Deutliches Ja

Kunsti Sissach wird zur Eishalle

Die überdachte Kunsti Sissach kann zur Eishalle umgebaut werden.

Die überdachte Kunsti Sissach kann zur Eishalle umgebaut werden.

Die Gemeinde Sissach kann die Kunsteisbahn sanieren und zu einer geschlossenen Eishalle ausbauen. Das Stimmvolk hat am Sonntag in einer Referendumsabstimmung dem 8,7-Millionen-Franken-Kredit klar zugestimmt – im Wissen, dass eine Steuererhöhung nötig ist.

Die Eishockeyaner von Zunzgen-Sissach pokerten hoch, als sie Mitte Woche die Einladung zur After-Abstimmungs-Party in der Kunsti-Beiz verschickten. Zwar galt sie explizit «unabhängig vom Resultat», doch ob wirklich noch jemand aufgetaucht wäre, um den Frust gemeinsam runterzuspülen, darf bezweifelt werden. Dank der deutlichen Zustimmung des Sissacher Stimmvolks zu Ausbau und Sanierung der Kunsteisbahn konnte die Party der Befürworter gestern Abend aber steigen. 1583 Stimmberechtigte oder 61,6 Prozent gaben dem 8,7 Millionen Franken teuren Projekt ihren Segen. Nur 985 oder 38,4 Prozent lehnten es ab. Dies bei einer hohen Stimmbeteiligung von 56,3 Prozent. Somit wird bis Sommer 2019 aus der schadhaften halb offenen eine geschlossene Eishalle gemacht. Dazu werden auch Lüftung, Eisaufbereitungsanlage und Heizung ersetzt sowie räumliche Anpassungen vorgenommen.

Gegner akzeptieren Resultat

Die Deutlichkeit überraschte viele: «Also im Vorfeld hätte ich darauf keine Wette abgeschlossen», sagt etwa Christine Bürgin. Die Präsidentin des EHC Zunzgen-Sissach zeigt sich nicht nur froh, sondern auch «sehr erleichtert». Dies vor allem wegen des Eishockey-Nachwuchses: «Wir haben in den letzten zwei Jahren gerade beim Nachwuchs einen Riesenaufschwung erlebt. Dank der Eishalle hoffe ich, dass alle bei uns bleiben werden.» Auch der Präsident des Ja-Komitees, Ruedi Graf, hatte ein knapperes Ergebnis erwartet. Über das «prächtige Resultat» freut er sich umso mehr. Seine Vorsicht lag vor allem am aggressiv geführten Abstimmungskampf zwischen Ja- und Referendumskomitee: «Es wurde schliesslich hart gefightet an der Front.»

Laut dem Sissacher Gemeindepräsidenten Peter Buser war es aber nur in den Zeitungsspalten ein Kampf auf Augenhöhe: «Das Referendumskomitee hatte in Sissach kaum öffentliche Auftritte. Die Befürworter unternahmen deutlich mehr.» Buser freut neben dem klaren Ja vor allem die hohe Stimmbeteiligung. Dadurch sieht er sich bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Das ist denn auch ein Argument, das die Gegner des Kunsti-Projekts anerkennen: «Fast zwei Drittel des Stimmvolks stützen das Projekt. Da bin ich Demokrat genug, es zu akzeptieren», sagt Walter Stammbach vom Referendumskomitee für eine finanzierbare Kunsti. Das Wichtigste sei für ihn gewesen, dass das Sissacher Stimmvolk darüber abstimmen konnte und nicht nur die Gemeindeversammlung. Gegen das damalige Ja vom 23. August hatte sich auch das Referendum gerichtet.

Steuererhöhung sowieso nötig

Stammbach betont nochmals, dass sich das Komitee nie gegen die Kunsti an sich gestellt habe, sondern bloss gegen das «teure und überstürzte Projekt der geschlossenen Eishalle». Er wünsche den Verantwortlichen nun zwar viel Glück, sagt aber auch: «Das Volk muss jetzt die Konsequenzen tragen.» Damit meint Stammbach die finanzielle Belastung, die auf Sissach zukommt. Bereits hat der Gemeinderat angekündigt, der Gemeindeversammlung vom 14. Dezember eine Steuerfusserhöhung um zwei Prozentpunkte zu beantragen. «Nimmt man die weiteren ausstehenden Investitionen in Schulbauten und Strassen dazu, sprechen wir von rund 40 Millionen Franken. Da werden die zwei Prozentpunkte nicht reichen», sagt Stammbach voraus.

«Die zwei Prozentpunkte sind nötig, mit oder ohne Kunsti», entgegnet Buser. Der Gemeinderat habe aber aufgezeigt, wie Sissach die unvermeidbare Verschuldung ohne weitere Steuererhöhung abtragen kann. Bei diesem Thema ist auch Graf kritisch: «Eine Steuererhöhung auf Vorrat darf es nicht geben.» Überhaupt sei es dem Ja-Komitee wichtig, dass das Projekt in der Umsetzung nicht doch teurer wird als die 8,7 Millionen Franken. Grafs Vorschlag: «Ich plädiere für eine externe Projektkostenbegleitung.»

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