Dornach

Kritik: Dieses Anthroposophen-Haus ist keine runde Sache

Erst bewilligt, dann mit einem Baustopp verhängt: das Haus am Juraweg 13.

Die Vorwürfe sind an sich nicht neu: Auf der Dornacher Bauverwaltung herrsche Filz. Dies hiess es bereits vor knapp einem Jahr, als der Gemeinderat Martin Zweifel als neuen Leiter der Bauverwaltung vorschlug.

Martin Zweifel war kein Unbekannter: Hauptberuflich war er Leiter der Bauadministration des Goetheanums. Dazu half er mit einem 40-Prozent-Pensum auf der damals unterbesetzten Dornacher Bauverwaltung aus. Zwischen den Freien Wählern von Gemeindepräsident Christian Schlatter und Zweifel sei die Verbindung ungesund eng, warnten Kritiker.

Nun gibt es neue Vorwürfe gegen Martin Zweifel. Und diese kommen von überraschender Seite: Der bekannte anthroposophische Dornacher Architekt John C. Ermel spricht von «unhaltbaren Zuständen» auf der Bauverwaltung, von «Filz, Seilschaften und Willkür».

Erschliessungsstrasse fehlt

Es geht um ein anthroposophisches Ensemble in der Nähe des Goetheanums, bei dem John C. Ermel als Total- und Generalunternehmer auftritt. 2013 wurde der Bau am Juraweg 13 von der Dornacher Bauverwaltung unter dem damaligen Leiter Stefan Zumthor bewilligt. Der Bau ist mittlerweile weit fortgeschritten. Als eine seiner ersten Amtshandlungen verfügte Zweifel am 23. März 2018 einen Baustopp. Es fehle die vom Nachbarn gewünschte Erschliessungsstrasse. Der Nachbar, ein Erbe einer reichen italienischen Familie, stecke mit dem Bauverwalter unter einer Decke, glaubt Ermel.

Das Solothurner Bau- und Justizdepartement Solothurn wies den verfügten Baustopp allerdings zurück. «Die Baubewilligung für das fragliche Bauvorhaben ist längst erteilt worden. Dies durfte nur erfolgen, weil die Erschliessung – zumindest auf den Zeitpunkt der Fertigstellung der Bauten hin – gesichert war.» So heisst es in einer Verfügung des Departements vom 13. April 2018 zu einer Beschwerde Ermels. Zweifel erlässt daraufhin dennoch einen Baustopp. Dieses Mal aufgrund mehrerer Differenzen zwischen realisiertem Bau und bewilligtem Baugesuch.

Dieses Verfahren ist noch immer hängig. John C. Ermel stellt klar: «Für alles, was gebaut wurde, gibt es rechtliche Zusagen – entweder gestempelte Pläne oder mindestens mündlich von Stefan Zumthor.» Dies spiele keine Rolle, antwortete Zweifel schriftlich: «Die eingereichten Pläne entsprechen in keiner Weise den bewilligten Plänen und bedürfen deshalb einer vollständig neuen Baubewilligung.»

Der Architekt hat gegen den verfügten Baustopp Beschwerde eingereicht. Das Bau- und Justizdepartement im erwähnten Schreiben sowie das Solothurner Verwaltungsgericht am 21. Dezember 2018 erteilten jeweils aufschiebende Wirkung. Ermel durfte auf eigene Verantwortung weiterbauen. Doch Martin Zweifel tauchte am 9. Januar unvermittelt auf der Baustelle auf und schickte alle Handwerker nach Hause. Die Baustelle steht seitdem still.

Demo vor der Verwaltung

Am Donnerstagabend demonstrierten der Architekt und mehrere am Bauprojekt beteiligten Handwerker vor der Gemeindeverwaltung Dornach gegen die Bauverwaltung. Mit einem Plakat forderten sie die Baukommission zum Handeln gegen die Bauverwaltung auf. Neben den am Projekt beteiligten Parteien waren auch einzelne unabhängige Kritiker von Zweifel vor Ort, die anderweitig «schlechte Erfahrungen» mit dem Bauverwalter gemacht hätten.

Bauverwalter Martin Zweifel will sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äussern. Gemeindepräsident Christian Schlatter steht hinter ihm. «Er hat gewissenhaft seine Funktion als Bauverwalter wahrgenommen.» Er verstehe nicht, worin die «filzartigen Verstrickungen» zwischen ihm und Zweifel bestehen sollen. Viel mehr will auch er aufgrund des laufenden Verfahrens nicht sagen. «Die heutige Situation geht schon rund 20 Jahre zurück. Die Situation ist verfahren.» Es gebe baugesetzliche Grundlagen, die für alle Bauwilligen gelten.

«Gemäss gültigem Gestaltungsplan müsste die Erschliessungsstrasse gebaut werden. Der Gemeinderat hat unter anderem aber aufgrund dessen Alters eingewilligt, gegebenenfalls einen angepassten Gestaltungsplan zu prüfen.» Die Strasse sei nur ein Teil der Streitigkeiten, betont Schlatter. «Es geht auch um die Gebäudestruktur, Parkiersituation und Zugeständnisse an Nachbarn.»

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