Gegensätzlicher könnte der Wahlkreis Gelterkinden nicht sein. Sowohl die SVP als auch die Grünen beackern hier fruchtbaren Boden.

Bei den vergangenen Wahlen vor vier Jahren erreichte die rechtsbürgerliche Partei einen Stimmenanteil von 38,01 Prozent, nur im Wahlkreis Waldenburg realisierte sie mit 38,37 Prozent einen noch besseren Wert. Die Grünen kamen 2015 im Wahlkreis Gelterkinden auf 14,26 Prozent, so hoch wie sonst nirgends.

Wer erbt Martin Rüeggs Sitz?

Von den sechs bisherigen Landräten stellen sich am 31. März deren fünf der Wiederwahl. Einzig der SP-Mann und Gelterkinder Gemeinderat Martin Rüegg kann nicht mehr antreten wegen der Amtszeitbeschränkung. Gespannt richten sich die Augen darauf, wer den früheren Präsidenten der SP Baselland beerbt.

Auf der Liste der Sozialdemokratischen Partei kommt am ehesten Ernst Schürch aus Rünenberg infrage. Der Sekundarlehrer und Präsident der Amtlichen Kantonalkonferenz der Lehrerinnen und Lehrer ist der prominenteste SP-Kandidat.

Bekannt ist auch der Name Hilber. Tobias Hilber möchte in die Fussstapfen seines Vaters Franz Hilber treten, der die SP von 1999 bis 2005 im Kantonsparlament vertreten hat. Die Sozialdemokraten präsentieren eine Liste mit vielen Jungen: Fünf der sechs Kandidierenden sind 33-jährig und jünger, einzig Schürch mit Jahrgang 1964 tanzt aus der Reihe.

Muss die SVP zittern?

Fast nur verlieren kann die SVP. Ihren hohen Stimmenanteil von 2015 zu toppen wird schwierig. Die drei Bisherigen Markus Meier, Hans-Urs Spiess und Markus Graf scheinen gesetzt. Mit Wahlglück kann die Partei ihre drei Sitze verteidigen, bei Proporz-Pech ist auch ein Mandatsverlust möglich.

Zittern müssten dann wohl Graf und Spiess, der im vergangenen Jahr von sich reden gemacht hat mit seiner Motion zur Sterbehilfe im Kanton Baselland; der Vorstoss hat auch national hohe Wellen geschlagen. Meier hat als ehemaliger stellvertretender Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer und heutiger Direktor des Hauseigentümerverbands Schweiz einen hohen Bekanntheitsgrad.

Primäres Ziel der FDP ist, den Sitz von Stefan Degen zu halten. Dieser rückte 2018 in den Landrat nach für den zurückgetretenen Michael Herrmann. Das Mitglied des Gelterkinder Gemeinderats führt eine starke Liste an. Darauf figurieren weiter Beat Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet, und Rolf Graf, Inhaber und Geschäftsführer des familieneigenen Baugeschäfts in Maisprach sowie Präsident des Verbands Bauunternehmer Region Basel.

Daniela Zumoberhaus präsidiert die FDP Gelterkinden und Umgebung, Manuela Schällibaum ist Vizepräsidentin der Gelterkinder Sozialhilfebehörde und die Frau von Marco Schällibaum, dem früheren Spitzenfussballer und Ex-Trainer mehrerer Super-League-Vereine.

Holt die EVP ihr Mandat zurück?

Spitzenkandidatin bei den Grünen ist Florence Brenzikofer aus Oltingen. Die Sekundarlehrerin ist seit 2013 Landrätin und hat schon von 2003 bis 2005 dem Kantonsparlament angehört. Sie amtiert ebenfalls als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz und hat einst der Baselbieter Kantonalpartei vorgestanden.

Eine interessante Person ist Cynthia Coray. Die Schauspielerin aus Tecknau machte sich in der Region einen Namen als Produzentin des Films «S Gheimnis vo Ammel», den sie vor vier Jahren mit Laiendarstellern aus dem Oberbaselbieter Dorf gedreht hatte. Coray war auch Mitglied des Ensembles von Karl’s kühne Gassenschau.

Allzu gerne revanchieren möchte sich die EVP im Wahlkreis Gelterkinden. Vor vier Jahren musste sie die unglückliche Fügung akzeptieren, dass ihr Mandat von Martin Geiser innerhalb der Wahlregion in den Wahlkreis Waldenburg «wanderte» und damit Parteikollegin Andrea Heger-Weber zum Handkuss kam. Martin Geiser ist inzwischen Präsident der EVP Baselland und nimmt zwar als Letztgenannter auf der Liste, aber als Zugpferd einen weiteren Anlauf.

In der «Poleposition» ist Schwiegersohn Michael Thommen-Geiser, der gleich zweimal aufgeführt ist. Nach einer Pause von zwölf Jahren bewirbt sich Erika Gröflin-Schürch, die ehemalige Sekretärin der Kantonalpartei, erneut für den Landrat. Die EVP setzt auf eine gut durchmischte Auswahl aus jungen und erfahrenen sowie weiblichen und männlichen Kandidaturen.

Kann die Mitte-Liste punkten?

Mitglieder von GLP, BDP und CVP bilden die Mitte-Liste, die erstmals überhaupt an Landratswahlen dabei ist. Diese Gruppierung liebäugelt in der Wahlregion 4 in allen drei Wahlkreisen Sissach, Gelterkinden und Waldenburg mit dem Einzug ins Kantonsparlament. Im Wahlkreis Gelterkinden sticht Meisterlandwirt Alfred Suter heraus, der für die Grünliberalen ins Rennen steigt. Suter bewirtschaftet den Hof Maiberg in Hemmiken. Wegen der oberhalb seines Bauernbetriebs liegenden Deponie Wischberg ist er schon seit Jahren im Clinch mit dem Kanton und der Gemeinde.

Im Wahlkreis Gelterkinden hat sich die Sitzverteilung in den vergangenen 20 Jahren oft verändert. 1999 besass die SD noch ein Mandat, das sie vier Jahre später an die Grünen verlor. 2011 gewann die EVP einen Sitz zulasten der SP. Vor vier Jahren musste sie ihren Sitz jedoch wieder abgeben, dafür errang die SVP ein drittes Mandat.