Feuerwehr

Künftig gibt es im Baselbiet nur noch drei Hauptwachen und sechs Aussenstellen

Das grosse Feilschen beginnt.

Das grosse Feilschen beginnt.

Wer hat künftig noch eine Feuerwehr? Kommandanten wurden über Reformpläne informiert.

Dass die Baselbieter Feuerwehren vor radikalen Änderungen stehen, wusste man seit Juni. Damals informierte die Regierung, dass sie die Schlussfolgerungen des eingesetzten Runden Tisches hin zu einer Teilprofessionalisierung mit zentraler Führung und drei Einsatzregionen unterstütze (bz berichtete).

Seit vorgestern Abend ist nun «die Katze aus dem Sack», wie es ein Feuerwehrkommandant formuliert: Regierungsrat Anton Lauber, Feuerwehrinspektor Werner Stampfli und Gebäudeversicherungs-CEO Sven Cattelan informierten in Muttenz über 100 Feuerwehrkommandanten und Gemeinderäte detaillierter über die Zukunftsstrategie. Die Medien waren nicht zugelassen, doch ist der Schlussbericht mittlerweile auf der Website der Gebäudeversicherung aufgeschaltet.

Drei Hauptwachen und sechs Aussenstellen

Wichtigster Eckpunkt ist die Konzentration der Feuerwehr auf drei Hauptwachen und sechs Aussenstellen im Kanton. Wobei die Hauptwachen von vollamtlichen (zehn pro Wache) und Miliz-Feuerwehrleuten, die Aussenstellen nur von Milizlern betrieben werden. Für die Region West soll die Haupt-Feuerwache in den Raum Reinach-Aesch und die Aussenstelle in den Raum Laufen-Zwingen zu stehen kommen.

In der Region Nord soll der Raum Münchenstein Standort der Hauptwache und die Räume Allschwil-Binningen sowie Muttenz-Pratteln Standort einer Aussenstelle sein. In der Region Ost schliesslich soll die Hauptwache im Raum Lausen-Itingen, die drei Aussenstellen im Vorderen und Hinteren Frenkental sowie im Raum Gelterkinden angesiedelt werden.

Reformpläne stiessen auf geteiltes Echo

Werner Stampfli, der den «Runden Tisch» leitete, betont aber, dass diese Räume nicht ortsgenau definiert seien, sondern überall auch andere Standorte in Frage kämen. Und auch deren Zahl sei offen. Stampfli: «Das ist ein Vorschlag und nicht sakrosant. Es gilt aber, je mehr Standorte, desto mehr Kosten haben wir.» Doch das ausgelotete Sparpotenzial ist beachtlich: Die Gesamtkosten für die Feuerwehr im Kanton sollen mit der Reform von heute 27 auf etwa 16 Millionen Franken pro Jahr sinken. Dabei schenkt die geplante Personalreduktion von momentan 2400 Feuerwehrleuten auf noch etwa ein Drittel ein.

Doch nicht das Geld, sondern die absehbaren Probleme mit dem heutigen System (anderes Sozialverhalten, komplexere Einsätze) seien Haupttreiber für die Reform, hält Stampfli fest. Auch beachtenswert der Kostenteiler, den der Runde Tisch vorschlägt: Da die Gemeinden keine Kompetenzen mehr haben, sollen sie auch nichts mehr an die Feuerwehr bezahlen.

Ihr Anteil soll der Kanton übernehmen

Die Reform soll ab 2028 greifen, für Stampfli ein «sehr ambitioniertes» Ziel, weil das Ganze «sehr emotional» sei. Als nächstes sollen jetzt diverse Arbeitsgruppen «den Knochen benagen». Dann werde man sehen, was bleibe und die Regierung müsse einen Grundsatzentscheid treffen.

Zur Stimmung am Infoabend sagt Stampfli: «Ich habe diese als offen, kritisch und konstruktiv erlebt. Pro- und Contra-Voten hielten sich die Waage.» Ähnlich tönt es von Roger Salathe, Kommandant der Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal und Mitglied des Runden Tisches. Er ergänzt: «Änderungen rufen immer auch Ängsten hervor.»

Für seine Feuerwehr ändere sich mit der neuen Ausrichtung nicht viel

Sie zähle heute schon auf ein Zusammenspiel von Vollangestellten und Milizlern – vier respektive 120 an der Zahl – und verfüge über einen Aussenstandort in Büren. Auch Adrian Weber, Kommandant des Feuerwehrverbunds Wasserfallen mit 30 Milizlern, bewertet die Stossrichtung der Reform positiv. Das gleiche System funktioniere im Elsass gut. Wichtig sei, dass es im Hinteren Frenkental weiterhin eine Feuerwehr-Aussenstelle gebe, da der Anfahrtsweg von Liestal zu lange sei.

Kritischere Töne gibt es von Reto Kunz, Kommandant der Feuerwehr Region Gelterkinden mit 70 Feuerwehrleuten im Milizsystem. Man müsse jetzt aufpassen, dass es nicht zu Motivationsproblemen beim Nachwuchs komme mit dem Tenor «Euch gibt es in ein paar Jahren sowieso nicht mehr». 

Und bei den Gemeinden drohe ein Investitionsstau. Er hat die Stimmung vorgestern Abend als «vorwiegend skeptisch» wahrgenommen. Viele hätten Angst, zum Bauernopfer zu werden. Auch Kunz selbst, wie er indirekt durchblicken lässt: «Ich setze mich mit aller Kraft dafür ein, dass Gelterkinden Feuerwehr-Standort bleibt.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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