Birsfelden

Kult-Beizli: Bei Seppi hinter den sieben Gleisen speisen

Im Birsfelder Hafen kennen Seppi alle. Aufs Foto will der Patron aber nicht. «Das ist doch nicht nötig», sagt er.

Im Birsfelder Hafen kennen Seppi alle. Aufs Foto will der Patron aber nicht. «Das ist doch nicht nötig», sagt er.

Wo essen in der Agglomeration, wenn es schnell gehen muss? Die bz stellt die kultigsten, verstecktesten, speziellsten und natürlich besten Imbisse vor. Heute: Das Kult-Beizli im Birsfelder Hafen, das sich auch ohne Namensschild einen Namen macht.

Ein Radiogerät bräuchte Seppi definitiv nicht in seinem Hafenbeizli. Für den authentischen Sound sorgt schon die Umgebung zu Genüge: die LKW mit ihrem Fauchen beim Anfahren, die Rangierlokomotiven mit ihren Sirenen, die vorbeifahrenden Kesselwagen mit ihrem Quietschen, Rasseln und Rumpeln.

Seppi heisst mit bürgerlichem Namen Josef Giess. Sein Imbiss an der Hafenstrasse 4, der im Telefonbuch als «Hafenkiosk Birsfelden» eingetragen ist, besitzt aber kein Namensschild. «Das braucht es auch gar nicht», sagt der 70-jährige gelernte Koch. «Im Hafen kennt mich doch jeder. Da heisst es einfach: ‹Komm, wir gehen zu Seppi!›.» Seppis Bekanntheit im Hafen verwundert nicht, wirtet er doch schon seit 30 Jahren zwischen Hafenbahn, Rangiergeleisen, einem riesigen Lagerhaus und Wänden aus Schiffscontainern.

Schweinehals mit Suppe

Gekocht wird bei Seppi deftig-währschaft, wie es sich für eine Beiz für Büezer gehört. Beim Besuch der bz besteht der Tagesteller aus geräuchertem Schweinehals mit Bouillonkartoffeln und einem Würstchen, dazu Bohnen und als Vorspeise Grünerbsensuppe mit Brot – alles schmeckt tipptopp. Weiter sind täglich im Angebot: Wienerli, Faustbrot, Schnitzelbrot, Brot und Klöpfer, Lyoner- und Wurst-Käse-Salat. Dazu kommen Kioskartikel wie Schokoriegel.

Auch den Wurst-Käse-Salat degustierte die bz. Dieser ist üppig dekoriert und schmeckt ebenfalls ordentlich. Wünschenwert wäre aber gewesen, hätte man dazu auch Pommes frites bestellen können. Diese vermisst man im Hafenbeizli gänzlich – und das schmerzt, gehören doch Pommes frites bei einem Imbiss fast zur Grundausstattung.

Dafür ist Seppi bei den Preisen durchaus konkurrenzfähig: Das Tagesmenü gibt es für 14 Franken; der Wurst-Käse-Salat kostet 11 Franken 50.

Drei Jahrzehnte im Hafen

Ganze Generationen von Hafenarbeitern, LKW-Fahrern und Basler Zivilschützern, die im nahen Sternenfeld ihren WK abhalten, sind während dreier Jahrzehnte bei Seppi eingekehrt und tun das auch weiterhin – zum Znüni, Zmittag, Zvieri und fürs Feierabendbier, nicht wenige kommen auch zum Kaffee vor der Arbeit, denn der Inhaber und Marie Therese, seine Lebenspartnerin, stehen ausser sonntags (Ruhetag) um sieben Uhr früh hinter der Theke. Früher öffneten sie sogar schon um sechs.

Das Restaurant hat auch eine Luke zum Parkplatz hin. Sie dient als Ausgabe für Eilige, die nur rasch ein Sandwich kaufen oder im Stehen einen Kaffee stürzen wollen. Um 19.30 Uhr schliesst Seppi das Lokal, ausser es sind Stammgäste da. Dann könne es auch ein wenig länger dauern. «Und das ist», ergänzt er, «ziemlich häufig der Fall.»

Die Stammkundschaft besteht zum grössten Teil aus Pensionierten, die früher im Hafen arbeiteten. Sie seien es, die den Betrieb über Wasser halten würden, sagt Seppi, der bereits vor seiner Birsfelder Zeit in Muttenz, seinem Wohnort, zwei Restaurants führte. «Früher war die Beiz über Mittag immer voll. Das hat sich stark geändert.» Schuld für die ausbleibenden Gäste trägt laut dem Wirt die veränderte Arbeitswelt. Etliche Betriebe hätten nun eigene kleine Küchen; die Chefs sähen es nicht gerne, wenn sich ihre Angestellten auswärts verpflegen würden.

Auch seine Hauptkundschaft, die LKW-Fahrer, würden immer häufiger fernbleiben, hat Seppi bemerkt. «Viele machten einen Abstecher zu mir. Heute dürfen sie das nicht mehr: Wegen der Schwerverkehrs-Abgabe sind auch kleine Umwege nicht mehr erlaubt.» Dann gäbe es immer mehr Chauffeure aus Osteuropa. «Doch diesen», sagt Seppi, «ist sogar mein Kaffee zu teuer.» Eine Tasse kostet 3 Franken 70.

Seppi sagt, er werde sicher kein Jahrzehnt mehr anhängen im Hafen. Wer eine urchig-echte Hafenbeiz erleben will, sollte sich also gelegentlich auf die Socken machen. Aber Vorsicht vor den Kesselwagen.

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