Einwohnerrat

«Lärmschutzwand-Sandwich» für Liestal: Was passiert mit Infrastruktur?

Wird Liestal zukünftig zwischen Gleisen und Autobahn im «Lärmschutzwand-Sandwich» sein? (Symbolbild)

Wird Liestal zukünftig zwischen Gleisen und Autobahn im «Lärmschutzwand-Sandwich» sein? (Symbolbild)

Plötzlich wird wieder salonfähig, was schon längst ad acta gelegt wurde – ein Tunnel durch den Schleifenberg wurde am Einwohnerrat am Mittwoch von Anna Ott (Grüne) als Interpellation wieder auf den Tisch gebracht.

Als Anna Ott (Grüne) ihre Interpellation «Prüfung Variante Schleifenbergtunnel» einreichte, dachte manch einer: Junge Frau, wo leben Sie? Seit der Diskussion im Liestaler Einwoherrat am Mittwoch weiss man: in der Realität. Denn ein Tunnel durch den Schleifenberg anstelle der A 22 als Umfahrungsstrasse von Liestal ist langfristig nicht abwegig.

So sagte Stadtrat Franz Kaufmann bei der Beantwortung des Vorstosses: «Es gibt einen Variantenvergleich aus dem Jahr 2004. Dabei hat der Tunnel gut abgeschlossen, aber zu sehr hohen Kosten.» Kaufmann sprach von einer Grössenordnung von einer Milliarde Franken und einem Planungshorizont von bis zu 30 Jahren. Für Kaufmann ist die heutige Verkehrssituation unhaltbar. Dies umso mehr, falls die Rheinstrasse-Initiative mit der Forderung nach dauerhaft drei Fahrspuren durchkäme. Kaufmann: «Dann haben wir eine Topanfahrt, den Flaschenhals Liestal mit der A 22 auf einer maroden Ergolzbrücke und ab Altmarkt wieder eine vierspurige Autobahn.»

«Ganz schlechtes Bauwerk»

Kurzfristig steht nun für Kaufmann der Ersatz dieser Brücke im Vordergrund, die auf einem längeren Stück zwischen Pfauenhof und Schwimmbad über der Ergolz verläuft. Als Neubau sei sie jedoch nicht bewilligungsfähig, weshalb sie der Kanton unter dem Titel Erneuerung und Erweiterung sanieren wolle, sagte Kaufmann. Auch kaum bewilligungsfähig ist laut Kaufmann der von Liestal geforderte Zentrumsanschluss bei der Gasstrasse, was die Rosenstrasse entlastet hätte. Zu allem Ungemach kommt, dass die A 22 künftig den Kantonshauptort noch stärker zweiteilt, weil sie höhere Lärmschutzwände braucht. Kaufmanns Folgerung: «Deshalb ist es fast unsere Pflicht, die Tunnellösung weiterzudenken.»

Von «einer sehr grossen Ratlosigkeit und einem ganz schlechten Bauwerk» sprach Hanspeter Meyer (SVP) und forderte vom Stadtrat, beim Kanton «Dampf» zu machen. Werner Fischer (FDP) sieht Liestal künftig zwischen A 22 und dem Vierspur-Ausbau der SBB in einem «Lärmschutzwand-Sandwich» und und Stefan Fraefel (Mitte-Fraktion) meinte als Replik auf Pascal Porchet (FDP), der den Schleifenbergtunnel als «Luftschloss» bezeichnete: «Der Tunnel ist keine Träumerei, sondern eine Notwendigkeit.» Andernorts wie beim Brünig und im Prättigau würden auch Milliarden in Tunnels investiert, um die Leute zu entlasten. Fraefel: «Die A 22 muss ersetzt werden. Der Zeitpunkt ist jetzt richtig, das anzudenken.»

Millionenloch im Budget

Weniger zu diskutieren gab das Budget 2016 mit einem Minus von fast zwei Millionen Franken, während der Entwicklungsplan noch ein Plus vorsah. Für die Abweichungen machte Stadtpräsident Lukas Ott düstere Steuerertragsprognosen und gestiegene Aufwendungen bei Sozialhilfe, Spitex und im Asylbereich verantwortlich.

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