Strafgericht

Längi-Explosion: Koch wehrt sich gegen Schuldspruch

Bei der Explosion in der Prattler Längi wurden der Verursacher und sieben weiter Personen verletzt.

Bei der Explosion in der Prattler Längi wurden der Verursacher und sieben weiter Personen verletzt.

Diese Woche wird die Explosion in der Längi vom April 2012 in zweiter Instanz vor dem Kantonsgericht in Liestal verhandelt. Der 57-jährige Koch gibt zwar Fehler zu, verlangt aber einen Freispruch.

«Es war keine Absicht», beteuerte der inzwischen 57-Jährige am Montag vor dem Kantonsgericht in Liestal. Im April 2012 wollte sich der Mann in seiner damaligen Wohnung in der Prattler Längi das Leben nehmen und überbrückte die Sicherheitsventile seines Gasherdes, brach den Versuch nach rund zwölf Stunden wieder ab und löste einen Tag später dennoch beim Brötchenbacken versehentlich eine Explosion aus: Die Methangaskonzentration lag laut Experten in seiner Küche noch immer zwischen 4 und 17 Prozent.

Das Baselbieter Strafgericht in Muttenz sprach ihn im August 2015 zwar von vorsätzlichem Handeln frei, verurteilte ihn aber wegen fahrlässiger Verursachung einer Explosion zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Die Staatsanwaltschaft wie auch sämtliche 49 Privatkläger haben das Urteil akzeptiert, er hingegen hat es weitergezogen und fordert einen Freispruch. Das Kantonsgericht in Liestal kann das Urteil deshalb nur bestätigen oder zu seinen Gunsten abmildern, nicht aber verschärfen.

Therapie frühzeitig abgebrochen

Am Urteil hängen auch massive Zivilforderungen, allerdings ist der Mann bereits hoch verschuldet. Er wohnt inzwischen nicht mehr in der Längi, arbeitet nun seit vier Jahren wieder als Koch mit einer 65 Stunden-Woche und verdient netto 3800 Franken im Monat. «Halten Sie Ihren Lohn künstlich tief in Anbetracht Ihrer Schuldensituation?», fragte Gerichtspräsident Dieter Eglin den Koch am Montag skeptisch.

Dieser verneinte, er finde keinen besser bezahlten Job. Die vom Gericht angeordnete Psychotherapie hat er nach zehn Sitzungen abgebrochen. «Hat das Ihnen etwas gebracht?», fragte Eglin. «Ehrlich gesagt: Nein», war die Antwort.

Die Verhandlung drehte sich am Montag hauptsächlich darum, wie ausgiebig er die Wohnung gelüftet hatte: Seine Aussagen dazu waren bislang extrem widersprüchlich. Zentral ist vor allem die Frage, ob und wann er das Kippfenster in der Küche geöffnet hat. Ursprünglich meinte er, er habe es bewusst geschlossen, weil auf dem Balkon darüber jemand rauchen könnte. Vieles drehte sich im Gerichtssaal aber auch um Rechtsfragen. Die Anklage muss eine Pflichtverletzung pingelig genau formulieren, und nachträgliche Ergänzungen sind eigentlich verboten.

Ein Experte hatte beim ersten Strafprozess im letzten Jahr überraschend gesagt, nur ein Fachmann mit Messgerät könne feststellen, ob noch ein gefährliches Gasgemisch vorhanden sei, auch deshalb solle man bei Gasgeruch immer die Feuerwehr alarmieren. Der 57-jährige meinte dazu, er habe sich damals auf seine Nase verlassen. Das Kantonsgericht muss nun beurteilen, ob man diese zusätzlichen Vorwürfe zu spät erhoben hat. Solche Fehler der Staatsanwaltschaft würden zwingend zu einem Freispruch führen.

Der 57-Jährige wurde bei der Explosion ebenfalls verletzt, mehrere Stockwerke waren eingestürzt, insgesamt sieben Nachbarn mussten aus den Trümmern gerettet werden. Zivilforderungen von über drei Millionen Franken sind teilweise noch immer ungeklärt. Das Kantonsgericht fällt sein Urteil am heutigen Dienstag.

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