Baugesuch

KV will aufstocken – und erntet Einsprachen

Der Kaufmännische Verband Baselland will den Trakt B seines Gebäudeensembles aufstocken. Heimatschutz, reformierte Kirche und Anwohner bemängeln, dass sich der erweiterte «Klotz» nicht mit der feingliedrigen Liestaler Altstadt verträgt.

In Liestal sorgt ein weiteres prominentes Baugesuch für Opposition: Der Kaufmännische Verband Baselland (KV) will den Trakt B seines Gebäudeensembles aufstocken. Der direkt an der Büchelistrasse gelegene Schulhaus-Teil soll um ein Vollgeschoss anstelle des heutigen Attika-Geschosses erweitert werden; darauf wird dann ein neues, grösseres Attika-Geschoss erstellt. Damit wird dieses Schulhaus um rund 3,5 Meter höher, und der KV gewinnt zehn zusätzliche Schulzimmer.

Das tönt unspektakulär. Aber die Büchelistrasse verläuft im einstigen Stadtgraben und trennt die neuere Vorstadt samt KV von der Altstadt. Und im Altstadtteil direkt vis-à-vis des KV stehen mehrere geschützte Gebäude, so das alte Pfarrhaus. Zudem ist die Altstadt von Liestal als Ganzes im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) aufgeführt.

Wie ein Kreuzfahrtschiff in Venedig

Hier setzt der Baselbieter Heimatschutz an. Er ist einer von mehreren Einsprechern und verweist darauf, dass die Liestaler Altstadt im ISOS dem höchsten Erhaltungsziel zugeteilt ist. Das verlange nebst dem Schutz der Bausubstanz, dass die öffentliche Hand ihre Planungen auf den Altbaubestand abstimme. Gleichzeitig taxiert das ISOS den KV-Bau als «klotziges Schulhaus» mit störender Wirkung. Daraus folgert Ulrike Schröer, Architektin und Vorstandsmitglied des Heimatschutzes: «Stockt man diesen störenden Klotz jetzt noch auf, missachtet man die Gesetzgebung.»

Zudem seien aus den Unterlagen keinerlei Interessenabwägung ersichtlich und die Vorgespräche zwischen KV und Stadtbaukommission nirgends dokumentiert. Schröer: «Der Heimatschutz erwartet an diesem delikaten Standort, dass die Interessen einer Schulhauserweiterung und jene des Denkmalschutzes detailliert gegeneinander abgewogen werden.» Schröer ist auch Anwohnerin. Sie lebt in einem Altstadthaus gegenüber dem KV.
Dort wohnt auch Einsprecher Ruedi Stutz, bekannt als Mitgestalter des Bundeshausplatzes in Bern. Nebst der Ortsbildverträglichkeit hinterfragt er noch etwas anderes: «Der Bedarfsnachweis des KV fehlt völlig. Ich habe die Stundentafeln analysiert und komme auf eine Raumausnutzungsziffer von 56 Prozent.» Die KV-Geschäftsführerin war gestern für die bz weder per Telefon noch per Mail erreichbar. Zu den Einsprechern zählt auch die reformierte Kantonalkirche, deren Verwaltung in einem Haus direkt neben dem aufzustockenden KV-Schulhaus einquartiert ist. Kirchenrat Peter Brodbeck begründet die Eingabe einerseits ebenfalls mit städtebaulichen Bedenken: «Ein aufgestockter KV kommt mit einer Gebäudehöhe von rund 23 Metern ab Büchelistrasse gegenüber der feingliedrigen Altstadt wie ein Kreuzfahrtschiff in Venedig daher.»

Andererseits macht sich der Kirchenrat Sorgen, dass seine Mitarbeiter bei Bewilligung des Projekts künftig an «eine 17 Meter hohe Wand ohne Himmelsicht und ohne Licht» starren müssten. Dies sei nicht die Absicht gewesen, als man dem KV bei dessen Erweiterung 1986 das Näherbaurecht gewährt habe, so Brodbeck.

Ganz anders argumentiert der zuständige Stadtrat Franz Kaufmann. Man habe in der Stadtbaukommission verschiedene Varianten diskutiert, die vorliegende sei die beste. Man werde aber das Baugesuch in der Kommission nochmals beraten. Und dann gebe es noch eine politische Komponente: «Wir sind wohlwollend. Denn wir können nach dem Abzug der Pädagogischen Hochschule und dem absehbaren Abzug der Gewerbeschule Gotten froh sein, dass der KV in Liestal bleibt.»

Etwas billig hält sich die Bau- und Umweltschutzdirektion aus dem Grundsatzkonflikt heraus: Sie verschanzt sich hinter dem laufenden Verfahren und schweigt.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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