Und nochmals flogen im Landrat gestern die verbalen Fetzen um die Zukunft der Waldenburgerbahn (WB) zwischen Bahn-Erneuern, Nostalgikern und Bus-Freaks. Vor allem Letztere brachen Pfeffer in die Debatte – allen voran Rolf Richterich (FDP) und Hanspeter Weibel (SVP), der mit seiner späten Bus-Idee erneute Abklärungen der Bau- und Planungskommission (BPK) provozierte. Dass diese die Kosten von 65 000 Franken dafür in ihrem Bericht auswies, stiess Weibel hörbar in die Nase. Trotzdem doppelte er mit einem Rückweisungsantrag nach, um «die noch offenen Bus-Fragen» zu klären und um alles «richtig» zu rechnen. Denn er unterstellte der Bau- und Umweltschutzdirektion, vorgegeben zu haben, «den Bus schlecht zu rechnen». Für Weibel ist ein Busbetrieb für das Waldenburgertal «eine Chance für eine innovative Weiterentwicklung». Daneben könne die Dampfbahn als touristische Attraktion auf den heutigen Schienen erhalten werden.

Richterich sagte: «Baselland ist käuflich und ferrosexuell.» Ersteres, weil es sich schon von Basel und dessen «Schalmeienklängen» zur Universität und jetzt bei der WB vom Bund mit seinem Fabi-Topf kaufen lasse. Und dass der Kanton bahnverliebt sei, habe sich beim «Läufelfingerli» gezeigt und zeige sich jetzt erneut bei der WB, obwohl es Alternativen gebe. Die Zukunft gehöre im Waldenburgertal, im Laufental und im Oberbaselbiet den selbstfahrenden Bussen. Richterichs Fazit: «Ich finde nicht gut, jetzt neue Schienen im Waldenburgertal zu bauen.» Nebst Richterich und Weibel sahen das 13 Landräte aus SVP und FDP gleich und unterstützten den Rückweisungsantrag. Die Mehrheit aus Bahn-Erneuern und Nostalgikern – 64 an der Zahl – wollte jedoch davon nichts wissen und versenkte den Bus definitiv.

Nostalgiker unterliegen

Zu den Bahn-Erneuern gehört Hannes Schweizer (SP), Präsident der Bau- und Planungskommission (BPK). Er plädierte im Namen der Kommissionsmehrheit für eine Spurverbreiterung auf einen Meter. Massgebend dafür sei weniger die Kostendifferenz – Infrastruktur und Rollmaterial kommen langfristig bei der Meter-Spur mit 275 Millionen Franken sechs Millionen günstiger –, sondern: «Wir haben jetzt die Möglichkeit, auf einen Meter umzustellen, weil der Bahnhof Liestal ohnehin ein Jahr gesperrt ist für die WB.» Zudem sei die Beschaffung des breiteren Rollmaterials langfristig einfacher.

Das Waldenburgerli bekommt die Meterspur – die Zukunft der Dampflok ist damit passé. (Archiv)

Das Waldenburgerli bekommt die Meterspur – die Zukunft der Dampflok ist damit passé. (Archiv)

Hinter der BPK standen grosse Teile von SP und FDP sowie Grüne/EVP, CVP/BDP und GLP. Wobei es durchaus nuancierte Töne gab. So hob Martin Rüegg (SP) hervor, dass die Umspurung eine Jahrhundertchance sei und möglich mache, dass später auch BLT-Trams im Waldenburgertal fahren. Thomas Eugster (FDP) dagegen betonte: «Im Leben der Schienen beschaffen wir bis zu fünfmal neues Rollmaterial. Und bei jeder Bestellung würde jenes für die 75-Zentimeter-Spur teurer, weil der Wettbewerb hier kleiner ist als bei der Meter-Spur.»

Zu den Nostalgikern zählte die Mehrheit der SVP, für die sich Susanne Strub stark machte. Die 75-Zentimeter-Spur komme den Kanton günstiger und ermögliche der Dampfbahn, falls sie innovativ sei, den Weiterbetrieb, sagte sie und stellte den Antrag, die heutige Spur beizubehalten.

Damit fand sie in der Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann (FDP) eine flammende Unterstützerin: «Wir brauchen eine neue, sichere, zuverlässige Bahn.» Aber es sei der Attraktivität der WB nicht förderlich, wenn die WB während der Umspurung ein Jahr lang durch Busse ersetzt würde. Die Sanierung der 75-Zentimeter-Geleise könne man dagegen etappiert vornehmen, wenn sich die SBB etwas flexibler zeigten. Und die Dampfbahn sei ein Kulturgut und eine Touristenattraktion, so Kaufmann. Doch die Mehrheit sah es anders: Mit 47 zu 31 Stimmen lehnte sie Strubs Antrag ab und entschied sich schliesslich mit 57 zu 20 Stimmen für die Meter-Spur.