sieht die Situation jedoch «nicht dramatisch», weil ein Prozess im Gang sei. Die Infrastruktur befinde sich in gutem Zustand, «es läuft Wasser aus den Hähnen».

Mit der «offiziellen Arbeitsgruppe Berggemeinden», wie sie Bruno Imsand bezeichnet, sei man derzeit in einer entscheidenden Phase. Auch habe der Kanton endlich klare Fakten geliefert – welche Quellen aufgrund der Schutzzonen in Zukunft weiterbetrieben oder aufgehoben würden. Die Diskussionen drehen sich nun darum, in welcher rechtlichen Form die Wasserversorgung Waldenburgertal aufgestellt werden soll. Der Verwaltungsratspräsident der WVW AG stellt drei Varianten in den Raum: Die AG wird belassen wie bisher, es gibt bilaterale Verträge, oder ein Zweckverband wird ins Leben gerufen, wie es der Kanton bei der Zusammenarbeit von Gemeinden vorsieht.

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