Die Kunsteishalle in Sissach wurde geschlossen. Nach dem ersten Schnee des Jahres drohte die Konstruktion unter der Last einzustürzen, da sich das Holzdach mit Kondenswasser vollgesogen hatte. Inzwischen haben die Eishockeyvereine Alternativen gefunden, Sofortmassnahmen sind geplant, und der Kanton hat Geld für ein mobiles Eisfeld zugesprochen. Die Schlittschuhsaison ist gerettet. Jetzt beginnt die Suche nach den Schuldigen.

Fehlende Lüftungsanlagen

Direkt betroffen von dieser Schuldfrage ist die Firma PM Mangold Holzbau mit Sitz in Ormalingen und Kaiseraugst. Das Unternehmen hat die Holzkonstruktion für das Kunschti-Dach gebaut. Gestern lud die Firma zu einer Pressekonferenz. «Unsere Firma hat nicht gepfuscht», stellt Geschäftsleiter Peter Mangold klar. Das Problem liege bei den Lüftungsanlagen, nicht beim Holzdach an sich. Und dafür sei PM Mangold nicht verantwortlich. «Wir haben nichts mit dem Entscheid zu tun, eine offene Kunsteisbahn mit Holzdach zu bauen.» Das sei ein Konzeptentscheid, der von der Bauherrschaft, also der Gemeinde Sissach, gefällt wurde. Diese sei auch verantwortlich für das Klima in der Halle, muss also mit Lufttrocknungsanlagen gegen eine zu hohe Luftfeuchtigkeit vorgehen. Mangolds Berater, Baumanager Roland Stampfli, wirft der Gemeinde vor, beim Personal gespart zu haben. «Es war bei der Planung kein Klimaingenieur dabei. Dieser ist bei einer Eishalle aber elementar wichtig.»

Auch hafte Mangold Holzbau mit keiner Garantie mehr für das Dach - diese ist fünf Jahre nach dem Bau 2005 abgelaufen. Mangold gibt an, der Gemeinde eine Offerte für eine 10-Jahre-Garantie über 50 000 Franken gemacht zu haben. Diese ging jedoch nicht auf den Vorschlag ein. Somit seien alle Mängelansprüche gegenüber der Firma verjährt.

Holzbaufirma warnte Gemeinde

Ebenso in den Wind geschlagen habe die Gemeinde alle späteren Warnungen des Holzbauunternehmens. «Wir haben drei Monate nach der Eröffnung Fachleute aufgeboten», erklärt Peter Mangold, «und wir haben die Gemeinde schriftlich und später eingeschrieben vor den Konsequenzen der hohen Luftfeuchtigkeit in der Halle gewarnt.» Mangold präsentiert ein Gesprächsprotokoll des Gemeinderats, in dem dieser die Warnungen als «unseriös» abtut und die Lage als «nicht so dramatisch» einschätzt.

Sissach reagiert überrascht auf die Anschuldigungen: «Wir waren nicht über die Pressekonferenz informiert», sagt Gemeinderätin Beatrice Mahrer. Die Gemeinde sei jedoch daran, «interne Abklärungen» zum Thema vorzunehmen. Die damals verantwortlichen Politiker sind inzwischen nicht mehr im Amt. Deshalb möchte die Gemeinde erst Stellung nehmen, wenn die genauen Umstände aufgeklärt sind. Gemeindepräsident Peter Buser missfällt Mangolds unangekündigter Gang an die Medien: «Wir müssen jetzt stärker unseren eigenen Weg gehen.» Dieser könnte teuer werden: Die Sanierung des Holzdachs würde laut Mangold 500 000 Franken kosten.