Gelingt es einem Newcomer, die Phalanx der Bisherigen zu knacken? Das ist die Frage, die sich bei den Landratswahlen im Wahlkreis Binningen stellt. Denn eines fällt auf: Alle sieben bisherigen Volksvertreter kandidieren nochmals. Keiner davon ist in der zu Ende gehenden Legislaturperiode nachgerückt, alle wurden 2015 ordentlich gewählt.

Zudem handelt es sich um gestandene Landräte und meist um Persönlichkeiten, die im Landrat alles andere als Hinterbänkler sind. Sie sind auch in der Lokalpolitik ihrer Gemeinde gut verankert.

So führen Marc Schinzel und Sven Inäbnit die Liste der FDP an. Inäbnit stand beim Nein der FDP gegen die Spitalfusion im Rampenlicht. Er ist zudem Vizepräsident der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission. Schinzel ist als Jurist das rechtliche Gewissen des Landrats, der immer wieder mit einiger Diplomatie für Ausgewogenheit und Klärung sorgt.

Beide sitzen im Binninger Einwohnerrat, beide sind in zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Gremien verankert. Sie erscheinen zudem viel in den Medien und sind entsprechend bekannt, über die Gemeindegrenzen hinweg.

Bei der SVP steigt neben der Bisherigen Beatrix Bürgin auch Hanspeter Weibel wieder ins Rennen. Er ist als Präsident der landrätlichen Geschäftsprüfungskommission ein solider Finanzpolitiker, der bei jeder Staatsausgabe genau hinschaut. Immer, wenn es um Abgaben geht, von Steuern bis Sozialhilfe, tritt er konsequent für weniger Staat ein.

Beide sind zudem in der Gemeindepolitik engagiert: Bürgin ist in Binningen Einwohnerrätin, Weibel tritt als Gemeindekommissionsmitglied oft mit kritischen Voten an der Bottminger Gemeindeversammlung auf.

Ökopartei im Aufwind

Bei der SP wollen zwei Gesundheitspolitikerinnen für weitere vier Jahre in den Landrat. Lucia Mikeler Knaack vertrat in der Partei das Ja für die Spitalfusion. Sie ist stark verankert im Gesundheits- und Sozialwesen, etwa als Mitglied der Bottminger Sozialhilfebehörde und der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Leimental. Sie ist zudem Gemeinderätin in Bottmingen. Die Binningerin Simone Abt ist Baselbieter Bildungsrätin und Schulratspräsidentin der Sekundarschule Binningen.

Und die Grüne Rahel Bänziger schliesslich ist unermüdliche Kämpferin gegen zu viel Fluglärm vom Euroairport. Sie präsidiert im Landrat die Volkswirschafts- und Gesundheitskommission. Auch sie ist in Binningen Einwohnerrätin.

Zumindest auf dem Papier gibt es wenig Gründe, warum einer dieser Bisherigen abgewählt werden sollten. Diese geballte Politmacht zu knacken, wird für die übrigen Kandidierenden nicht einfach. Dass die Wahlregion die Verteilung der Sitze mitbestimmt, macht es fast unmöglich, eine sichere Prognose über die Sitzverteilung im Wahlkreis Binningen zu machen. Nimmt man die Ergebnisse vor vier Jahren als Massstab, könnte es noch am ehesten einem Kandidierenden der CVP gelingen, einen Bisherigen zu verdrängen.

Die Partei verlor vor vier Jahren ihren einzigen Sitz im Wahlkreis. Sie holte zwar mehr Stimmen als die Grünen. Doch wegen der anderen Gemeinden in der Wahlregion – neben Binningen und Bottmingen sind dies Allschwil, Oberwil, Therwil, Biel-Benken und Ettingen – reichte es nicht mehr für einen Sitz. Die CVP schickt dieses Jahr vier der sieben erfolglosen Kandidierenden von 2015 wieder ins Rennen. Da ist zum Beispiel Patricia Bräutigam, Binninger Einwohnerrätin und Sekretärin der Kantonalpartei. Und Thomas Hafner präsidiert derzeit das kommunale Parlament.

Ebenfalls Hoffnung auf einen Sitz machen können sich die Grünliberalen. In den stadtnahen, wohlhabenden Gemeinden dürften viele Wähler Ökologie als wichtiges Thema empfinden, entsprechend dem schweizweiten Trend. Weil sie dabei aber liberal denken, dürfte die GLP Nutzniesser sein. Zudem hatte die Partei bereits einen Sitz im Wahlkreis Binningen, verlor ihn aber vor vier Jahren.

Die Ökofreisinnigen wenden allerdings eine andere Strategie als die CVP an, die in einer ähnlichen Lage ist. Von den fünf GLP-Köpfen, die jetzt auf der Liste stehen, stammen gerade mal zwei aus Binningen oder Bottmingen. Die übrigen sind im Wahlkreis noch nie in Erscheinung getreten. Ein Kandidat wohnt sogar in einer anderen Wahlregion, nämlich Walter Fankhauser aus Liestal. Ob die GLP so genügend Wähler in Binningen und Bottmingen für sich mobilisieren kann, ist eher fraglich.

Die EVP holte noch 2007 mit dem ehemaligen Parteipräsidenten Urs von Bidder einen Sitz im Wahlkreis Binningen-Bottmingen. Vier Jahre später wurde er aber abgewählt. Seither ist die christliche Partei leer ausgegangen. Auf der diesjährigen Liste hat einzig der Bottminger Lukas Keller politische Ämter, als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission, des Bauausschusses und der Kesb Leimental. Der Gewinn eines Sitzes wäre wohl eine Überraschung.

Konkurrenz müssen die sieben Bisherigen auch auf ihren eigenen Listen fürchten. So will für die SP Caroline Rietschi in den Landrat. Sie ist als Binninger Gemeinderätin, Biel-Benkemer Gemeindeverwalterin und Präsidentin des Gemeindefachverbands bestens vernetzt.

Keine Angst vor der BDP

Die SVP wiederum setzt auf die geballte Kraft von Binninger Lokalpolitikern. Urs Brunner, Barbara Fankhauser und Roman Oberli sitzen alle im Einwohnerrat, Christoph Anliker ist Gemeinderat. Ausser dem Bisherigen Hanspeter Weibel sind alle Kandidierenden aus Binningen.

Auch die Grünen haben gestandene Lokalpolitiker auf ihre Liste gesetzt. Neben Rahel Bänziger kandidieren drei Einwohnerräte und die ehemalige Gemeinderätin Mirjam Schmidli. Auffallend bei den Grünen ist, dass alle Kandidaten aus Binningen sind. Ob da viele Stimmen aus Bottmingen kommen werden?

Keine Angst haben müssen die sieben Bisherigen vor der BDP. Binningen ist mit Laufen der einzige Wahlkreis, in dem die Partei nicht mehr antritt. In Binningen war sie in der Vergangenheit immer leer ausgegangen.