Verkehr

Landrat pfeift auf S3-Anschlüsse – weil Itingen und Lausen verteidigt werden sollen

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Streit um den Halt der S3 – der Baselbieter Landrat stellt sich gegen die SBB.

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S-Bahn Die SBB planen, dass die Zusatz-S3 abends nicht mehr in Lausen und Itingen hält, um die Anschlüsse in Olten zu garantieren. Der Landrat sieht es genau umgekehrt.

Sie ist zur Entlastung da, die Zusatz-S-Bahn, die um 17.12 Uhr in Basel SBB ab- und um 17.54 Uhr in Olten einfährt. Denn die Züge durchs Ergolztal sind zur Hauptverkehrszeit bereits ausgelastet - oder gar überlastet. Auf wenig Verständnis stösst bei den Volksvertretern deshalb, dass die SBB ab dem Fahrplanwechsel im Dezember planen, diesen Zug nicht mehr in Lausen und Itingen halten zu lassen. Bereits heute lässt er den regulären S 3-Halt in Tecknau aus.

Das Parlament erachtete deshalb ein Postulat von Sandra Strüby (SP, Buckten) und eine Interpellation von Saskia Schenker (FDP, Itingen) als dringlich. Beide verlangten von Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro (FDP) eine Erklärung und forderten, dass sich die Regierung bei den SBB für einen Erhalt der zwei Stopps einsetzt. Laut Pegoraro sind der Vierspurausbau in Liestal und der Bahnhofumbau sowie die Entflechtung in Muttenz, die dereinst den Viertelstundentakt ermöglichen sollen, dafür verantwortlich. Die Züge müssten auf den betroffenen Teilstrecken langsamer fahren. Die Zusatz-S 3 könnte mit Halt in Lausen und Itingen die Anschlüsse in Olten nicht halten.

43 Personen fahren bis Olten

Doch muss sie das überhaupt? «Der heutige Entscheid ist ein Fingerzeig, was wir höher gewichten», sagte Thomas Eugster (FDP, Liestal), «die Anschlüsse in Olten oder unsere Haltestellen.» Für Florence Brenzikofer (Grüne, Oltingen) ist der Fall klar: «Das ist ein Pendlerzug. Alle, die nach Olten wollen, nehmen den Schnellzug. Es braucht also gar keine Anschlüsse.» Wobei: Die kantonale öV-Delegierte Eva Juhasz legte der bz die Fahrgastzahlen der Zusatz-S-Bahn im werktäglichen Mittelwert 2018 vor. 43 Personen steigen erst in Olten aus, nirgends sind es mehr. In Lausen sind es 15, in Itingen 11. Wie viele Pendler in Olten Anschlüsse brauchen, zeigt die Statistik aber nicht. Tatsächlich zeigte Pegoraro eine Lösung auf, die Brenzikofers Wunsch entspricht: Legt die Zusatz-S 3 in Tecknau einen «nicht-kommerziellen Halt» von einigen Minuten ein, bei dem niemand ein- oder aussteigt, könnte ein Schnellzug überholen. Die S-Bahn käme dann später in Olten an.

Diese Variante fand viel Anklang. Auf den Punkt brachte es Matthias Häuptli (GLP, Allschwil): «Unsere Wähler sind Lausner und Itinger.» Mit 57 zu 15 Stimmen bei 3 Enthaltungen wurde denn auch das Postulat überwiesen. Die Regierung muss sich nun nochmals bei den SBB für die andere Variante einsetzen. Pegoraro verbreitete allerdings wenig Hoffnung: «Wir haben uns wirklich eingesetzt, aber mehr war nicht möglich. Der Entscheid der SBB ist gefallen.» Dies erstaunt, läuft doch die Fahrplanvernehmlassung noch bis kommenden Sonntag.

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