Strafgericht Baselland

KV-Lehrling schleicht in Schulhaus und greift in die Klassenkasse

Der Jugendliche bereicherte sich aus der Klassenkasse. (Symbolbild)

Das Gericht in Muttenz verurteilte den Brasilianer wegen gewerbsmässigen Diebstahls, verzichtete aber auf einen Landesverweis.

«Er weiss, dass er einen Seich gemacht hat. Er möchte jetzt seine letzte Chance nutzen», sagte Verteidiger Simon Schweizer. Zuvor musste er seinem Mandanten schon mehrmals ein Nastüchlein reichen. Der 24-jährige Angeklagte sass am Donnerstag mit hängendem Kopf im Gerichtssaal in Muttenz und wischte sich gelegentlich die Tränen aus den Augen.

Vor einem Jahr war er noch KV-Lehrling auf der Gemeindeverwaltung Birsfelden. Im April 2018 griff er kurz vor Feierabend zu einem Bündel Schlüssel, mit dem er Zutritt zu Schulhäusern, Kindergärten und Sporthallen hatte. Damit schlich er sich im Schulhaus Kirchmatt in ein Klassenzimmer und bediente sich an der Klassenkasse: 3700 Franken lagen in einem Couvert, hinterher verschloss er Schrank und Zimmertüre wieder ordentlich. Zwei Stockwerke tiefer klaute er aus einer Schublade beim Lehrertisch weitere 100 Franken.

Im Juni 2018 ging es so ähnlich weiter, hier nahm er aber im Schulleiterbüro auch die Geschäftskreditkarte an sich, die PIN war praktischerweise direkt daneben notiert. An einem Automaten in Kleinhüningen bezog er damit 1000 Franken, mehr war wegen der Tageslimite nicht erhältlich. Er versuchte es dennoch weitere sechs mal, immer mit tieferen Beträgen. Schliesslich gab er auf und bezog am nächsten Tag erneut 1000 Franken. Danach legte er die Kreditkarte wieder zurück.

Der Verurteilte ist gut integriert und darf in der Schweiz bleiben

Im August schlich er erneut ins Schulleiterbüro. Dort fand er zwei Couverts mit der Aufschrift «Telefongeld Sternenfeld» und «Restgeld Apéro», die 300 Franken enthielten. Bei diesen handelte es sich um einen Köder. Mit Genehmigung des Zwangsmassnahmengerichts filmte eine versteckte Kamera die Aktion. Die Lehrstelle war danach futsch. «Das Vorgehen war an Dreistigkeit kaum zu überbieten», kommentierte Staatsanwältin Evelyn Kern. Insbesondere der Vertrauensbruch gegenüber dem eigenen Arbeitgeber wiege schwer. Immerhin sei er geständig gewesen und zeige Reue. Knackpunkt war aber der Landesverweis: Der Mann ist brasilianischer Staatsbürger und lebt seit seinem neunten Lebensjahr in der Schweiz. Kern sah einen Härtefall.

Auch Einzelrichter Daniel Schmid sah das so und verzichtete auf den Landesverweis. Der Mann sei familiär und beruflich gut integriert. «Die Delikte wiegen nicht genügend schwer, ein Landesverweis wäre hier nicht angemessen. Sie sind jetzt noch mit einem blauen Auge davongekommen. Das ist die letzte Chance, die Sie bekommen», warnte er den 24-Jährigen. Wegen gewerbsmässigem Diebstahl verhängte er eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten und verlängerte die Probezeit auf drei Jahre. Die Schadenersatzforderungen beurteilte Schmid nur teilweise. Offenbar waren die Anträge nicht genau genug begründet und auch nicht belegt.

Der Verurteilte hatte aber bereits angekündigt, das Geld zurückzahlen zu wollen. Nach seinem Rauswurf bei der Gemeindeverwaltung meldete er sich bei der Arbeitslosenkasse, seit Anfang Jahr jobbt er für eine Verkehrsregelungsfirma. Die KV-Abschlussprüfung hat er bis heute nicht abgelegt.

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