Die Angst geht um im Wahlkreis Pratteln. Es sind weniger die anderen Parteien, die vielen Kandidierenden einen Schrecken einjagen – sie werden nervös, wenn sie die eigene Liste angucken. Die sind in der Summe so gut besetzt wie in keinem anderem Wahlkreis. Unter den Wählbaren finden sich alle acht Bisherigen – zu ihnen gesellen sich etliche fähige, bekannte Köpfe. Und da wären noch die Promis.

Gross ist das Gerangel auf der Liste der FDP. Die Partei hat seit 2011 nur noch einen Sitz, der damals zur SVP abwanderte. Das Mandat besetzt seit 2007 Christoph Buser. Der Direktor der Wirtschaftskammer Baselland wird aber gleich von zwei Gemeindepräsidenten in die Zange genommen. Da wäre zum einen Stephan Burgunder, der in Pratteln einen guten Job macht.

Selbst Linke dürften ihn auf ihre Liste aufnehmen. Dank solcher Zusatzstimmen könnte Burgunder seinem Parteifreund Buser gefährlich werden. Auch nicht zu unterschätzten: Burgunders Amtskollege aus Frenkendorf, Roger Gradl. Obwohl erst drei Jahre im Amt, schafft er es – eine Auszeichnung in der Lokalpolitik – regelmässig, als Sujet an der Fasnacht aufzutauchen. Und als wäre das nicht genug, erscheint auch noch Christoph Keigel auf der Liste der Freisinnigen. Den CEO der Garage Keigel kennt man weit über Pratteln hinaus.

«Sprochrohr vom liebe Gott»

Bei der SVP ist die Ausgangslage etwas komfortabler, aber nur minimal. Die Partei vereint fast 30 Prozent der Stimmen hinter sich und besetzt drei Sitze. Die Bisherigen Christoph Häring (Füllinsdorf), Urs Schneider (Pratteln) und Andi Trüssel (Frenkendorf) könnten aber von Daria Liach (Füllinsdorf) bedrängt werden. Die Studentin ist seit Anfang 2018 Präsidentin der Jungen SVP Baselland und wird als künftige Natalie Rickli des Baselbiets gehandelt.

Ein weiteres bekanntes Gesicht der Volkspartei ist Meinrad Stöcklin. Der langjährige frühere Mediensprecher der Baselbieter Polizei gab im Oktober bekannt, für den Landrat kandidieren zu wollen. Dem Frenkendörfer wird eine gewisse Eitelkeit nachgesagt – die Macher des HC Plausch, der Frenkendörfer Vorfasnachtsveranstaltung, nahmen die Meldung über seine Kandidatur dankbar auf. Für sie ist der stets braun gebrannte Ägyptenfan «S Sprochrohr vom liebe Gott, dr Fraueheld, de vo dr SVP».

Die Arrivierten bei der SP müssen sich vor den jungen Wilden in Acht nehmen. Die Zukunft bei den Genossen im Wahlkreis ist weiblich. Das durchschlagkräftige Nachwuchs-Trio bilden: die Füllinsdörferin Julia Baumgartner, Zentralsekretärin der nationalen Juso und Geschäftsleitungsmitglied der SP Schweiz, Studentin Jasmine Bosshard aus Pratteln sowie Ronja Jansen aus Frenkendorf, Co-Präsidentin der Baselbieter Juso. Mit mediengerechten Aktionen hat sich gerade Jansen hervorgetan, etwa bei Protesten vor dem Regierungsgebäude in Liestal gegen Sozialhilfeabbau oder für die Ausrufung des Klimanotstands.

Damit nicht genug. Mit Hasan Kanber ist nicht nur der amtierende Prattler Einwohnerratspräsident auf der SP-Liste, als Basler Alt-Grossrat hat der Speditionsfachmann bereits mächtig Parlamentserfahrung gesammelt. Kanbers Vorgänger tummelt sich ebenfalls unter den SP-Landratsanwärtern. Es ist Alt-Einwohnerratspräsident Mauro Pavan, der weiterhin im Gemeindeparlament politisiert.

Grüne wollen zulegen

Trotz all den Nachwuchshoffnungen auf der Liste: Die zwei bisherigen SP-Landräte gelten als gesetzt, allen voran Urs Kaufmann. Der Frenkendörfer ist einer der einflussreichsten SP-Vertreter im Kantonsparlament, präsidiert die Bau- und Planungskommission. Mirjam Würth, auch sie aus Frenkendorf, ist Vizepräsidentin der Finanzkommission und bereits seit elf Jahren im Landrat.

Den viertgrössten Wähleranteil nach SVP, SP und FDP verzeichneten 2015 die Grünen, respektive der Grüne Prattler Ableger, die Unabhängigen Pratteln. 2015 verloren sie den dritten Platz an die FDP, jetzt wollen sie wieder Stimmen gutmachen. Ihr bisheriger, Stephan Ackermann, sitzt seit knapp einem Jahr im Landrat und hat dort noch nicht viele Pflöcke eingeschlagen. Als ehemaliger Präsident des Einwohnerrats ist er aber kein Unbekannter. Auch der Prattler Gemeinderat Roger Schneider taucht auf der Günen-Liste auf.

Marc Bürgi als Alleinunterhalter

Ebenfalls auf ein Mandat kamen 2015 die Grünliberalen. Das ist grossem Rechenglück zu verdanken, wie es das Baselbieter Wahlsystem mit der Zuteilung nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren immer wieder möglich macht: Wegen Stimmen aus anderen Wahlkreisen verlagern sich je nachdem Sitze innerhalb der Wahlregion. Die bisherige Regula Steinemann aus Füllinsdorf hat es in vier Jahren im Amt zu zwei Vorstössen im Landrat gebracht – der bisher letzte datiert vom September 2017. Zudem konnte die GLP lediglich sechs Kandidierende auftreiben. Da wäre also etwas Effort im Wahlkampf nicht fehl am Platz, um dem potenziellen Rechenglück in der Wahlregion auf die Sprünge zu helfen.

Kaum bekannte Namen hat die EVP vorzuweisen. Immerhin fungiert auf der Siebnerliste einer der ältesten Kandidierenden bei diesen Gesamt-Erneuerungswahlen. Es ist Thomas Schweizer aus Füllinsdorf mit Jahrgang 1940. Der Autor und pensionierte Gymnasiallehrer hat auch als Kolumnist in der bz eine Fangemeinde. Auffällig bei der EVP: Die Kandidierenden haben keinerlei politische Ämter oder Mandate inne.

Die CVP ist im Wahlkreis bemerkenswert schwach, sie kommt von allen acht Parteien 2015 auf den letzten Platz, mit einem Wähleranteil von 3,9 Prozent – im Gesamtkanton war der Wert mehr als doppelt so hoch: 9,6 Prozent. Da hilft wohl auch das Zugpferd Emanuel Trueb wenig. Der Prattler Gemeinderat hat sich als Leiter der Basler Stadtgärtnerei auch im Stadtkanton einen Namen gemacht. Stimmengarantin ist weiter Dominique Häring, die – als einzige Vertreterin ihrer Partei – im Prattler Ortsparlament sitzt.

Die BDP bekundet bei diesen Landratswahlen Mühe, ihre Listen zu füllen. Häufig müssen auch Auswärtige für «fremde» Wahlkreise in die Bresche springen. In Pratteln jedoch kandidiert auf der Fünferliste mit Marc Bürgi der Präsident der Baselbieter Kantonalpartei persönlich.