Diego Persenico, worüber sprechen wir?

Diego Persenico: Wir sprechen über «Gehorsam». Da fallen mir sofort einige Dinge ein!

Erzählen Sie!

Ich habe ein Hundehotel geführt. Das funktioniert nur, wenn die Hunde brav sind. Die haben besser gehorcht als ich in meinem Leben! Aber ich musste schon auch folgen, etwa in der Rekrutenschule, oder im Geschäft. Seit ich pensioniert bin, muss ich gar niemandem mehr gehorchen. Das hat natürlich auch damit zu, dass meine Frau nicht mehr da ist.

Ihre Frau Jeannette ist vor einigen Jahren gestorben.

Ja, mit 61 Jahren, an Lungenkrebs. Bei ihr musste ich auch ein bisschen gehorsam sein. Sonst funktioniert es nicht. Eine Ehe ist ein Geben und Nehmen. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke. Wir waren 43 Jahre lang verheiratet. Ich habe nie mehr eine Frau getroffen, die an sie herankommt. Das liegt vielleicht auch an mir: Ich bin zu kompliziert, muss meine Freiheit haben. Ich gehorche einer Frau vielleicht eine Stunde lang.

In Birsfelden muss man Sie niemandem vorstellen. Aber auch ausserhalb Ihres Wohnortes sind Sie bekannt. Sie schreiben seit Jahrzehnten Leserbriefe, die Zeitungen berichteten über Sie. Sie gelten als Showman.

Es tönt vielleicht arrogant, aber früher hat es mich nicht interessiert, was die Leute über mich denken. Ich habe einfach gemacht. Als die Gemeinde keine Strasse nach Roger Federer benennen wollte, taufte ich meine Einfahrt in Roger Federer-Strasse um. Jetzt, wo ich älter bin, ist es mir wichtig, dass man mich mag. Die Mehrheit hat heute Freude an mir – ein Riesenunterschied zu früher! Etwas ist aber gleich geblieben: Ich habe immer den Schwächeren geholfen, schon als Kind!

Sie waren SP-Mitglied, sassen im Einwohnerrat.

Es war hart. Ich war in keinem Klan, hatte zu wenig Unterstützung von meiner Partei.

Sie sind aus der Partei ausgetreten und gründeten Ihre eigene: «Salz in der Suppe», Liste 100. 1996 kandidierten Sie für den Gemeinderat. Es reichte zwar nicht, dafür haben Sie der SP den Gehorsam verweigert.

Ich musste viel schlucken in der SP. Wenn ich eine Idee hatte, hiess es immer wieder: «Ach, der wieder!». Das spürte ich generell häufig im Leben: Skepsis, Neid, Missgunst.

Dabei haben Sie auch ihren Fan-Club: Den Diego-Persenico-Fanclub!

Den gabs mal. Ich wusste nie, wer dahinter steckt. Die hängten meine Leserbriefe auf und schickten mir Fotos davon.

Sie gelten auch als stur. Sie haben angekündigt, weiterhin in den Hardwald zu gehen. Die Bürgergemeinde Basel hat die Zugänge abgesperrt. Wegen der langen Trockenheit könnten Äste abbrechen.

Ich gehe in den Hardwald, seit ich Kind bin. Ich kenne die Wege, auf denen es sicher ist. Natürlich ist mir bewusst: Wenn etwas passiert, bin ich selber schuld. Einen Wald komplett abzusperren, ist ein grosser Einschnitt für viele Menschen. Ich zum Beispiel habe nicht mehr so gute Beine. Ohne Lussy, meine Hündin, würde ich mich nicht mehr so viel bewegen. Ohne Hardwald fehlt uns etwas Elementares.

Es heisst, die heutige Jugend sei so brav und angepasst. Waren die Menschen früher aufmüpfiger?

Ich denke schon. Ungehorsam ist manchmal Bürgerpflicht. Man darf nicht Dinge aufgeben, die einem wichtig sind, die fürs Zusammenleben wichtig sind. Ich habe mich immer gewehrt, wenn ich etwas für nicht richtig befand, vor allem mit Leserbriefen, in der bz, in der «Basler Zeitung», im «Birsfelder Anzeiger». Das provozierte auch negative Reaktionen. So erhielt ich anonyme Zuschriften, in denen ich beschimpft wurde.

Sie waren regelmässiger Gast an den Birsfelder Gemeindeversammlungen. So haben Sie den Antrag gestellt, dass nicht mehr die Gemeindeversammlung über die Einbürgerungsgesuche entscheidet. Damals war es Usus, dass sich die Anwärter an den Versammlungen zeigten. Sie haben kritisiert, das sei entwürdigend, gleiche einer «Viehschau».

Das war wohl einer meiner grössten politischen Erfolge. Seither prüft eine spezielle Kommission die Einbürgerungen. Birsfelden hat ja keine Bürgergemeinde, die das erledigen könnte, wie es anderswo der Fall ist. Das Vorgehen, dass die Gemeindeversammlung entscheidet, war stossend. Doch mit diesem Antrag machte ich mir nicht nur Freunde.

Wogegen kämpft Diego Persenico aktuell?

Der «Birsfelder Anzeiger» soll keine eigene Redaktion mehr haben, die Redaktorin wurde entlassen. Da habe ich mehrere Leserbriefe geschrieben. Der Gemeinderat macht es sich zu einfach, hat der Entlassenen gedankt, sonst nichts. Das geht doch nicht! Es braucht Solidarität. Birsfelden muss leben.

Der «Blick» druckte früher Leserwitze ab, viele stammten von Ihnen. Kennen Sie noch einen?

Ui, da muss ich überlegen. Zwei katholische Priester treffen sich. Da sagt der eine: «Du, dass wir heiraten dürfen, das werden wir wohl nicht mehr erleben!» Daraufhin antwortet der andere: «Nein, wir nicht. Aber unserer Kinder!»